"Das Wesentliche ist erledigt"

5. Mai 2009, 12:27

Ewald Nowotny, der Gouverneur der Oesterreichischen National­bank, zeigt sich im Video-Interview zum weiteren Verlauf der Krise opti­mistisch und ortet "deutliche Zeichen der Entwarnung" aus Osteuropa

"Nach menschlichem Ermessen ist das Wesentliche erledigt", meint der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und EZB-Ratsmitglied, Ewald Nowotny, im Gespräch mit Hans Rauscher zur Banken- und Finanzkrise. Aus Osteuropa ortet Nowotny "deutliche Zeichen der Entwarnung" und zwar nicht wegen der Entwicklung in der Region selbst, sondern auf Grund des sehr starken Sicherheitsnetzes des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union. "Das wird als sehr starke Stütze gesehen, sodass man davon ausgeht, dort kann eigentlich nichts Gröberes passieren." Die Osteuropa-Initiative der österreichischen Regierung sei "gut, vernünftig und letzten Endes erfolgreich" gewesen. 

Banken-Verstaatlichungen "nicht notwendig"

"Nach heutigem Wissen, werden Verstaatlichungen nicht notwendig sein", hält Nowotny weiters zur Situation der heimischen Banken fest. Die Milliardenhilfen für die Banken verteidigt der Gouverneur, denn es gehe darum, "dass die Banken ihre Funktion als Blutkreislauf einer Volkswirtschaft erfüllen können." Eines haben man schließlich aus der Krise lernen können: Man müsse zunächst den Finanzsektor in Ordnung bringen, damit das Andere funktioniert.

Steht Österreich vor dem Bankrott?

Ein Staatsbankrott Österreichs sei nicht zu erwarten, meint Nowotny. Diese Aussage von Nobelpreisträger Krugman sei "hausgemacht" auf Grund einer suggestiven Frage eines österreichischen Journalisten entstanden. Österreich sei natürlich auch von der Krise betroffen, "vergleichsweise stehen wir aber deutlich besser da". Österreich sei "sicherlich einer der solidesten Staaten, die es gibt." Grund dafür sei auch, dass Österreich im Vorjahr fast ein ausgeglichenes Budget hatte, was dem Staat "Spielraum" einbringt.

Nowotny warnt jedoch: "Wir dürfen jetzt nicht die Krise als Ausrede für eine leichtfertige Budgetpolitik verwenden." Dass man jetzt gegensteure sei richtig. Sobald es wirtschaftlich geht, müsse man jedoch wieder Defizite verringern. Und man müsse auch jetzt während der Krise überlegen, wo es Strukturreformen innerhalb der Verwaltung gibt, die man angehen kann, ohne negative Nachfragewirkungen zu haben.

Wie geht es nach der Krise weiter?

Wie die Welt nach der Krise aussehen wird, skizziert Nowotny so: "Das Bankensystem wird deutlich anders aussehen. Die großen Herrscher des Bankensystems, die amerikanischen Investmentbanken, von vor fünf Jahren gibt es heute nämlich nicht mehr." Zukünftig werde es ein "konservativeres, dafür stabileres" Bankensystem geben. Die weltwirtschaftliche Machtverteilung werde sich verschieben, wobei die Rolle der USA und von Europa gegenüber der von Asien und dort vor allem Chinas abnehmen werde. Durch eine erschwerte Kreditvergabe würden diese teurer werden und dadurch die langfristigen Wachstumsraten voraussichtlich niedriger werden. Es sei ein ganz typisches Phänomen, dass es nach einer Krise, "die ja im Wesentlichen das Platzen einer Blase ist", zumindest eine Generation lang eine konservativere Entwicklung gibt, so Nowotny.

"Ich glaube, dass wir einen der seltenen Fälle haben, bei welchem die Wirtschaftspolitik tatsächlich aus der Geschichte gelernt hat", meint Nowotny und glaubt deshalb nicht, dass die Auswirkungen der Krise so stark wie in den 30-er Jahren sein werden. Er fügt hinzu: "Hätten die Notenbanken nicht rechtzeitig reagiert, hätten wir wieder eine große Krise haben können".

Gefahr der Deflation

Die Befürchtung, dass es nun zu einer starken Inflation kommen wird, teilt Nowotny nicht. Die Notenbanken weiten jetzt zwar die Liquidität aus, sie könnten diese jedoch auch wieder zurück fahren. Die Europäische Zentralbank sei hier "ganz klar stabilitätsorientiert" und auch in den USA sieht Nowotny den "politischen Willen" dazu. Nowotny meint deshalb: "Für die absehbare Zeit ist unser Gefahrenpotenzial eher in der Deflation als in der Inflation zu sehen."

