Arbeitnehmerfreizügigkeit

EU gegen Hürden für Ostländer

29. April 2009, 18:09

Wien sperrt Arbeitsmarkt bis 2011 - Exporte stark gestiegen

EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla hat anlässlich der Verlängerung der Arbeitsmarktsperre für osteuropäische Mitgliedsstaaten bis 2011 durch die österreichische Regierung vor Barrieren gewarnt. Gerade in der Wirtschaftskrise wäre es hilfreich, Beschränkungen des Arbeitsmarktes zu vermeiden, sagte er.

Zuvor hatte der Kommissar Sozialminister Rudolf Hundstorfer getroffen, der in Brüssel die Verlängerung der Beschränkungen um weitere zwei Jahre rechtfertigte. Österreich muss schwere Störungen nachweisen, um die Regelung durchzubringen. Erste Proteste aus Osteuropa gibt es bereits: Polen will eine Beschwerde gegen Österreich einbringen.


***

Wien - Die EU-Erweiterung machte Österreich zu einer Art Multi in Osteuropa. Mit Direktinvestitionen von 50 Milliarden Euro zählt das Land zu den größten Akteuren in der Region, die Exporte stiegen seit 2005 um knapp die Hälfte. Zum Vergleich: Die gesamten Ausfuhren wuchsen in den vergangenen vier Jahren mit 23 Prozent nicht einmal halb so schnell.

Angesichts dieser Entwicklung ist Johann Kausl, für Osteuropa zuständiger Regionalmanager in der Wirtschaftskammer, über die aktuelle Stimmung nicht sehr erfreut: "Meldungen wie 'Osteuropa zieht Österreich ins Grab' sind nicht angebracht." Bei all den Problemen der Region: "Die Risiken werden nicht alle gleichzeitig schlagend", zudem sei jedes Land einzeln zu betrachten, betont Kausl im Gespräch mit dem Standard.

Er rechnet wegen der Krise mit einem Rückgang der Ausfuhren nach Osteuropa von zehn Prozent. Das Minus werde damit dem aller Exporte entsprechen. Kausl räumt freilich ein, dass manche Länder mit ihrer Abhängigkeit von Problembranchen, wie etwa der Autoindustrie, besonders stark unter Druck kommen werden.

Während die wirtschaftliche Expansion Österreichs in den neuen EU-Ländern voranschritt, blockt das Land beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Sozialminister Rudolf Hundstorfer traf am Mittwoch EU-Sozialkommissar Vladimír Spidla in Brüssel, um die bis 2011 verlängerten Schutzklauseln zu begründen. Die Kommission prüft das Anliegen nun und will in wenigen Wochen beurteilen, ob die Rechtfertigung Österreichs ausreichend ist. Erlaubt sind die Barrieren nur, wenn ernste Störungen am Arbeitsmarkt glaubhaft gemacht werden können. Hundstorfer nannte unter anderem die steigende Arbeitslosigkeit, die geografische Nähe und den bereits hohen Anteil von Personen mit Migrationshintergrund in Österreich als Gründe.

In Osteuropa stößt der Schritt - nur Österreich und Deutschland sperren den Markt - auf Unverständnis. Polen hat bereits eine Beschwerde angekündigt. Experten rechnen damit, dass Brüssel angesichts der Wirtschaftskrise keine Klage gegen Wien anstreben wird.

Arbeitsmarktservice-Vorstand Johannes Kopf verweist darauf, dass der Zugang Schritt für Schritt bereits geöffnet worden sei. Derzeit arbeiten laut AMS 16.100 Personen aus den neuen EU-Ländern in Österreich (davon 3700 Facharbeiter). Dazu kommen 8200 Saisonniers im Fremdenverkehr und in der Landwirtschaft.

