derStandard.at-Reportage

"Hardly any girls" an der TU-Budapest

11. Mai 2009, 14:55
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    Aufenthaltsräume an der Andrássy im Stadtteil Pest.

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    Aufenthaltsräume an der der Technischen Uni im Stadtteil Buda.

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    Patricia Laukó und Orsolya Nemesházy studieren an der Andrássy.

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    Kanzler Márton Méhes ist für die wirtschaftlichen Belange der Andrássy zuständig.

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    Glanz an der Privatuni.

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    Farbe an der TUB.

Studieren auf Deutsch in Ungarn ist facettenreich - Vom Sissi-Charme, Metallica im Supermarkt und Unterschiede sowie Ge­mein­sames zwischen Buda und Pest

Gefühlte 40 Grad hat es in einem Nebengebäude der Technischen Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest (TUB). Schmutzige Fensterscheiben, renovierungsbedürftige Wände, lädierte Hörsaaltüren und der dunkle Boden laden nicht gerade zum Lernen ein. Trotzdem: Tief versunken in ihre Laptops und Bücher sitzen hier StudentInnen in den Gängen an scheinbar willkürlich angeordneten Tischen und lernen. Jene, die Gruppenarbeiten erledigen müssen, flüstern und bewahren die geschäftige Stille, die hier herrscht. Auf Handyklingeltöne und lautes Telefonieren wartet man hier vergeblich, in diesem riesigen Gebäudekomplex der TUB, der sich direkt am Donauufer im Stadtteil Buda erstreckt.

Wer sich auf die Suche nach Gegensätzlichkeiten zwischen den Stadtteilen Buda und Pest macht, findet sie auch. Zirka 15 Straßenbahnminuten entfernt, im Stadtteil Pest, liegt die privat geführte Andrássy Universität. Dort lehnt Kanzler Márton Méhes lässig in einem schwarzen Ledersessel. "Es ist nicht zu unterschätzen und zu leugnen, dass dieses Palais dazu beiträgt, dass diese Uni einen guten Ruf hat. Es ist einfach repräsentativ. Mit einem Neubau außerhalb von Budapest wäre es schwierig", sagt Méhes. Das Uni-Gebäude diente bis zu dem Tod von Graf Taszilo Festetics 1933 als Stadtpalast der Hochadelsfamilie, wie man hier gerne betont.

Ein Hauch von Imperialismus

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das ungarische Nationalmuseum und der ungarische Rundfunk. Dort lümmeln Katzen im Garten des Innenhofes und lassen sich sonnen. Wer aber "die Andrássy" betreten will, muss erst eine elektronische Absperrung passieren. Nicht nur strenge Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch ein Hauch von Imperialismus erwarten einen im zartgelb gestrichenen Stiegenhaus.

Méhes ist als Kanzler in erster Linie für die wirtschaftlichen Belange der Privatuniversität zuständig. Aber auch die Imagebildung der Universität - sie gehört zum wichtigsten Kapital einer Bildungseinrichtung - zählt zu seinen Aufgaben. Stolz erzählt er, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hier war. Auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat der Uni einen Besuch abgestattet - und über den Bolognaprozess gesprochen.

"Hardly any girls"

Um ihr Image muss sich die Technische Uni jedenfalls keine Sorgen machen. Die altehrwürdige Hochschule wurde 1782 von Kaiser Josef dem Zweiten gegründet. 24.000 StudentInnen sind hier eingeschrieben - im Gegensatz zur Andrássy ist das Studieren hier, wie an allen Massenunis, weniger komfortabel: Überfüllte Seminare, verbesserungswürdige Betreuungsverhältnisse und "hardly any girls". So beschreibt Informatikstudent Máté die Gegebenheiten an der TUB. Máté muss für sein Bachelor-Studium nichts bezahlen, aber der Studienverlauf verzögert sich voraussichtlich. "In diesem Semester bin ich in einem Seminar abgewiesen worden, weil es überfüllt war". Máté rechnet damit, dass er sein Studium erst nach sieben Semestern, statt der geplanten sechs abschließen kann.

