Die Tatsache, dass Manager der Empathie willen auf ihre Zulagen verzichten, scheint mehr eine Augenauswischerei zu sein - Ein Kommentar
Manager, ihre Gehälter und deren ökonomische Verantwortung sind wohl die zentralen Themen, wenn man in Zeiten der Finanzkrise von ungerechter Geldverteilung spricht. Angesichts der bereits deutlich auf die Realwirtschaft übergangenen Finanzkrise, verzichten immer mehr Manager großer Unternehmen auf ihre Bonuszahlungen. Einige EU-Länder haben beschlossen, Bankmanagern, deren Unternehmen Partizipationskapital vom Staat beziehen, keine Bonuszahlungen zu bewilligen. Auch freiwillig, ohne jegliche gesetzliche Regelung, verzichteten in den letzten Monaten einige Topmanager auf ihre Prämien.
Die Tatsache, dass Manager der Empathie willen auf ihre Zulagen verzichten, scheint mehr eine Augenauswischerei zu sein. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann meinte: "Der Markt für Spitzenmanager ist sehr überschaubar und deshalb der Preis für gute Leute entsprechend hoch." Astronomisch hohe Gehälter einiger Spitzenverdiener an der Wallstreet, wie John Paulson, der 2007 3,7 Milliarden US-Dollar verdient hat, zeigen die Fehlentwicklung in der Managerentlohnung. Die Europäische Union leistet Pionierarbeit: Die EU-Kommission erarbeitet erstmals Empfehlungen für Bankmanager-Boni. Die Abfertigungen dieser Manager sollen auf zwei Jahresgehälter reduziert werden.
Wenn man die Entwicklung der Managergehälter in den letzten Jahren betrachtet, so kann man deutlich einen exorbitanten Anstieg verzeichnen. Während die EU-Bürger bereits sichtbar unter den Folgen der Wirtschaftskrise leiden, hat man bei Managern nicht das Gefühl, dass sich die Wirtschaft in einer Flaute befindet. Die Gehälter einiger Ausnahmemanager scheinen exponentiell zu wachsen, während ihre eigenen Firmen auf Kurzarbeit und Stellenabbau zurückgreifen.
Provokant ist auch die Option der Manager, bei Fehlspekulationen den Schaden und die Haftung auf Versicherungen abzuwälzen. Noch viel schlimmer als die scheinbare ökonomische Immunität eines Managers bei einem schlecht abgewickelten Geschäft, ist, dass Manager nachweislich Firmenkapital verspekuliert haben und dadurch hunderte Arbeitnehmer arbeitslos wurden. Zu überdenken wäre, ob nicht auch die Aufsichtsräte einer Kontrolle unterzogen werden sollten.
Absprachen zwischen Aufsichtsrat und Managern könnte man dadurch unterbinden. Auch die Glaubwürdigkeit der Ratingagenturen muss wieder hergestellt werden, denn nur sie haben die Möglichkeit, zwischen faulen und rentablen Geschäften zu unterscheiden. Damit auch in Zukunft die Marktwirtschaft als westlich bewährte Wirtschaftsform betrachtet werden kann, sind noch zahlreiche Regelungen und Gesetzesbeschlüsse nötig - ein Resetknopf für die Wirtschaft wäre an dieser Stelle wohl genau das Richtige. (Stefanie Reberschak, Max Sommer)