
Schweinehalter im Müllsammlerviertel Manshiet Nasser setzen Abfall in Brand, um die Polizei am Vorrücken zu hindern. Die Behörden sammeln die Schweine zur Schlachtung ein.
Der plötzliche Aktionismus ist wohl im Versagen bei der Vogelgrippe begründet - und freut die Islamisten.
***
Kairo/Wien - Das Thema Vogelgrippe hatte die ägyptische Regierung 2006 verschlafen und die entstehenden Probleme dem Populismus der islamistischen Opposition überlassen: In diesem politischen Lichte ist der Aktionismus zu sehen, der etwa 350.000 ägyptische Schweine das Leben kosten wird.
Obwohl sich auch in Ägypten die Experten einig sind, dass keine medizinische Notwendigkeit dafür besteht, haben die Behörden die Schlachtung angeordnet. Plötzlich machen sie sich Sorgen um die miserablen hygienischen Zustände, in denen in Kairo die Müllsammler leben, viele davon Halter von Schweinen, die sich durch die Abfallberge wühlen. Die Zustände sind in der Tat erschreckend - ob sie ohne Schweine, die immerhin organischen Abfall vernichten, wirklich so viel besser werden, bezweifeln manche Beobachter.
Erste Schweineverhaftungsaktionen - sogar regierungsnahe Zeitungen spotten über die Angst des Staats vor den "Terroristen" - führten am Wochenende zu Zusammenstößen zwischen Schweinezüchtern und Polizisten, die mit Flaschen und Steinen beworfen wurden. Einige zehntausend Tiere wurden bereits in Schlachthöfe gebracht, wo die Keulungen begonnen haben.
Angeblich soll das Fleisch von den Tieren, die ja gesund sind, verkauft werden und der Erlös den Besitzern zugute kommen - die trotzdem ihre Existenzgrundlage verlieren. Den Schweinehaltern und ihren Vertretern - die Müllsammler haben eine recht aktive Zivilgesellschaft - soll vereinzelt versprochen worden sein, dass sie später ordentliche Schweinefarmen bekommen sollen. Niemand glaubt, dass das je eintreten wird. So wie ja andererseits auch am Durchhaltevermögen der Behörden gezweifelt werden kann, allen Schweinen, die notfalls in Unterkünfte, auch in mehrstöckige Häuser, verbracht werden (auch die Hühner wurden versteckt), nachzuspüren.
Aber die Aktion findet Anklang bei Islamisten, denen die Existenz von Schweinen - die als unrein gelten und dessen Fleisch nach islamischem Gesetz nicht verzehrt werden darf - in Ägypten ein Dorn im Auge ist. Bei den schweinehaltenden Müllsammlern handelt es sich zumeist um Kopten, also Christen. Journalisten, die in Kairo der Sache vor Ort nachgegangen sind, berichten jedoch durchaus auch von schweinehaltenden Muslimen unter den Müllmenschen, die das einfach als Geschäftszweig betrachten, der ihnen ein minimales Einkommen beschert.
Dennoch ist der Streit ums Schwein - das im Nahen Osten lange heimisch ist, sonst wäre es im Judentum und im Islam kaum verboten worden - auch ein konfessioneller. Die Spannungen zwischen extremistischen Muslimen und Kopten nehmen zu, die in den vergangenen Jahren vermehrt Übergriffe beklagen. Die Kopten sehen die Maßnahmen gegen die Schweine als gezielte Repressalie.
Währenddessen gibt es noch immer Vogelgrippekranke in Ägypten, mit 16 gemeldeten Fällen dieses Jahr (bis Mitte April) und zwei Toten im April, was die Todeszahl auf 25 insgesamt anhebt. Ungefähr fünf Millionen Haushalte in Ägypten sind auf Geflügelhaltung für Einkünfte und Ernährung abhängig. (Gudrun Harrer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 06.05.2009)
Wissen: Mehr als 1200 Erkrankungen weltweit
Das Aufkommen der Schweinegrippe wurde am 24. April bekannt: Innerhalb weniger Wochen waren mindestens 60 Menschen in Mexiko daran gestorben, hieß es zunächst. Seit Bekanntwerden der Influenza gab es täglich Meldungen von Neuinfizierten. Ein Fall wurde auch in Österreich bestätigt. Die Zahl der weltweit an dem neuartigen H1N1-Virus angesteckten Personen ist Dienstag auf 1269 gestiegen. Wie das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung in Stockholm (ECDC) weiter mitteilte, entfielen 107 Erkrankungen auf europäische Länder, wo alle Krankheitsverläufe bisher als milde eingestuft wurden.
