Handwerk hat goldenen Boden, und wenn die Profession Bankraub heißt, ist der Boden ziemlich golden. Mike Roth und Klaus Starck beherrschen dieses Geschäft mit deutscher Gründlichkeit und kleinbürgerlicher Akribie. Ihre Bodenständigkeit markiert den herzerwärmenden Gegenpol zur kühlen Deutschlandkrimi-Filmaura von "Zwölf Winter" (Freitagabend auf Arte).
Inspiriert von einer realen Bankraubserie taucht der Krimi in deutsche Provinzialität ein und konzentrierte sich auf die Charaktere, ohne sich in psychologischen Untiefen zu verirren.
Diese Biedermänner haben es drauf, Spannung und Atmosphäre aufzubauen. Jürgen Vogel gibt den Strategen, der nach Haftentlassung der Ex-Freundin von weitem beim Glücklichsein zuschaut und zum unsteten Verschwender wird. Sein Einfallsreichtum lässt der Polizei aber zwölf Jahre keine Chance.
Als kongenialer Partner menschelt Tatort-Veteran Axel Prahl, der als personifizierte Kleinbürgerlichkeit selbstgemachte Wurstbrote beim Ausspähen kleiner Bankfilialen kaut und für einen Lebensabend in Marokko mit seiner geliebten Michelle spart. Als maßvolle Opposition zu effekthaschenden Hollywood-Superverbrechern sagen sie: "Leute abknallen? Passiert uns nicht." Rambos Anlitz wird nur als Maske beim Überfall gebraucht.
Mehr als die Polizei stört die technische Entwicklung: Geldautomaten lassen sich schlecht überfallen. DNA-Tests und Wärmebildkameras legen sich mit dem Hausverstand an, bevor sich kleinbürgerlicher Geiz als Achillesferse entpuppt. Insofern ein lebensnaher Krimi. (Alois Pumhösel, DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.5.2009)
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