Allerdings befürchtet Kopf Schwierigkeiten im Jahr 2011, wenn der Arbeitsmarkt geöffnet werden muss. Dieser Schritt erfolge in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit - laut Wifo-Prognose 8,5 Prozent. Kopf will zwar keine Schätzungen vornehmen, rechnet aber angesichts der Lohnunterschiede mit einem "gewissen Andrang und Verdrängungswettbewerb" bei schlecht bezahlten Jobs. Vor allem Jobsuchende aus Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit könnten ihr Glück in Österreich versuchen, wie das Beispiel ostdeutscher Zuwanderer zeige. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.4.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 89
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derfalke
50
30.4.2009, 11:26
Die EU-Osterweiterung wird für Österreich immer mehr zum Desaster.

Weil sich unsere Banken mit Hurra ins Ostgeschäft gestürzt haben, gerät unser Staat an den Rand einer Staatspleite. Wir alle werden dafür mit Wohlstandsverlust zahlen müssen.

Nun droht uns auch noch spätestens ab 2011 ein Desaster auf dem Arbeitsmarkt. Wir Österreicher sind als Nettozahler durch die Osterweiterung dreifach gestraft:

1. Massiver Anstieg der Kriminalität
2. Drohende Staatspleite, weil die Banken die in den Osten verliehenen Milliarden nicht zurückbekommen.
3. Massiver Druck auf die Löhne und Anstieg der Massenarbeitslosigkeit ab 2011

Jörg Haider hatte immer Bedenken gegen eine überhastete Osterweiterung. Wir hätten damals auf ihn hören sollen!

Lukasz
 
01
wie viel angstmacherei kann man in einen posting reinpacken??

1. den angeblichen anstieg der kriminalität belegen keine statistiken - im gegenteil...
2. wenn eine staatspleite droht, dann weil sich der liebe staat seit jahrzehnten verschuldet, und nicht wegen osteuropa-banken-miliarden - ausserdem hat ja noch niemand gesagt, dass das geld verloren ist.
3. bin neugierig, ob es wirklich einen massiven druck auf die löhne geben wird. und das schreckgespenst der massenarbeitslosigkeit ist schon der populismus in reinster form!

bei angstmachen bist du wirklich weltmeister!

EineDerLachendenBestien
00
30.4.2009, 13:28

Lieber Falke, du bist wirklich bestraft :-)

Von den Toten erzählt man nur das gute, ich schweige deswegen.

R1210
00
30.4.2009, 10:28
es kommt auf den Wohnort an ..

... im Osten Österreichs werden durch diese Arbeitskräfte zwar Steuern gezahlt, jedoch der Rest (speziell Lebensunterhalt) wird in der Heimat gekauft. Ich kenne Leute (Gastgewerbe) die Arbeiten eine Woche haben eine Woche frei usw .. während der Woche in Wien wird nicht viel benötigt und was so benötigt wird (Zigaretten und Co) wird daheim gekauft

Dreistein
 
01
30.4.2009, 10:23
Nivellierung nach unten

Mir schwingen noch immer die Worte vom Treichel im Ohr - Chef der Erste Bank und Empfänger einer milliardenschweren Staatshilfe und gleichzeitig vielfacher Bonimillionär bzw. ehemaliger Berater vom Schüssel: "Nicht die Ostlöhne müssen sich dem Westniveau anpassen, sondern die Westlöhne dem Ostniveau". Gemeint waren damit natürlich nicht er und seinesgleichen, sondern wir alle anderen.

Febobo
04
30.4.2009, 10:14
österreichische Probleme...

Da sind wir wieder. Österreich mit seinen "Zukunftsinvestitionen" in CEE hat sich in den vergangenen Jahren dumm und dämlich verdient. Nicht umsonst ist das kleine Land der mit Abstand größte Profiteur der Erweiterung.

In der österreichischen Logik ist das natürlich eine Einbahnstraße. Die CEE-Länder sollen doch froh sein, dass sie nun auch bei Raiffeisen sein können.

