STANDARD-Interview

"War total überzeugt, dass wir das Richtige taten"

29. April 2009, 17:28
  • Artikelbild
    foto: reuters

    Der Beschluss, gemeinsam gegen Saddam Husseins Inva-sion in Kuwait vorzugehen, markiert für George Bush das Ende des Kalten Krieges.

US-Präsident George Bush sprach 1989 vom Ende des Totalitarismus - Dass es so schnell kommen würde, über­raschte ihn dann doch

STANDARD: Herr Präsident, bereits vor Ihrem Amtsantritt haben Sie über Jahre intensive Geheimdienstbriefings erhalten. Hätten Sie am 20. Jänner 1989 tatsächlich erwartet, dass die totalitäre Ära - so wie Sie in Ihrer Inaugurationsrede erklärten - in Osteuropa noch in diesem Jahr zu Ende geht?

Bush: Als ich 1989 Präsident wurde, haben mich die Entwicklungen in Polen ermutigt. Meiner damaligen Einschätzung nach konnte auch in Deutschland etwas Bedeutendes passieren. Aber wir hatten keinen Anlass zur Annahme, dass binnen zwölf Monaten die Berliner Mauer obsolet und eine deutsche Wiedervereinigung zum Greifen nahe sein würde.

STANDARD: Wann haben Sie erkannt, dass die Sowjetunion am Ende ist und der Kalte Krieg bald vorbei sein könnte?

Bush: Unser bilateraler Gipfel in Malta im Dezember 1989 hat mich sicher gemacht, dass die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion über die quasi traditionellen Konflikte des Kalten Krieges hinaus kommen könnten. Dennoch habe ich nie angenommen, dass die Sowjetunion bis Dezember 1991, als das Konzept der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten aufkam, zu existieren aufhören könnte. Am Weihnachtsabend 1991 rief mich Präsident Michail Gorbatschow an und informierte mich, dass er aus dem Amt scheiden wird. Das war sicher einer der bemerkenswertesten Augenblicke in den vier Jahren meiner Präsidentschaft.

STANDARD: Breschnew-Doktrin oder Sinatra-Doktrin, beschränkte Souveränität oder My-way-Formel für die sowjetischen Satellitenstaaten? Es war lange nicht klar, ob sich Gorbatschow im Kreml durchsetzen würde. Warum haben Sie ihm vertraut? Gab es Ihren Informationen nach irgendwann im Laufe des Jahres die unmittelbare Gefahr, dass die Sowjets mit Militärgewalt in Osteuropa eingreifen könnten?

Bush: Seit ich Michail Gorbatschow das erste Mal traf, hatte ich den Eindruck, dass er ein aus anderem Holz geschnitzter sowjetischer Führer war - er war einnehmender, charismatischer und viel offener für die Ideen und Gedanken anderer. Als wir einander dann näher kennenlernten, sah ich, dass er ein wirklich guter Mensch war, der sein Bestes versuchte, um die Lebensqualität seiner Landsleute zu heben.

STANDARD: Was ist für Sie das Foto, das das Ende des Kalten Krieges am Besten illustriert?

Bush: Die Auswahl dieser Ikone überlasse ich anderen. Mein Treffen mit Präsident Gorbatschow 1990 in Helsinki, wo wir zusammenkamen, um gegen Saddam Husseins Invasion in Kuwait aufzutreten, markierte jedenfalls eine grundlegende Veränderung in geopolitischen Dingen. Hier waren zwei Supermächte und ehemalige Feinde zusammengekommen, um eine internationale Krise zu lösen, die von einem ehemaligen sowjetischen Satellitenstaat ausgelöst wurde.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Rolle Österreichs in dieser Zeit?

Bush: Als der Geist aus der Flasche gelassen wurde, als den Ostdeutschen über Ungarn die Ausreise in die Freiheit endlich gewährt wurde, war Österreich da und hat dabei geholfen, eine Kette von Ereignissen in Gang zu setzen, die schließlich zum Fall der Berliner Mauer führte.

