Fidler sieht Schwarz

28. April 2009, 16:32
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    Kein Muss im Waldviertel: Austern bei Schwarz. Aber wenn sie schon da sind...

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    Vorspeisen-Höhepunkt: Kalbskopf und Blunze

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    Wenn sich Beuschel gefährlich neigen auf der Weinverkostungstour

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    Der Fisch, diesmal etwas zu sauer, fand Frau Schell.

Wein will Unterlage zwischen Wagram und Wachau: Ein Update vor Kostveranstaltungen am ersten Mai-Wochenende

Nein, keine Sorge, keine Gefahr, mir an diesem Wochenende beim Weinkauf zu begegnen zwischen Kamptal, Traisental und Wachau. Hab ich schon letztes Wochenende zum Gutteil erledigt, und beim noch offenen Rest hoff ich auf ein paar Mitbringsel von einem unserer Oberweinauskenner. Der hat uns schon am letzten sicher durchs Niederösterreichische kutschiert.

Haferflocken reichen nicht

Wein braucht natürlich Unterlage, das hab ich spätestens beim flotten Verkostungsdreier um 11 Uhr früh bei Mayr/Buchegger/Walzer wieder einmal entdeckt: Auf ein paar Haferflocken und einen Tee zum Frühstück sollte man besser nicht zwei Dutzend Schlucke machen, und weil man nicht ganz sicher ist, dann noch ein paar zweite Proben vom einen oder anderen, und nicht spucken. Gleich zwei ausgiebige Fastenzeiten heuer bringen einen zusätzlich aus der Übung. Oder lassen jedenfalls die realistische Erwartungshaltung für solche Aktionen verblassen.

Schweinerei!

Und nun? Variante A: Gleich in Droß rasch über den Hof zu Fleischknödeln oder Schweinsbraten von Familie Mayr. Nie ein Fehler, wie Schmecks-User a) ohnehin aus eigener Anschauung wissen oder b) in dieser kleinen, dreckigen Kolumne schon gelesen haben (Schweine im Kremstal) oder c) halt anderswo. Kurzum: Schon wieder Mayr geht natürlich nicht.

Variante B: Langenlois ist nicht weit, und das Rieslingbeuschel beim Heurigenhof Bründlmayer schon seit Jahren ziemlich obersupergut, wenn nicht das allerbeste überhaupt. Aber das haben wir hier auch schon gelobt, bin ich ziemlich sicher, auch wenn ich's in unserem Schmeck's-Archiv gerade nicht und nicht finde. Wir wollen auch anderer Wirte Beuschel kennen lernen.

Nicht nur himmlisch

Variante C: In Langenlois hat sich ja vor auch schon zwei Jahren der Herr Schwillinsky angesiedelt, kam quasi herab von weit oben aus dem Kamptal, und erntete sehr freundliche Kritiken in vielen Zeitungen. Deshalb sind wir ja auch 2008 dort eingefallen, auch zur Tour de Vin, auch beschwingt, aber strategisch schon mit mehr Unterlage in der Früh. Also durchaus noch urteilsfähig, vielleicht etwas urteilsfähiger als heute. Und irgendwie wurden wir damals dort nicht richtig glücklich. Herausragend "Himmel und Erde", schichtenweise Blunze, Erdäpfelpüree und Apfel. Flugentenbrust, Forellenfilet, Spargel mit Hollandaise, Karpfenbratl, Goldbrasse rissen allesamt nicht recht vom Hocker. Leiden auf hohem Niveau, zugegeben, und uns damals fast durchgängig etwas zu salzig. Aber: Wir kamen schon spät zum Mittagessen an einem Hochfrequenztag. Womöglich schmeckten wir einfach eine leise Erschöpfung in der Küche, die nicht so ganz mit unserer eigenen harmonieren wollte.

Also Variante D: Von Droß ist es schließlich auch nicht so richtig weit nach Nöhagen. Und dort waren wir schon 2008 bei unserer Aufwärmrunde zur Tour de Vin schlicht hingerissen. Das kleine Kalbsbeuschel machte dem Bründlmayerschen ernste Konkurrenz. Die geröstete Kalbsleber einfach optimal. Räucherforelle, Saibling, Fischsulz nicht nur, aber auch optisch eine helle Freude. Über den Kalbsrücken war einer der Mitesser ebenso begeistert, die Beiriedschnitte sowieso. Herrlich.

Ein Beuschel schwächelt

Mit den Erwartungen also noch einmal nach Schwarz, ich bestand darauf, und meine Mitesser wirkten auch nicht ganz unglücklich mit dem Ziel. Vielleicht war ich ein bisschen außer Tritt, aber das Beuschel war diesmal nicht ganz so hinreißend (nahms aber immer noch mit vielen, vielen Mitbewerbern auf). Die Fischsulz meinem Gegenüber ein bisschen gar sauer geraten. Blunze und Kalbskopf paniert hingegen gelungen. 