Gründe für die Krise und Gegenfrage

Die Erklärung Nowotnys, wie "die Blase" überhaupt entstehen konnte und was Hans Rauscher auf die Gegenfrage des Gouverneurs antwortet, wie ein Journalist die Finanzkrise spürt antwortet, finden sich im obigen Video. (rasch, derStandard.at, 5.5.2009)

Kommentar posten
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herr-karl
02
25.6.2009, 13:55

Der gute Mann hat noch nie Recht gehabt mit seinen Einschätzungen! Kalkül, Politik oder Nichtwissen?

August 2008:
Ewald Nowotny, sieht keine unmittelbare Gefahr für das europäische Finanzsystem, ein Rettungspaket à la USA hält er trotz Übernahmen und Staatsgarantien für europäische Banken für nicht notwendig. "Ich glaube, wir haben diese Sache im Griff"

Emil Sacklinger
 
00
24.6.2009, 08:52
der herr nowotny wär'

ein guter bundespräsident.

Hatstone
12
"Das Wesentliche ist erledigt"

Ja Herr Nowotny, das stimmt - Österreich ist erledigt!

TopperHaarli
00
Österreich stark getroffen

Wie's wirklich aussieht kann man hier nachlesen:
http://diepresse.com/home/wirt... l/index.do

also dann ...
05
ach ja ... nowotny... sabbert ja nur gequirlten quark, denn

die geldmenge stieg von 2000-08 um 91 %
(1920 - 29 um 62 % !)
natürlich haben die ´zentral)bank-S_ter...
nichts damit zu tun - eh klar ?
auch konnte dies niemand
(am allerwenigsten die e z b, die die geldmenge
"managen" sollte, wissen ..., den sie hat ja nichts dagegen getan, dass sich diese p.a zw. 8-12 % ausweitete (bei einer zielsetzung von 4 % ! ).

mann o mann...
da hat sich auf staatskosten eine unfähige clique eingenistet, dass einem angst und bange wird,
w a s... noch an toxischen papierln + verlusten in ausserbilanziellen gesellschaften versteckt ist.
natürlich...
konnte man dies v o r h e r nicht wissen.

bla bla bla

Chris Quast
00

ps. wollt ich nur gesagt haben ;-).

post from the past ;-), erstaunt mich auch öfters wenn jemand monate später auf einen post von mir antwortet, also mach lieber was, aber post nicht zurück, bin mir sicher wir haben noch öfter das vergnügen

also dann - bis dann

Chris Quast
00

also dann - for mister universum, da papa ah, da also dann wirds schon richten, denn was der nicht macht ist

bla bla bla, so schauts nämlich aus !!!

gott hau die mit dem martin oder sonst wem zusammen und rette uns -> graswurzel und so.

vom forums posten rettest die welt nicht. aber wenn wir dich alle wählen könnten !!, denn einfach so die welt übernehmen, sorry, dass traue ich nicht mal dir zu !!

Gegenflieger
00

Was meint er mit Menschlichem Ermessen?
Was außer Menschlich ,kann es noch geben?

Außerirdischer
00
10.5.2009, 14:13
''Nach menschlichem Ermessen'' könnte bedeuten, dass es nur den ''Göttern'' gegeben ist in die Zukunft zu blicken?

Anders formuliert: ''seriöserweise'', ''redlich'', ''nach jetzigem Wissensstand''.

Im Gegensatz zu manchen Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern die durchaus ''Prognosen'' für die Zukunft erstellen, ohne diese Einschränkung hinzuzufügen!

also dann ...
00
un-menschliches ermessen ... der (zentral)bank_S_ter ...bei der einschätzung der lage z.b. ?

manfred maier
02
"Nach menschlichem Ermessen ist das Wesentliche erledigt"...ist die umverteilung bereits abgeschlossen?

...WAS genau ist das "wesntliche"?
milliardenkredite an obskuratenbanken wie alpe adria, welche dieser tage erklärte den feinen zins von 9.5% für den kredit aus der steuerkasse NICHT zu bezahlen, da sie keinen gewinn erwirtschaftet habe?
...oder eher das gewähren der umweltschädigungsprämie bez. autoabsatz?
und haltet der herr nowotny die allseits prognostizierte explosionsartige zunahme der erwerbslosigkeit, damit einhergehende soziale unruhen, etc. etwa für "unwesentlich" und vernachlässigbar?
die aussagen dieses herren vermögen hinreichend zu belegen, dass die täter aus politik und wirtschaft absolut nicht als feuerwehr taugen...sie haben nicht gelöscht, sondern auch noch die zukunft unserer kinder abgefakelt!