STANDARD: Es gibt eine alte Auseinandersetzung zwischen zwei Positionen: einerseits der OSZE-Zugang und die Herausforderung der Sowjets auf dem Gebiet der Menschenrechte, andererseits das SDI-Star-Wars-Projekt und der durch das Wettrüsten ausgelöste ökonomische Stress in Moskau - was hat letztlich zur Implosion des Sowjet-Imperiums geführt?

Bush: Mein lieber Freund Kanzler Helmut Kohl hat einem anderen lieben Freund, dem kanadischen Premierminister Brian Mulroney, vorausgesagt, dass der Kommunismus zusammenbrechen wird, sobald westdeutsches Fernsehen nach Ostdeutschland gesendet wird. Der Grund? Die Ostdeutschen konnten so selbst Abend für Abend die Lebensqualität der Menschen im Westen sehen - und deren Freiheit. Das hat unserer Sache mit Sicherheit geholfen.

STANDARD: Wann hat Sie Kanzler Kohl das erste Mal angerufen, um sich über die Chancen zur deutschen Wiedervereinigung zu erkundigen? Wie oft hat Präsident François Mitterrand bei Ihnen dagegen protestiert? Sie selbst waren lange sehr vorsichtig in der Beurteilung der Ereignisse von 1989, erst nach dem Malta-Gipfel wurde die US-Politik aktiver. Warum?

Bush: Für mich hat das Thema Wiedervereinigung im Februar 1990 bei einem Treffen in Camp David tatsächlich Gewicht bekommen, Kanzler Kohl und ich haben es dort in aller Ausführlichkeit diskutiert. Während andere, wie Präsident Mitterrand, weniger hoffnungsfroh über die Aussichten waren, Europa zu einigen, war ich total davon überzeugt, dass wir das Richtige taten, aus den richtigen Gründen und zum richtigen Zeitpunkt in der Geschichte.

STANDARD:1990/1991 gab es eine kurze Phase nie gekannter Einigkeit in den Vereinten Nationen: Die USA und die Sowjetunion kooperierten, die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates waren sich über viele Themen einig. Der Golfkrieg fand unter UN-Zustimmung statt. Warum hat die internationale Staatengemeinschaft danach den Kooperationsfaden verloren?

Bush: Der Golfkrieg hat die Aufmerksamkeit der Welt für einige Monate auf sich gezogen. Das Drama dieser Geschichte - und die Einigkeit, mit der die internationale Gemeinschaft gegen die unprovozierte Aggression Saddam Husseins auftrat - hat eine hoffnungsvolle neue Ära erkennen lassen. Seither hat die Staatengemeinschaft die Kooperation fortgesetzt und viel mehr zusammengearbeitet, als die meisten Menschen realisieren wollen. Und die Medien haben naturgemäß auf Bereiche abgestellt, wo es gelegentlich Debatten und verschiedene Auffassungen gab.

STANDARD: Haben Sie immer noch Kontakt zu Gorbatschow? Was besprechen Sie gemeinsam?

Bush: Ja, ich habe noch Kontakt mit meinem geschätzten Freund Michail. Er hat uns 2004 in Texas besucht und meinen 80. Geburtstag mit mir gefeiert. Und er hat mir sogar eine Flasche Wodka und Blumen geschenkt, als ich damals einen Fallschirmsprung gemacht habe. Michail hat uns auch in unserem Haus in Maine besucht, und ich ihn in Russland. Dieser Tage allerdings reden wir mehr über Familienangelegenheiten als über den Lauf der Welt.

STANDARD: Was ist das wichtigste Erbe des Jahres 1989?

Bush: Aus meiner Sicht, dass die Revolution in Mittel- und Osteuropa von Völkern mit dem großen Wunsch nach Freiheit getragen wurde und dass diese Revolution friedlich war. 1989 hätte es keine Wiederholung des Prager Frühlings gegeben. (Christoph Prantner, DER STANDARD, Printausgabe, 30.4./1.5. 2009)

