Mit Cowboyhut nach Europa

5. Mai 2009, 15:07
  • "Wir wollen für Europa das Beste. Nicht so wie die ÖVP, die das Beste für Österreich will."
    foto: julis

    "Wir wollen für Europa das Beste. Nicht so wie die ÖVP, die das Beste für Österreich will."

Die Jungen Liberalen und das LIF wollen längerfristig in der Politik Fuß fassen - Einstweilen marschieren sie getrennt

Man nehme: eine Prise Liberalismus, drei Löffel Jugendlichkeit, circa hundert aktive Mitglieder, eine flotte Homepage - und kandidiere bei der Europawahl. Genau so machen es die JuLIs, sie treten bei der EU-Wahl am 7. Juni in Österreich an. Die JuLIs, das sind die jungen Liberalen, die aus dem Liberalen StudentInnen Forum hervorgehen. Ermöglicht hat ihnen das Antreten die österreichische EU-Abgeordnete Karin Resetarits mit ihrer Unterschrift.

Am Dienstag präsentierten sie - bei einer Pressekonferenz der anderen Art, wie sie selbst sagten - die Spitzenkandidaten und das Wahlprogramm. Dabei wurde gekocht und auch die Journalisten mussten Hand anlegen. Es wurden Schürzen umgebunden, Messer verteilt und Orangen und Äpfel für das anzurichtende Müsli geschnitten.

JuLIs ist nicht gleich LIF

Mittendrin die Spitzenkandidaten Hannes Müllner, Alegra Raising und Julia Seidl. Alle drei sind unter dreißig Jahre alt und Studenten. Das kennzeichnet die JuLIs auch, denn im Statut ist festgeschrieben, dass die Mitglieder nicht älter als 35 Jahre alt sein dürfen. Und zugleich unterscheiden sich die JuLIs dadurch auch vom LIF, das trotz des schlechten Ergebnisses bei der Nationalratswahl im Herbst nach wie vor existiert, bei der EU-Wahl aber nicht antritt, um sich auf den Relaunch der Partei zu konzentrieren.

"Wir kämpfen für die selbe Sache wie das LIF", erläuterte Spitzenkandidat Hannes Müllner. Er kommt aus Graz, ist 25 Jahre alt und hat ein besonderes Kennzeichen. Er trägt einen Cowboyhut, denn das symbolisiere Freiheit und Individualität: "Und dafür stehen die JuLIs und Europa auch."

"Für Europa das Beste"

Insgesamt ist es den JuLIs wichtig - als Team, wie sie mehrmals betonten - die Anliegen der Jugend zu vertreten. "Die österreichische Politik ist auf einem Niveau angelangt, das wir nicht mehr ertragen können", so Müllner. "Es braucht eine junge, liberale Politik", sagte auch die 22-jährige Raising, die neben ihrer Funktion als Listenzweite bei der EU-Wahl zudem Bundesparteivorsitzende und Spitzenkandidatin der JuLIs bei der ÖH-Wahl ist.

Man wolle eine "deutliche Alternative" zu den etablierten Parteien bieten und die liberale Partei längerfristig wiederbeleben. Kritisiert wird von den JuLIs, dass die meisten Parteien eine "sehr kritische Meinung zu Europa" haben. "Wir wollen proeuropäisch sein", hielt Müllner fest. "Wir wollen für Europa das Beste. Nicht so wie die ÖVP, die das Beste für Österreich will." Das Europabild der JuLIs sieht demnach vor, dass die EU längerfristig ein föderaler Bundesstaat werden solle - mit einem gemeinsamen Präsidenten, einem gemeinsamen Außenminister, einer gemeinsamen europäische Armee und einer einheitlichen Asyl- und Zuwanderungspolitik für Europa.

Keine PR-Aktion

Dass die EU-Kandidatur eine PR-Aktion für die ÖH-Wahl sei, dementierte Raising: "Wir wollen eine Stimme für die Jugend sein." Das Wahlkampfbudget für die EU-Wahl beläuft sich auf 15.000 Euro von privaten Spendern. "Wir haben ein Mini-mini-mini-Budget" - auf große Plakate werde man deshalb verzichten.

Stattdessen werde man hauptsächlich einen Medien- und Internetwahlkampf führen, schließlich sei das auch "ein Kennzeichen der Jugend" - mit allem was dazugehört: Facebook, StudiVZ und Twitter. Ob man damit erfolgreich sein wird, "werden wir sehen".

Die JuLIs sehen in erster Linie die Jungwähler als Zielgruppe. "Die Jugend ist nicht unpolitisch", sagte Müllner. Er begrüßt, dass in Österreich Wählen ab 16 möglich ist.