Das Virus ist erst vergangene Woche tatsächlich bei Schweinen nachgewiesen worden. Der Begriff Schweinegrippe war zuvor stark in die Kritik geraten. Experten zufolge ist der Fleischverzehr unbedenklich; trotzdem haben zahlreiche Länder den Import von Schweinefleisch aus Ländern, in denen Menschen an der Grippe erkrankt sind, gestoppt. (spri)
Die Organisation wehrt sich gegen Vorwürfe, mit der Pharmabranche gemeinsame Sache zu machen
Chan verteidigt Ausrufung der Pandemie
Gesundheitsminister stellt Entscheidung der WHO in Frage: "Gefahr nicht höher als normale saisonale Grippe"
Claudia Wild hat sich mit Kosten und Nutzen bei Influenza-Impfungen befasst - Im Interview sprach sie über Evidenz, Panik, Verschwörungstheorien und Unsinn
Die Buchstaben- und Ziffernfolge H1N1 hat die Pharmabranche in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Das Schweinegrippevirus beschert den einschlägigen Unternehmen ein unerwartet starkes Zusatzgeschäft.
Hygiene ist ein guter Schutz gegen Ansteckung - Ratschläge des Gesundheitsministeriums
Lange Wartezeiten, Ärger mit dem Impffragebogen - Posten Sie Ihre Erfahrungen
Bei Focetria sowie Pandemrix ist in den meisten Fällen nur noch eine Impfung nötig statt zweien
Im Frühjahr wurden die ersten Fälle von Schweinegrippe in Mexiko bekannt
Gesundheitsminister Stöger unternimmt alles, um Panik zu vermeiden
Der Kampf gegen das H1N1-Virus im Selbstversuch: Wie es war, wie es wirkt und welche gesundheitsstrategischen Erkenntnisse die Prozedur insbesondere für jene Leidenden bereithält, die vom Soll-ich-soll-ich-nicht-Erreger infiziert sind
Wer kümmert sich um den grippepräventiv beurlaubten Nachwuchs, solange dieser noch gesund ist?
Impfstraßen, Kosten & Risikogruppen - die wichtigsten Antworten zur Impfung
Verschwörungstheorien zur H1N1-Impfung gefährden die öffentliche Gesundheit
Noch scheint das Trommeln für Massenimmunisierung ein Förderprogramm für die Pharmabranche zu sein
Impfung mit Celvapan
Wenn die Schule wegen Scheinegrippe plötzlich schließt, gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Arbeitern und Angestellten
Die Impfkosten übernehmen die Sozialversicherungsträger
Agentur für Ernährungssicherheit im Gesundheitsministerium informiert zur Schweinegrippe
Opfer sind großteils unter 30, interessanterweise zählen sie aber für die Gesundheitsbehörden nicht zur Risikogruppe
Fieber, Durchfall und Übelkeit: Schweinegrippe weist ähnliche Symptome wie normale Grippe auf
Das Schweinegrippenvirus H1N1 sorgt für große Aufregung
(Verbot grenzüberschreitender Tiertransporte und der entsetzlichen Massentierhaltungen, wo sich durch den permanten Streß, die hochbelastete Stall-"Luft" sowie die Massierung zigtausender armer Tiere auf engstem Raum Seuchen aller Art in Windeseile
verbreiten können), sucht die Pharmaindustrie, unterstützt von hörigen Politikern und Medien, wiederum nach milliardenschweren neuen
Profitquellen.
Das gibt natuerlich den Islamisten Aufwind. Steht ja ganz klar im Koran das das Viech uebel ist. Das betrifft auch die Hunde. Nur die Katerln san liab.
Nur: falls man meint der Mubarak macht das weil er der supa Moslem ist dann liegt man falsch. Das ist nur eine pseudo Massnahme um beim Volk supa leiwand dazustehen. Die zunehmende Islamiersierung hat nur deswegen eingesetzt weil Mubarak und Konsorten sich bereichern und Mismanagement betreiben. Dort wo der Staat versagt wie z.B.: im Gesundheits- oder Schulwesen, dort wird einem via Muslimbruederschaft geholfen. Ohne die waere das Land schon laengst kollabiert.
Der Krieg gegen die Schweine ist nur ein Ablenkungsmanoever.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.