Sozialer Friedenszins

Höhere Vermögenssteuern sind zumindest ein symbolischer Beitrag, um den sozialen Frieden zu erhalten - Von Helmut Spudich

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: In den vergangenen Jahrzehnten haben die Einkommensanteile aus Arbeit beständig abgenommen, jene aus Vermögen hingegen zugenommen. Damit hat sich auch die Lastenverteilung in der Gesellschaft zugunsten der Vermögenden verschoben - und dabei sind nicht die Besitzer durchschnittlicher Einfamilienhäuser gemeint. Aber die Frage nach der Steuergerechtigkeit wurde nur sehr leise gestellt, solange auch für weniger Betuchte genug übrigblieb.

Jetzt macht die Wirtschaftskrise Milliardenstützungen justament für jene Finanzwirtschaft nötig, die den Superreichtum hervorgebracht hat. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Ruf nach einer "Reichensteuer" zur Reparatur laut wird. Dass Geld (und damit auch die Belastung in der Krise) höchst ungleich verteilt ist, kapieren langsam auch manche dieser Reichen: Erst vor kurzem richteten VW-Manager und Porsche-Superverdiener Wiedeking gemeinnützige Stiftungen ein, um die Debatte über ihre horrenden Millionenverdienste "endlich" zum Erstummen zu bringen.

Österreich hat hier dringenden Aufholbedarf. Während im Mutterland des Kapitalismus, den USA, Vermögenssteuer in Höhe von 3,1 Prozent des BIPs (Bruttoinlandsprodukts) eingehoben wird, in Großbritannien sogar 4,6 Prozent, sind es in Österreich mickrige 0,6 Prozent, in Deutschland 0,9 Prozent. Das Gros der jetzigen Neuverschuldung wird eines Tages, wie stets, vom Mittelstand abgetragen werden müssen. Höhere Vermögenssteuern sind zumindest ein symbolischer Beitrag, um den sozialen Frieden zu erhalten. (Helmut Spudich/DER STANDARD-Printausgabe, 28. April 2009)

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