Absolute Mehrheit

Und was ist das Wahlziel der JuLIs? "Die Absolute Mehrheit", meinen die drei Kandidaten unisono. Und lachen, denn ganz ernst gemeint kann das ja nicht sein. Nachsatz: "Wenn wir nur ein Prozent kriegen, dann haben wir es zumindest versucht." Jedenfalls sehen es die JuLIs als eine "moralische Verpflichtung", bei der Wahl anzutreten. Und sie wollen auch nach der EU-Wahl den Hut - im wahrsten Sinne des Wortes - nicht nehmen: "Sie werden uns nicht mehr los", kündigte Müller eine Kandidatur der JuLIs auch bei der nächsten Nationalratswahl an.

Bei den nächsten Nationalratswahlen will im Übrigen auch das Liberale Forum antreten. Im Gespräch mit derStandard.at schließt LIF-Bundessprecher Werner Becher eine gemeinsame Kandidatur mit den JuLis nicht aus: Wenn sie sich dem LIF anschließen wollen, habe man "nichts dagegen". Für die EU-Wahl will er aber keine Wahlempfehlung für die JuLis aussprechen, denn eine liberale Partei brauche soetwas nicht. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 5.5.2009)

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Nehma

Nachdem die Grünen zu unglaubwürdigen, aalglatten PROFIS mutiert sind - nehm ich die JuLIs mal als einzige mir derzeit bekannte Alternative bei den EU-Wahlen (weil Nichtwählen und Ungültigwählen ist Realitätsverweigerung bzw. hilft eher denen, denen man nicht helfen will).

Was ist mit der "Europäischen Linken"?

neuer Schwung und Elan

Endlich kommt wieder neuer Schwung in die Politik. Ich freue mich, eine junge Partei mit viel neuen Ideen und Einsatz für Europa und so für Österreich wählen zu können

@ santamonica wie kannst du am Telefon die Kompetenz der 3 Spitzenkandidaten beurteilen?

sorry, vertippt- hab natürlich FOTO gemeint-
@santamonica: wie kannst du am FOTO die Kompetenz der 3 Spitzenkandidaten beurteilen?

das ganze sieht aus wie ein pr-gag. wenn ich mir die 3 ansehe, traue ich ihnen kein wirklich politisches bewusstsein zu. es lebe das marketing

Ein Cowboyhut scheint mir sehr hübsch Reichweite und Grenzen eines liberalen Freiheitsverständnisses zu symbolisieren.

zwischen wir "wollen" proeuropäisch sein und wir SIND proeuropäisch liegen welten!

An alle die sich überlegen die Julis zu wählen:

Die Vorsitzende scheint ein Naheverhältnis zum RFS-Ring Freiheitlicher Studenten zu haben:

http://666kb.com/i/b8p7yb1... kkx89i.jpg

Oh nein schrecklich...

Ein Liberaler und ein RFSler zusammen auf einem Foto?

Das ist doch völlig irrelevant! Solange die JuLis freisinnige Werte vertreten, ist alles im Lot.

Der Lnik ist tot (Zugriff verweigert).

JA und was ist daran so schlimm? Haben Sie nur Freunde, gute Bekannte die auch ihre politische Meinung vertreten?

Wer in der heutigen noch "Liberal" wählt, ist sowieso nicht mehr zu retten...

Ihr Kommentar ist zu blöd um ernst genommen zu werden.
Ich beschimpfe Ihre verkorksten politischen Einstellungen ja auch nicht, Sie intolerante Person!

die heutige Zeit

ist leider auch nicht gefeit vor Leuten wie ihnen, die mit den Wort Liberalismus sofort anscheinend schlimmsten Manchester-Liberalismus, bezahlte Sklavenarbeit und das knechten von Menschen verbindet. Schlagen sie doch einmal ein Lexikon auf, oder lesens nach bei Wikipedia was Liberalismus bedeutet. Wenn sie dann noch immer meinen liberal ist "Pfui" - o.k. ist ihre Meinung. Aber ohne Vorkenntnisse gleich kritisieren ist politisches Dumpfbackentum und somit garantiert nicht liberal.

Sie wissen schon, dass wir uns gerade in größten Weltwirtschaftskrise seit Ende des 2. Weltkrieges befinden? Wer Schuld daran trägt, wissen sie anscheinend nicht. Ich sage es ihnen: Es waren die, die immer weiter nach Profit Maximierung strebten, den "Raubtierkapitalismus" in immer abstrusere Richtungen lenkten, die zu einer Privilegierung weniger Reicher auf Kosten der großen Mehrheit geführt hat, die die meinten der Markt regle sich von selbst, immer weiter die Privatisierung forcierten, soziale Ungerechtigkeiten in Kauf nahmen usw. usw. Man nennt sie die (Neo)Liberalen....

Wenn Sie glauben ..........

........ zu wissen wer die Schuld an der Krise hat, dann machen Sie bitte eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft!
Es ist schon kurios, wenn sich die hochwertigsten Wissenschaftler des Globus in der Frage uneinig sind, aber Sie wollen es genau wissen. Woher nehmen Sie eigentlich Ihre Überheblichkeit?

