Am Wochenende fuhr Guido Gluschitsch zufällig ein altes Klapprad. Da kamen Erinnerungen hoch.
Letztes Wochenende, in der Steiermark, lehnte an einer Hausmauer ein altes, rotes Klapprad - ein "Miniradl", wie wir es damals nannten. Ich konnte nicht anders, als den Besitzer zu fragen, ob ich denn eine Runde in seinem Hof fahren dürfe. Er schaute mir verdutzt in die großen, glänzenden Augen und gestattete mir eine Hofrunde.
Meine Mutter hatte Anfang der 1980er Jahre ein silbernes Miniradl, mit dem sie alle heiligen Zeiten einmal zum Arbeiten fuhr. Meist stand das Fahrrad zu Hause. Und zusammengefaltet wurde das Klapprad nicht ein einziges Mal. Aber gefahren wurde es oft. Von mir und meinem Bruder. Bei den 20"-Rädern und dem niedrigen Rahmen hatten wir bald die Größe, dass wir, wenn wir den Sattel ganz niedrig stellten, sitzend fahren konnten. Die Drei-Gang-Nabenschaltung machte uns zu den Schnellsten im Dorf und bald hatten wir heraußen, wie man Sprungschanzen baut, über die man bis ins Krankenhaus springt. Auch der Wettbewerb des längsten Wheeleys endete in der Notaufnahme. Das Bussi von der Mama wegen des verbogenen Koderers gab es dann wieder zu Hause.
Ein Jahr lang sah ich das arme Klapprad leiden. Eine amerikanische Austausch-Schülerin fuhr damit jeden Tag in die Schule. Und jeden Tag hing ihr Hintern mehr über den Sattel, bis man diesen nicht mehr sah und wir Witze darüber machten, wie viele Tage und Kalorien es wohl noch dauern würde, bis ihr der Hintern in die Speichen oder in die Kette kommen würde.
Das alles ging mir durch den Kopf, als ich in der Hofeinfahrt eine Runde nach der anderen drehte. Am Anfang tat ich mir noch schwer. Die kleinen Räder sind, bei den niedrigen Geschwindigkeiten beim Kreisfahren, ungewohnt kipplig, aber bald stellte sich die Freude und die Sicherheit meiner Kindheit wieder ein. Nur schweren Herzens gab ich dem Mann das Fahrrad zurück, und er entschuldigte sich für den schlechten Zustand des Miniradls, aber er habe es erst letzte Woche gekauft und sei auf die Schnelle nur zum Ketten schmieren gekommen.
Kette schmieren geht beim aktuellen Klapprad von Timor nicht ganz so einfach, hat es doch einen geschlossenen Kettenschutz, damit man sich nicht so leicht dreckig machen kann. Bei der Planung des Timor hat man überhaupt gleich auf Komfort geschaut: Es hat dickere Reifen, einen recht langen Radstand und einen hohen Lenker. Mit der 8-Gang-Shimano-Schaltung kostet es rund 1800 Euro, mit der 14-Gang Rohloff-Schaltung um die 2700 Euro.
Um rund 2300 Euro bekommt man beim Flyer Elektro-Klapprad die Tretunterstützung dazu. Übersetzt wird auf dem Flyer entweder mit 8-Gang-Naben-Schaltung oder 9-Gang-Ketten-Schaltung. Eine 8-Gang-Schaltung von Shimano hat das Birdy Hybrid-Klapprad um 3200 Euro. Beide Räder haben eine Tretunterstützung - das Birdy ist aber mit 18 Kilogramm etwas leichter als der Flyer.
Noch leichter, nur 10,9 Kilo schwer, ist das Klapprad Tournado vom Weltmarktführer Dahon. Der Tournado hat 28"-Reifen, einen zerlegbaren Rahmen und kostet rund 2000 Euro.
Rund 900 Euro legt man für das günstigste Brompton Custommade auf den Tisch. Aber den Preis kann man selbst fast beliebig steigern, je nachdem, wie man sich selbst sein Fahrrad zusammen stellt. Man kann aus drei Lenkern wählen, 16 Farben und unterschiedlichen Übersetzungen und Schaltungen. Hartgesottene kaufen sich Teile in Titan dazu, wie etwa die Gabel, die Sattelstütze oder die Schutzbleche.
Kein Titan und kein Carbon hat das alte Miniradl, mit dem ich gefahren bin. Es hat keinen Komfort und vermutlich hat es noch nie jemand zusammen gelegt. Aber es hat eine Patina, und die 5 Euro, die der Mann letzte Woche für sein Klapprad zahlte, könnte ich auch noch aufbringen. Als ich den Mann fragte, ob er mir sein Miniradl verkaufen würde, wiest er mir nur den Weg in seine Garage, wo zwei Mountainbikes und ein Damenfahrrad standen. Von denen könnte ich eines haben, wenn es denn sein müsse, aber sein Miniradl verkauft er nicht - nicht um viel Geld. (Guido Gluschitsch)