165.000 Forint pro Semester

Anders ist das bei der Andrássy. Dort sind Studiengebühren zu bezahlen, dafür kann man aber auch mit einem zügigen Studienverlauf rechnen. Derzeit kostet ein Semester - egal ob man ein Master- oder Doktoratsstudium belegt - 165.000 Forint. Das entspricht - nach jetzigem Wechselkurs - etwa 550 Euro. Bemerkenswert: In den Unterlagen der Andrássy wird der entsprechende Betrag noch mit 600 bis 650 Euro umgerechnet. Eine moderate Erhöhung der Studiengebühren sei angedacht, erzählt Méhes. Im Durchschnitt müsste man in Ungarn ein Monat lang arbeiten, um die Semestergebühren an der Andrássy begleichen zu können.

Patricia Laukó, Studentin an der Andrássy, findet die Studiengebühren gerechtfertigt. "Dafür bekommen wir ja auch etwas geboten", sagt die Studentin der Internationalen Beziehungen und Internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Der Absolventin einer "deutschen Massenuniversität" gefällt es hier "viel besser, als an meiner alten Uni". Gemeinsam mit ihrer Kollegin Orsolya Nemesházy erklärt sie die Vorzüge der Andrássy. Unter den zirka 140 Studierenden sei der Zusammenhalt groß, "wir helfen uns gegenseitig". Was ihre berufliche Zukunft betrifft, scheinen sie recht zuversichtlich gestimmt zu sein. Perfekt gestylt und gut gelaunt, so erzählen die beiden StudentInnen über ihre Berufsperspektiven. Laukó würde am liebsten als Diplomatin, in einer internationalen Organisation oder in einem internationalen Konzern "am besten mit Auslandsreisen", arbeiten. Nemesházy interessiert sich "tierisch für Minderheiten" und überlegt, in die Politik zu gehen.

Darauf, dass der Abschluss ihrer AbsolventInnen hoch im Kurs steht, ist auch der Kanzler bedacht. Gerade Ungarn hätte nach der Wende viele "Diplomfabriken" hervorgebracht. "Man zahlt und bekommt ein Diplom, ob man tatsächlich Kompetenzen aufweist ist jedoch sehr zweifelhaft", so Méhes. Unter anderem auf Grund der Stellenanzeigen, die Absolventen bestimmter Hochschulen ausschließen, hätte sich "diese Linie selbst zerstört". Als Privatuni müsse man darauf achten, dass das Image nicht kippt.

Klein aber fein, so möchte man es an der Andrássy beibehalten. In der Gründungsurkunde sei die Zahl der Studierenden auf 350 limitiert worden. "Wir möchten uns nicht in Richtung Massenuniversität entwickeln", sagt Méhes und verweist stolz auf das Betreuungsverhältnis. Auf sieben Studenten kommt ein Lehrender, wobei bei den Lehrenden auch Gastprofessuren mitgerechnet sind.

Um die 100.000 Studenten sind an den Hochschulen von Budapest eingeschrieben - das sind doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Wer das Glück hat, aus einem Land mit höherem Lohnniveau als Ungarn zu kommen und von seinen Eltern gesponsert wird, kann in Ungarn relativ günstig in einer der schmucken Altbauten in der Innenstadt wohnen. Patricia Laukó bezahlt für ihre 45 Quadratmeter große Wohnung etwa 300 Euro Miete. Zum Vergleich: Etwas weniger als 300 Euro pro Monat haben in Ungarn Pensionisten durchschnittlich zum Leben. Wer eine WG gründet oder sich auch mit einer Bleibe außerhalb des Zentrums zufrieden gibt, kann günstiger wohnen.


"... and nothing else matters"

Wie lange er täglich an der Uni ist? Den ganzen Tag, erklärt Máté, der TU-Student. In den Wartezeiten zwischen den Vorlesungen sitzt er meistens hier und lernt. Der 21-Jährige mit den langen Haaren und seinem Iron Maiden-Shirt gibt sich bedeckt, wenn man ihn fragt, was er an seiner Uni ändern möchte. Nur ein "wir haben sehr viel zu tun" ist ihm zu entlocken. Máté wohnt noch zu Hause bei seinen Eltern und gedenkt das bis zum Ende seines Bachelor-Studiums so beizubehalten.

