Nur kein Stress

6. Mai 2009, 19:26
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Stresstests wurden und werden schließlich gemacht. Veröffentlichung in Österreich? Nein danke - Von Andreas Schnauder

In den USA sind die Banken auf Herz und Nieren überprüft worden, um zu eruieren, ob deren Kapitalpolster dick genug für das Meistern der Krise ist. Viele Details der Ergebnisse sind bereits vor der für Donnerstag,erwarteten Präsentation des vielbeachteten Stresstests durchgesickert. Dass Washington die Daten veröffentlichen will, ist das eigentlich Erstaunliche an der Vorgangsweise der Obama-Regierung.

In Österreich werden derartige Praktiken nicht einmal in Erwägung gezogen. Hier gilt das Wort des Finanzministers und des Notenbank-Chefs. "Österreichs Bankensystem ist absolut stabil", lautet ein Standardsatz von Ewald Nowotny, der es als oberster Bankenaufseher des Landes ja wissen muss. Ostrisiko? Kein Problem. Alles in allem alles paletti.

Stresstests wurden und werden schließlich gemacht. Veröffentlichung? Nein danke. Der Steuerzahler darf brav für die Stärkung der löchrigen Bilanzen zahlen. Wie es um die Banken wirklich bestellt ist, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Nur kein Stress.

Das klingt wenig vertrauenserweckend. Zumal die Analysen über die schrumpfende Eigenkapitaldecke der Finanzinstitute ja nicht so weit hergeholt sind wie von Politik und Banken dargestellt. Der Cocktail aus Kreditausfällen, Abschreibungen auf Ostbeteiligungen und höherem Eigenkapitalbedarf wegen sinkender Bonität der Kunden ist durchaus explosiv. Optimistischere Thesen sollten belegt werden. Schönfärberische Worthülsen tun das nicht. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.5.2009)

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