Wenn es nun um die Öffnung der Arbeitsmärkte geht, macht man lieber Stimmung gegen die EU oder die Horden aus dem Osten. Die notwendige Diskussion wäre allerdings:

-Mindestlohn einführen (Hundstorfer, hallo???)
-einheitliche Rahmenbedingungen schaffen

Und schon entschärft man die Gefahr des Lohndumpings. Aber lieber dem Boulevard tief in den Allerwertesten kriechen.

duke box
00
30.4.2009, 09:00
Gerade in der Wirtschaftskrise wäre es hilfreich, Beschränkungen des Arbeitsmarktes zu vermeiden

bei steigender arbeitslosigkeit soll es hilfreich sein, den arbeitsmarkt für billigkräfte aus dem osten zu öffnen?

aber nur für die lohndumping-industrie und die rechtsparteien.

nix fir unguad
06
30.4.2009, 08:58
Es lohnt sich nicht für Osteuropäer in Österreich zu arbeiten

Wenn man €1000 netto verdient und €600 Miete bezahlt, dann bleibt nicht viel von einer Lebensqualität. Da kann man gleich zu Hause bleiben.

melhor
00
30.4.2009, 12:03

Ein Rumäne verdient zuhause im Schnitt 350 Euro Netto im Monat. Wenn er hier 1000€ für seine Arbeit bekommt, für Wohnen u Essen 600€ Miete bezahlt, bleibt ihm am Ende quasi ein gesamter rumänischer Monatslohn übrig.

Ganz nebenbei kann man in Wien mit 400-500€ im Monat (inkl. Essen) auch auskommen. Man muss ja nicht unbedingt sein Lachsfilets in einer 40m² Wohnung mit Blick auf den Wienerberg genießen. Es tun auch ein paar Knacker und ein WG-Platz

EineDerLachendenBestien
00
30.4.2009, 12:46

Wie schon früher geschrieben:
RO,BUL,TK,CRO,BiH,Albanien.. betrifft diese Marktöffnug kaum.
Da gehts ausschließlich um die Länder CZ,SK,HU,PL,EST,LT,LV,SLO.
Bei diesen kannst dir deine Knacker... sparen.

StF753
00
30.4.2009, 10:36

Es soll auch Wohnungen unter 600EUR Gesamtkosten geben...

wenn man weniger wohlhabend ist, wohnt man dann eben nicht im 1. Außerhalb Wiens (und selbst dort) gibt es durchaus auch Wohnungen für unter 300EUR Gesamtbelastung...

nix fir unguad
01
30.4.2009, 11:35
Für solche Wohnungen muss man wohl ein Parteibuch...

...besitzen oder irgendeiner Seilschaft angehören.
Ander billige Wohnungen sind wohl weit weg von öffentlichen Verkehrsmitteln. Dann braucht man ein verlässliches Auto das ca. €400 im Monat kostet. Dann sind Sie mit €300 Miete auf €700 bevor Sie sich etwas zum Essen gekauft haben.

melhor
11
30.4.2009, 09:18
stichwort krankenversicheruuung

nix fir unguad
00
30.4.2009, 11:39
Es kommen wohl hauptsächlich junge Leute, die...

...zahlen in Summe mehr in das System ein als sie Leistungen beanspruchen.

nix fir unguad
00
30.4.2009, 11:37
Es kommen hauptsächlich junge Leute, die...

...bezahlen wohl in Summe mehr in das System ein als sie Leistungen beanspruchen.

Bumble25
 
06
30.4.2009, 08:15
So schnell wie möglich...

...diese ganzen Zugangsbestimmungen abschaffen. Ist nichts mehr als ein Kniefall vor dem Boulevard, gefüttert durch unbegründete Angst vor den Horden der Fremden, die uns überfallen würden...

Wir sind in der EU und sollten auch das selbe Spiel spielen, es steht ja jedem hier frei sich um einen Job in Polen, Tschechien etc. umzuschauen.