ZUR PERSON: George Herbert Walker Bush (84) war zwischen 1989 und 1993 der 41. Präsident der Vereinigten Staaten. Nach dem Militärdienst als Marineflieger und einem Studium in Yale arbeitete Bush im texanischen Ölgeschäft. 1966 stieg er als Abgeordneter für Houston im Repräsentantenhaus in die nationale Politik ein. In den 1970er-Jahren war er Vorsitzender der Republikanischen Partei, amerikanischer UN-Botschafter, Geschäftsträger der US-Vertretung in Rotchina und Direktor der CIA. 1980 unterlag er bei den republikanischen Vorwahlen Ronald Reagan, der ihn als Vizepräsidenten engagierte. 1988 gewann er dann die Wahl überlegen gegen Michael Dukakis. Nach dem Golfkrieg war Bush auf dem Höhepunkt seiner Karriere, die Wahlen in einer Wirtschaftskrise verlor er gegen Bill Clinton dennoch. Mit seiner Ehefrau Barbara hat Bush sechs Kinder, darunter George W. Bush, den 43. Präsidenten der USA. Das Interview wurde via E-Mail geführt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 183
1 2 3 4 5
F S 3
12
20.5.2009, 16:20
Eine der wichtigsten Aktionen von Papa Bush war die Vorbereitung des "October-Surprise", eine Aktion, die vielleicht in 100 Jahren…

…in div.Geschichtsbüchern zu finden sein wird, heute jedoch als VT gebrandmarkt wird. Mit der gelungenen Amtseinführung des Schauspielers Reagans begann die unheilvolle (für die US Bürger selbst) Serie, deren Krönung heute "Obama" heißt. Ein Bush-Light-Clon und everybody's darling…

FS3 berichtete hier, bereits vor Jahren und auf den nä.Seiten:
http://derstandard.at/?url=/pli... 7/12801674

Und schon wieder eine aktuelle Bestätigung einer angeblichen VT aus dem www:
http://www.consortiumnews.com/2005/russ... t1980.html

napfiatgott
01
was er auch immer für Osteuropa...

geleistet haben mag, hat er für Lateinamerika tausendfach verbockt! Als CIA Chef in den 70ern hat er Pinochet das massenhafte Foltern und Morden Oppositioneller erlaubt - die Operation Condor nach bestem Wissen nicht nur in Chile sondern auch in Argentinien und Uruguay unterstützt. Damit ist er verantwortlich für tausende Ermordete und "desaparecidos" - Verschwundene. Im Dreiergespann mit Ford und dem damaligen Secretary State Kissinger (der die Fäden in Wirklichkeit in Händen hielt, denn Ford war noch viel schlimmer als Bush Jr.) war Lateinamerika ein schönes Experimentierfeld, wo man Dikatoren nach Belieben installieren und die Bevölkerung massakrieren konnte.
http://askfletch.blogspot.com/2008/06/b... south.html

gert poelzl1
10
@ napfiatgott, AntiFa201 etc..

wieso sind Leute wie Sie eigentlich nicht Prâsident ?

Sind Sie dazu zu sehr Nobodies ? Und wären dann diese Postings Ihre Rache als Nobodies ?

napfiatgott
00
..wie soll ich ihre Antwort denn verstehen?

Sie meinen ja wohl nicht im Ernst, dass die genannten Dinge keine Fakten wären. Es geht hier keineswegs um Rache an irgendjemandem, sondern um das Recht auf die Wahrheit. Und es ist wohl legitim offen zu kritisieren, welches Leid diese Herren über Lateinamerika gebracht haben, wofür Sie bis heute nicht belangt wurden. Die Wahrheitskommissionen in LA konnten in vielen Ländern Großes leisten, und die "impunidad" war wohl das einzige Modell, diese Gesellschaften nicht zerbrechen zu lassen. Jedoch die Verbrecher zu stigmatisieren konnte vielen dabei helfen, Gerechtigkeit zu finden. Daher kann es nicht sein, sich schulterklopfend neben Bush zu stellen - denn seine guten Taten machen seine schlechten wohl nicht wett oder unkritisierbar!?

Ernst Guevara
00
"und die "impunidad" war wohl das einzige Modell, diese Gesellschaften nicht zerbrechen zu lassen"

und wie ist dieser satz zu verstehen? die straflosigkeit der verbrecher als kitt, der die gesellschaft zusammengehalten hat, oder wie? nein, nein, nein, auch wenn dann scharfe konflikte in der gesellschaft ausgebrochen wären, so wäre doch die bestrafung der täter das einzig richtige gewesen. schon allein, um zu verhindern, dass die opfer individuell zerbrechen.

http://www.gerechtigkeit-heilt.de

napfiatgott
00
Da bin ich 100% bei Ihnen!