"Zwei Städte, und zweimal grundverschieden wie Tiefebene und Mittelgebirge ... Buda in den Bergen, Pest tosend in Rauch und Neon... Die Donau trennt und hält doch zusammen", hat Franz Frühmann einmal geschrieben. Auch wer Gemeinsamkeiten zwischen Buda und Pest sucht, wird fündig.

Nachmittags in einem Supermarkt unweit der noblen Andrássy. Stress an der Kassa, drückende Hitze. Von einer Klimaanlage können die KundInnen und VerkäuferInnen hier nur träumen. Lange Warteschlangen vor der großzügig befüllten Fleischtheke. Aus den rauschenden Boxen hört man Musik, die in einem österreichischen Lebensmittelgeschäft mit seinen Gute-Laune-Sendern wohl nicht gespielt werden dürfte. "Open mind for a different view, and nothing else matters", singen Metallica vor. (burg/derStandard.at, 9. Mai 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
pionier1999
00
12.5.2009, 15:49
Überlegung...

PriPrivatuni schön und gut…. Aber wie schauts auf dem Arbeitsmarkt aus, wenn die Entscheidung zwischen zwei Bewerbern gefällt werden muss, wo der eine auf diese Privatuni ging und der andere auf eine angesehene staatliche Uni??

Mein Frau (Ungarin) meint, das der mit der staatlichen Uni bevorzugt werden würde… Was ist eure Meinung?

coder24
00
12.5.2009, 12:53

StudentenInnen? ... *chchch*

Alfred Jodelhuber
 
00
12.5.2009, 12:18
Auch wenn das "Innen"-Thema schon fad is

"StudentenInnen" ist einfach geil

julia_ra
00
12.5.2009, 10:12

"Hardly any girls"

warum steht das auf Englisch, und nicht auf Deutsch da? Immerhin kann man das leicht übersetzen........

Karl Krammer
119
11.5.2009, 22:52
"Hardly any girls"

muss ja sein, sonst könnte man ja nicht fortdauernd von der angeblichen Ungerechtigkeit bei der Bezahlung winseln, gebührt Frauen doch der Lohn eines Ingenieurs, auch wenn sie sich nicht die Mühen eines Technikstudiums angetan haben und kaum den Einschaltknopf eines Computers finden.

kelte
00
13.5.2009, 00:50

jaja böööse frauen verlangen etwas... soweit ich wieß verlang jede rmit gehirn mehr als im angeboten wird (bei der arbeit) sonst endet man wie die mehrzahl der frauen udn die minderheit der männer, nämlich schlecht bezahlt!

jack johnson
 
03
12.5.2009, 09:49

Mir gehen ja diese selbstgerechten 25 Semester TUler schwer am Sack, wenn sie behaupten der Nabel der Welt zu sein.

derEismann
10
12.5.2009, 10:23

Da behauptet doch keiner. Einzig der Mangel an Menschen die sich dieses Studium antun ist dafür verantwortlich, dass dieser Berufsstand so gut verdient. Und das war, glaube ich, die Kernaussage des Postings. Ich kenne auch einige, die Geisteswissenschaften gemacht haben, weil die überzeugt waren, dadurch den Technikern überlegen zu sein (Technik ist doch kein richtiges Studium etc). Die gleichen Studenten jammern jetzt bei Studienende übers System, dass es so unfair ist und die Techniker soviel verdienen. Dass das aber jeder damals schon gesagt hat zählt bei der heutigen Diskussion nicht.

jack johnson
 
01
12.5.2009, 10:31
arum die Techniker so viel verdienen ist mir immer noch nicht klar

und ich arbeite in einem Ingeneurbüro.

Vom Leuchtstoffröhre austauschen sind sie überfordert, aber immer alles besser wissen.

Und dann sagen sie, dass immer alles besser=effizienter geht, aber umsetzen ist dann was fürs Fussvolk

Genderwahnsinn0
11
12.5.2009, 01:02

"no girls" gibt es beim Bundesheer, im Stollenbau und am Bau.

Sollte eigentlich dringend geändert werden!

Lageos
10
12.5.2009, 09:10
Im Grubenbau...

