Wohin liefert unser Nachbarland? Welche Rolle spielt Österreich im Rüstungsgeschäft?
UserIn Schraubenfresser fragt: Ich habe gehört, dass unser Nachbarland Deutschland mittlerweile der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt ist. Stimmt das? Und wenn ja: wohin wird denn geliefert und wohin liefert Österreich?
derStandard.at antwortet: LiebeR Schraubenfresser,
Sie haben richtig gehört: Unser Nachbarland Deutschland ist mit zehn Prozent Marktanteil der weltweit drittgrößte Exporteur konventioneller Waffen. Geschlagen nur von den USA (31 Prozent) und Russland (25 Prozent). An vierter Stelle liegen Frankreich (8 Prozent) und Großbritannien (4 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt der in Schweden ansässige Think Tank "Stockholm International Peace Research Institute" (SIPRI) in seiner aktuellen Studie (Download links).
Der Umfang der deutschen Waffenexporte zwischen 2004 und 2008 ist im Vergleich zur den Jahren zwischen 1999 und 2003 um 70 Prozent gestiegen - der Marktanteil insgesamt stieg damit von sieben auf zehn Prozent. Hauptabnehmer der deutscher Rüstungsprodukte sind die Türkei (15 Prozent), Griechenland (13 Prozent) und Südafrika (12 Prozent).
Weltweit gehen am meisten Waffen nach China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Rüstungsexporte insgesamt sind in den vergangenen fünf Jahren um 21 Prozent gestiegen.
Österreich hat es nicht in die Top-Five der Lieferanten oder Verkäufer geschafft. Ein allgemeines Länder-Ranking gibt es nicht. Aber die Ver- und Einkäufe Österreichs sind in der Datenbank von SIPRI gelistet. Hier sind die Rüstungsverkäufe bis ins Jahr 1950 exakt nachvollziehbar: Welches Land hat wann welche Produkte in welcher Zahl geordert und wann wurden diese geliefert? Einfach die gewünschten Kriterien in die Suchmaske eingeben und schon wissen Sie mehr. Ein Beispiel: Im Jahr 2008 gingen österreichische Rüstungsprodukte nach Argentinien, Italien, Portugal, Thailand, in die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA. (mka, derStandard.at, 4.5.2009)