Wald4tler
05
alles nur gelogen: Banken und Politiker sind nunmal nicht ehrlich mit der eigene Bevölkerung umgegangen, jetzt müssen sie uns anlügen, zumindestens solange bis zur nächsten Hyperinflation:

Wie unser Bankensystem funktioniert und warum nur mehr 10 % echtes Geld (gedruckt wie elektronisch von der EZB) im Umlauf ist:

auf Videos klicken:

www.berndsenf.de

ImmerSachlich
00

"Die Lösung der Blockierung ist die Lösung. Behutsam, nicht gewaltsam"
Könnte er das nicht ein bisschen präzisieren? Diese Aussage könnte ja auch von einem Masseur stammen.

eh´wurscht
00

Ist sie auch. Wurde nur von der Finanzwirtschaft bereitwillig übernommen.

Bluestone
01
Schönrednerei...


Die Krise ist ja auch "nach menschlichem Ermessen ...." und "nach heutigem Wissen...." der Verantwortlichen verursacht worden.




wenn ich einen see seh, brauche ich kein meer mehr.
02
ich war mir nicht ganz sicher,aber ich dachte...

ich lese die Homepage der Nationalbank. alles wird gut..lieber Pöbel.

ImmerSachlich
10

Manche Poster haben eine unstillbaren Bedarf an Hiobsbotschaften. Es ist alles sooo schlecht und der Nowotny hat von nichts eine Ahnung, wir steuern der unvermeidbaren Katastrophe entgegen.
Dabei spielt gerade in dieser Krise die Psychologie des Konsumenten eine wesentliche Rolle.

"our contracts say so"
00
Student der Magie
01
was ist da los im Interview?

der Kameramann schneidet Nowotny die gesamte Zeit den halben Kopf ab.
Ich vermisse hintergründige Fragen, oder kritische Fragen, ich vermisse ein Nachhacken bei Ungereimtheiten oder unrichtigen Aussagen.

Und Nowotny? Naja, das Banksystem muss erhalten bleiben,, es geht überhaupt nicht darum am System oder am Banksystem Veränderungen vorzunehmen.
Es ist gut - für die Banker - , dass sich die Staaten hoch verschuldet haben eine andere Aussage. (No-Na)
Ansonsten ist alles Gut und Eitel Wonne, in der Welt des kritischen Journalismus und des Herrn Nowotny, die Krise vorbei, die man im Übrigen ja ( nicht schon vor 2 Jahren in Bloggs lesen konnte) ja nicht kommen sehen hat können.

Wie blöd glaubt man, dass der Bürger ist?

horst dunz
00
Das Wesentliche ist erledigt !

Es geht immer nur um die richtige Interpretation. Der Chef der Nationalbank kann mit wesentlich eigentlich nur die Banken meinen. Eventuell auch den österreichischen Staat. Also bei solchen Entscheidungsträgern besser immer zwischen den Zeilen lesen ;-)

ImmerSachlich
00

Genau! Ich habe es so verstanden, dass das Wesentliche, was eine Zentralbank bzw. Nationalbank tun kann, erledigt ist. Sollten im Laufe der Zeit andere Fakten vorliegen, wird man eben handeln.

nasowassss
20

Enteignung ist einzige Lösung für Unternehmen, die bankrott gehen. Das gilt auch für Banken.
Damit würde der Staat keinen Cent dafür bezahlen und kann so das Geld was er locker macht sinnvoll einsetzen ohne dass das Geld im Rachen der Manager zerfließt.

Ronald Reagan
 
00

Bankrott=Konkurs bedeutet, daß die Eigentümer ihre Anteile ausbuchen können (bzw. auf eine eventuelle Quote nach Befriedigung der Gläubiger hoffen können). Die Gläubiger können dann die Assets der Firma zu Geld machen und so ihre Schulden bedienen.

Was genau soll es bringen wenn man in diesem Moment die Eigentümer enteignet?

Glaube ihr Posting ist entweder wenig überlegt oder es fehlt am Wissen.

nomoretrouble
01

" Das Wesentliche ist erledigt " Ja, die eigene Haut ist gerettet. Super Herr Nowotny !

Hatstone
02
Die Befürchtung, dass es nun zu einer starken Inflation kommen wird, teilt Nowotny nicht

Endlose Geldmengenausweitung bei schrupfender Wirtschaftsleistung kann nur Hyper-Inflation zur Folge haben, soviel steht fest! Weimar lässt grüßen!

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