Die "impunidad" ist sicher nicht das beste Modell, jedoch konnten die nach den Diktaturen weiterbestandenen Machtverhältnisse und Verfassungen leider nicht durchbrochen werden. Ich bin persönlich 100% bei Ihnen, all diese Verbrecher ausnahmlos für Ihre Greueltaten einzusperren. Aber dann darf ich nicht beim argentinischen Vizegeneral beginnen (diesen natürlich auch nicht ausssparen), sondern muss bei H. Kissinger anfangen, der weiterhin in vielen Rätegremien auf internationaler Ebene hoch angesehen ist. Vom Friedensnobelpreis 1973!!! ganz zu schweigen. Also verstehen Sie meine Aussage bitte nicht falsch oder unreflektiert! http://www.icai-online.org/45365,45370.html

AntiFa201
00
er hätte sich in der zeit besser um die erziehung seines sohnes kümmern sollen statt zuzusehen wie die geschichte (ohne seinen einfluss) seinen lauf nahm.

Stephan Tomann
00
na super...

wax bush!

Frotzel
01
Wenn die totale Überzeugung alles entschuldigt, ist es wie der totale Krieg!

Bringt die Politik Leute zu Amoral in der Weltbetrachtung.

Wer alles seinem Ziel unterordnet ist immer überzeugt. Schaut euch unsere Sozen an, die sind überzeugte Abkassierer zu unserem Besten.

Wir wollen das Beste aber nicht hergeben.

marianne die 1.
00

müssen aber immer wieder !

peace & love
43
"War total überzeugt, dass wir das Richtige taten"


spricht der vater eines massenmörders.

marianne die 1.
01

Welcher amerikanischer Präsident war kein Massenmörder ?

peace & love
00
al gore.

der ist leider durch wahlbetrug abserviert worden.

marianne die 1.
00

richtig, nur, er war nicht Präsident.

gert poelzl1
11
@ peace & love

aha, jetzt gibt's also Sippenhaftung......

Sie sind wirklich der lebende Beweis dafür dass absolutes Mitspracherecht in allen Belangen nicht immer unbedingt das Gelbe vom Ei ist....

Armer Kerl. Sie sollten ja doch bei Ihrem Taschenbillard bleiben, anstatt hier das Forum zu verseuchen.....

gert poelzl1
20
@ peace & love

aha, jetzt gibt's also Sippenhaftung......

Sie sind wirklich der lebende Beweis dafûr dass absolutes Mitspracherecht nicht immer das Gelbe vom Ei ist....

Armer Kerl. Sie solten ja doch bei Ihrem Taschenbillard bleiben, anstatt hier das Forum zu verseuchen.....

Walter Bimini
00
nachdem der vater auch dasselbe handwerk ausgeübt hat, dann hat das mit sippenhaftung nichts zu tun.

Walter Bimini
00
bush senior ist ja so etwas wie der pate seines clans

aha15
00

also doch sippenhaftung?

marcopolo1971
 
00

wenns die richtige sippe ist, immer!

Flavio Maffia
00
30.4.2009, 22:27

jaja wer verlangt von UNS schon perfektionismus?

ist das eins?

ist das 1/2?

ich meine wenn ich sage oder schreibe, ich glaube es ist 0800 ;-)
dann ist das umgangssprachlich.
ich meine nur das nichts kann das nicht verstehen.
gg also was solls?

ach ja hadith, wie die zeit doch vergeht...,-)
und ich bin immer noch da und immer noch derselbe.

Liberalix
01
30.4.2009, 22:18
"War total überzeugt, dass wir das Richtige taten"

Warum sind die Dummköpfe immer so sicher derweil die Gscheiten immer so voll Zweifel sind...

marianne die 1.
00

Was war falsch daran ?

Blind Peoples Porn
04
30.4.2009, 21:41
remeber 11/9

remember 11/9/73!!!

gert poelzl1
00
@ Blind Peoples Porn

zu Zeiten Pinochets war Bush sen. aber noch nicht Präsident...

Wie alt sind Sie eigentlich ?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 183
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.