... wurde das aber nur deshalb eingeführt, weil in Zeiten der Industralisierung Frauen und Männer gemeinsam in den Gruben arbeiteten, aber aufgrund der Hitze spärlich bekleidet.
Das wurde anstößig empfunden und deshalb abgeschafft.

Dante Alighieri
22
12.5.2009, 00:53

Was Sie bei Ihrer typisch österreichischen Misogynistenpropaganda "vergessen" ist dass Frauen auch dann wenn sie exakt dieselbe Ausbildung, Berufserfahrung und Arbeitszeit haben mindestens 10-15% weniger verdienen als Männer.

head bang0r
00
12.5.2009, 17:48

für alle die das so wie ich lange zeit nicht verstanden haben:

wenn argumentiert wird dass frauen im schnitt zb 10-15% weniger bezahlt bekommen, bei gleicher qualifikation, dann heißt das nicht dass sie im selben unternehmen weniger bezahlt bekommen sondern halt im schnitt. heißt praktisch: frauen bekommen jobs in unternehmen, die weniger zahlen.

JosyH1
00
12.5.2009, 14:13
Da wäre ich jetzt auch mal auf ein Beispiel gespannt

Ich habe eine Firma mit männlichen und weiblichen Angestellten - und wüsste nciht warum ma rational so handeln sollte wie in deinem Posting beschrieben.

Entweder bezahl ich dann dem Mann zu viel oder die Frau wechselt weil sie zu wenig bekommt. Das könnte nur bei einer Verschwörung aller Arbeitgeber funktionieren aber sonst ist es ganz einfach ein bestimmter Marktwert der Arbeit der über- oder unterbezahlt werden kann - und sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer wären schlichtwegs dumm wenn sie nicht entsprechend handel würden.

Wenn Frauen also weniger verdienen würden für die selbe Leistung - wäre jeder Arbeitgeber saublöd der nicht ausscheren und diesen eklatanten Marktvorteil nutzen würde indem er nur mehr Frauen engagiert...

derEismann
03
12.5.2009, 10:16

Dann zeigen Sie mir bitte nur ein (ja nur ein einziges) Unternehmen, dass genau so bezahlt wie Sie hier behaupten. Wenn Sie jedoch auf diesen sonderbaren Einkommensbericht (wo eine Billaverkäuferin angeblich die gleiche Ausbildung hat wie der Studienabsolvent der Informatik) könnens es gerne bleiben lassen.

Genderwahnsinn0
00
12.5.2009, 10:12

Jeder hat davon gehört, aber keiner kennt eine Firma, in der das passiert.

Schon seltsam, irgendwie ...

chickpea
01
11.5.2009, 20:10

ich verstehe nicht ganz, warum mein posting von vor 2 1/2 stunden nicht freigeschaltet wird. wenn schon keine kritik am artikel veröffentlicht werden darf, dann bessert zumindest die namen der armein protagonistInnen aus (die sich wahrscheinlich sehr darauf gefreut haben, in einer österr. zeitung zu erscheinen)

fiatalnoe
01
11.5.2009, 18:13

tja, leider wird im normalfall billige discomusik (bevorzugt "klassiker" auf ungarisch übersetzt) gespielt - mein highlight jedoch: techno zu jeder tages- und nachtzeit im 24h-supermarkt um die ecke...

Elfriede
00
12.5.2009, 10:27

in dem 24h markt bei mir um die ecke (wesselenyi strasse) gibts auch immer techno ... :-))

head bang0r
01
11.5.2009, 17:21

metallica, nirvana und co habe ich schon in verschiedenen ländern beim einkaufen gehört. wirklich nette abwechslung!

RebelAngel
 
00
12.5.2009, 09:57
ja mei

Mainstream halt...

LizaMaria
01
11.5.2009, 20:43
habe ich schon in verschiedenen ländern beim einkaufen gehört

sicher - leider! - noch nie in Österreich bzw Wien :-(

Intimissimi
01
11.5.2009, 21:03

Was dann? Tarkan?

LizaMaria
00
11.5.2009, 21:26

Pop-Gedudel

Intimissimi
00
11.5.2009, 21:46

Alles da da da?

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