Die Niere macht's wieder gut

Umso prachtvoller die Hauptspeisen: Geröstete Kalbsniere mit Erdäpfeln, wirklich herausragend. Der Chef ließ sich entschuldigen, er habe sich damit "ein bisschen verwogen" und wollte einen Nachschlag schicken. Ohne jetzt mit Stammgästen eine Portionsgrößendebatte vom Zaun zu brechen: Die Nieren waren in der Menge grad' recht. Und die Kalbsbacken mit ziemlich sehr gutem Erdäpfelpüree überhaupt ein schmelzendes Glück.

Fragt sich nur: Braucht man in einem doch etwas unzentralen Ort am Rande des Waldviertels, wo mancher Handybetreiber einfach w.o. gibt, Austern? Nein, aber wenn sie schon da sind, erfrischen drei Stück zwischendurch durchaus. Und, ich muss ehrlich sagen, ich hab schon in Wien, zugegebenermaßen auch nicht für seine Meernähe bekannt, auch schon weniger erfreuliche bekommen.

Dieses Wochenende werden Sie mich nicht zwischen Wachau und Wagram treffen, keine Sorge, wie gesagt. Sachdienliche Hinweise sind hier aber immer willkommen. Die nächste Wein-Tour kommt bestimmt. Ich schau einstweilen, dass ich Fisch und Muschel etwas entgegenkomme. Für einen Sprung zumindest. Bleiben Sie dran.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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14 Postings
A Voice
00
30.4.2009, 09:22
worüber

war denn die Beiriedschnitte begeistert? ;-D

Nigl wird wohl schon bekannt sein, ess- wie weintechnisch. Bezüglich Wein hätt ich da noch den Fritz aus Zaussenberg am Wagram, wenn's pläsiert.

kuchlmensch
00
29.4.2009, 18:53
Zu salzig

Beim Schwillinsky, als er noch in Plank behimatet war, hatten wir jedes mal versalzenes Essen - egal , ob Suppe, Fisch oder Fleisch. Und damals gab es dort auch Austern - die sind eine Waldviertler Unart, und verärgern mich in Nöhagen seit Jahren.
Ich finde, seit Nöhagen den Geheimtipstatus verloren hat, ist die Küche nicht besser geworden - während uns in Langenlois der Schwillinsky bei der letzten
Mahlzeit angenehm überrascht hat!

doc w
10
28.4.2009, 19:57

da sie neuem aufgeschlossen sind,darf ich ihnen den rainer melichar in traismauer ans herz legen.hatte,wie sie wissen,als one-man-band drei hauben erkocht,sie zurückgelegt,danach die succowell-methode erfunden,die elite der österr. köche in diese methode in kursen bei sich eingeschult,und kocht phantastisch,und das zu christlichsten preisen.was mir an ihm gefällt ist die tatsache,dass er ein lernender ist und nicht abgehoben,neuem gegenüber aufgeschlossen ist,in langenlois und sitzenberg längst vergessene gemüse und salate anbaut(in kooperation mit den schulen) und sogar gute amateure einlädt,mit ihm zu kochen.

schmecks
00
29.4.2009, 08:42

das trifft sich ausgezeichnet. da waren wir nach unserer tour - und, soviel kann ich hier schon sagen: sehr, sehr, sehr zufrieden. mehr dazu demnächst in dieser kleinen kolumne.
besten gruß,
fid

doc w
10
30.4.2009, 14:06

habe gestern bei rainer sogar ihre 2 menüs gelesen,einmal davon fleischlos. wenn es mein hausumbau erlaubt,werden meine frau und ich uns am samstag in traismauer verwöhnen lassen.

dieReißerische
00
28.4.2009, 19:03
Na dann

hoffe ich, dass sich was findet, das Ihren Ansprüchen gerecht wird - am Wochenend.

freundlichste Grüße,
d'Reißerische

schmecks
00
29.4.2009, 08:43

verehrteste!
in Eurer gegenwart gab's noch nie grund zu meckern! außerdem arbeiten wir uns schon über vier adressen an den hafen :)
bis gleich! freu mich,
fid

On anem?
00
28.4.2009, 18:33

Niere in der Menge grad recht,
hoffentlich in der Qualität auch!

schmecks
00
29.4.2009, 08:43

falls das nicht rausgekommen sein sollte: äußerst zufrieden!
besten gruß,
fid

Com diu?
00
29.4.2009, 10:48

Gratuliere!

johnsp
00
28.4.2009, 17:11
Die Bezeichnung...

... eines Kollegen als "Mitesser" scheint mir in diesem Zusammenhang wenig schmackhaft zu sein.

On anem?
00
28.4.2009, 19:50

Es war ohnedies nicht nur ein Mitesser!

schmecks
00
28.4.2009, 18:11

neu hier? willkommen!
besten gruß,
harald fidler

johnsp
00
29.4.2009, 08:16

Danke! Besten Gruß retour.

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