Wenn man keine Ahnung hat...

...sollte man besser nicht, mit solch wüsten Behauptungen um sich werfen.

Diejenigen welche die ganzen Marktliberalisierungen "erfunden" und fokussiert haben waren die sogenannten Neocons: Von Reagon bis Bush Jr., Thatcher und Co.
Gesellschaftlich Liberal waren die nun wirklich nicht.
Das wort Neoliberalismus ist eine wortschöpfung der Linken die sowohl Liberale zusammen mit Konservativen einem Aufwisch negativ propagandiert.
Vorallem in Europa.

Echter Liberalismus im Gegensatz zum Wirtschaftsliberalismus stellt den Menschen als selbstdenkendes, verantwortungsbewußtes Wesen in den Mittelgrund. Unabhängig Gesellschaftlichen, politischen und Religiösen Dogmen und Ressentiments.

die lulus bekommen noch weniger stimmen als das lif

Freiheit und Individualität ....

....... sind eigentlich die zentralen Werte der Demokratie, die bei allen Parteien vorbehaltlos ausser Streit stehen sollten. Wenn eine Partei das als Programm herausstreichen muss, dann stimmt wohl etwas im Demokratiebewusstsein der etablierten Parteien, die ja vom Volk gewählt sind und daher des Volkes selbst nicht. In fast allen Ländern Europas gibt es kleine bis mittelgrosse Liberale Parteien, die überall die Funktion des moralisch-ethischen Gewissens innehaben. So lange dies in Österreich fehlt bleibt das Land eine unvollkommene Demokratie. Wenn ich irgendwo eine Chance sehe, dass meine Stimme nicht verloren ist, gehört sie den JULIs obwohl ich schon lange nicht mehr 35 bin.

Freiheit und Individualität sind schöne Begriffe, sind aber vor allem Euphemismen für das was Liberalismus wirklich darunter versteht.
Mit Freiheit ist vor allem die Freiheit der Wirtschaft gemeint bzw des Individuums am Markt zu agieren. Nur wird perfiderweise von einem homo oeconomicus ausgegangen, den es nicht gibt. Zudem haben nicht alle die gleichen Vorrausstzeungen und so werden Ungleichheiten verschärft.
Verantwortlchkeit des Individuums verschärft Ungleichheiten genauso, da Reiche sich eh alles leisten können und Arme ohne staatliche Fürsorge keinerlei Möglichkeiten haben.

Individualismus und vor allem Freiheit ist ohne Marktfreiheit nun mal nicht möglich. Jeder, der nicht die Möglichkeit hat, sich am Markt zu verwirklichen (weil er durch den Staat daran gehindert wird), ist kein freier Mensch - das ist der liberale Ansatz, den man natürlich je nach Argumentation in Richtung Ordoliberalismus oder gegenteilig Libertarismus abändern kann.

Meiner Meinung nach stellt es keinen Widerspruch dar, unfaire Anfangsbedingungen (allerdings bitte nur solche, nicht Faulheit) auszugleichen und das Individuum dennoch frei wirtschaften zu lassen. Schlimm wird's nur, wenn - wie bei vielen heimischen Parteien - die Umverteilung im Vordergrund steht und gleichzeitig nichts für die Arbeitsplatzbeschaffung gemacht wird.

Sie dürfen die Julis auch wählen

wenn Sie älter als 35 sind. Die Mädchen und Burschen sind sicher über jede Stimme froh. Nur keine Angst. Karin Resitariz ist ja auch schon etwas über 35.

Ich bin nahe daran, sie zu wählen ................

.......... obwohl ich mir fast sicher bin, dass meine Stimme dadurch verloren geht und nicht in einen Reststimmentopf kommt und so der ELDR zugute kommt. Das ist leider die Schwäche des europäischen Wahlsystems.
Deshalb denke ich auch über eine Alternative nach. Eine solche wäre etwa eine Vorzugsstimme für Othmar Karas um damit den Strasser zurückzureihen.
Momentan schwanke ich noch, welche Entscheidung ich treffen werde.

der strasser kommt so oder so ins eu-parlament.

das mit karas auf nr. 2 ist ja so ein kalkül... aber wenn sie ansonsten eh die liffis gewählt hätten, steht ihnen die övp (wirtschaftsbund, eu-politik) programmatisch wohl am nächsten. wo ich eine zitterpartie vorhersehe ist bei den grünen (da ich nicht will, dass sie aus dem eu-parlament fliegen, werde ich sie wahrscheinlich wählen, obwohl mir der herr swoboda auch recht sympathisch ist).

Gute Ansätze ....

wie abschaffung Wehr/Zivildienst usw. jedoch einige Ideen machen die Partei nicht wirklich wählbar.

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