Klar werden dann FPÖ und BZÖ große Skandale propagieren, aber wer davor ernsthaft Angst hat, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

kotek
01
30.4.2009, 13:03
Sie haben völlig recht, es ist nur Angstschürerei.

In weniger qualifizierten Berufen, wo Lohndumping vor allem gefürchtet wird, wird ohnehin meist nur der Kollektivvertragslohn gezahlt, folglich kann es dort kein Lohndumping geben (wüßte nicht, daß der KV nur für Inländer gelten soll). Mehr Kontrollen und saftige Strafen für Unternehmen, die schwarz beschäftigen, dann relativiert sich die Konkurrenz.

Dreistein
 
20
30.4.2009, 10:10

Vielleicht könnten Sie gleich einmal damit anfangen und in den Osten auswandern. Schreiben Sie uns dann, wie es Ihnen dort gefällt, vielleicht kommen wir dann auch nach.

Also dann, viel Glück!

Marco der König
21
30.4.2009, 09:40
Sprach ein Staatsbediensteter

Anders kann ich mir Ihre Wortmeldung nicht erklären...

Bumble25
 
04
30.4.2009, 10:02
Nein, kein Staatsbediensteter...

...ich verstehe nur die allgemeine Panik und Angst vor der Aufhebung dieser Zugangsbeschränkungen nicht.

EU-Bürger, auch die neuen, genießen Niederlassungsfreiheit, also dürfen in Österreich leben.

Aber nein, arbeiten dürfen Sie nicht. Was macht jetzt jemand der in Österreich zwar lebt, aber nicht arbeiten kann? Ja richtig, er geht schwarz arbeiten, anstatt am normalen Arbeitsmarkt eine Chance zu bekommen.

Pro EU
73
30.4.2009, 06:56
OEVP, SPOE und FPOE/BZOE sind am Holzweg

wenn Sie den Zugang zum Arbeitsmarkt sperren.

Nicht nur das so die Wirtschaft in den Osten abwandert, nein auch unsere Alten,- und Krankenbetreuung wird teurer und schwieriger.

Eine Wirtschaft ist dann stark wenn Sie mit immer neuen Menschen gefuettert wird, und Wirtschaftskanaele offen sind, so wird genau das Gegenteil passieren.

Zusaetzlich darf natuerlich nicht darauf vergessen werden , in die Bildung unserer Staatsbuerger massiv zu investieren, so wirk man der Arbeitlosigkeit im billiglohnsektor entgegen.

Ulfberht
25
30.4.2009, 07:35

Ihr letzter Satz wirderspricht dem ganzen restlichen Posting - und Sie merken es nicht mal...

Bernd Senf for Wirtschaftsminister
14
30.4.2009, 08:06

Er propagiert doch eine 2Klassen-Gesellschaft, also passt's eh.

byron sully
62
30.4.2009, 01:03
inhaltlich

sympathisiere ich eindeutig mit der sichtweise der eu-kommission. halte die arbeitsmarktsperre österreichs für ein populistisches zugeständnis ans krone-stimmvieh und durch nichts inhaltlich begründet.
rein rechtlich dürfte aber meiner subjektiven einschätzung nach eher österreich im recht sein. die möglichkeit einer verlängerung bis 2011 (aber halt nicht darüber hinaus) wurde ja von der eu abgesegnet.

Bumble25
 
01
30.4.2009, 08:53
Rein rechtlich gesehen ist Österreich hier...

...nicht im Recht.

Aber man muss kein Wahrsager sein, um die kühne Prognose zu wagen, dass die EU die Verlängerung bis 2011 durchgehen lässt.

Denn auch bei all der negativen EU-Polemik in Österreich, wir richtens uns schon in Brüssel, die Polen, Tschechen etc. werden da schon ganz anders über den Tisch gezogen.

EU-Bürger 2. Klasse eben...

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