Neuer Uni-KV soll berechenbare Karrieren bringen

24. April 2009, 15:13

Eckpunkte sind ein neues Laufbahnmodell für Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung

Wien - Der neue Kollektivvertrag (KV) für das wissenschaftliche und künstlerische Personal und die allgemeinen Bediensteten an den Universitäten - insgesamt rund 30.000 - soll für alle seit dem 1. Jänner 2004 neu eingetretenen Mitarbeiter gelten. Ab diesem Zeitpunkt (Vollrechtsfähigkeit der Unis) wurde Personal nur mehr nach dem Angestelltenrecht aufgenommen, für einen Teil der Wissenschafter gilt noch immer das Übergangsdienstrecht von 2001 mit ausnahmslos befristeten Stellen.

Eine wissenschaftliche Uni-Laufbahn könnte künftig so aussehen: Die erste Sprosse der Karriereleiter nach dem Master bzw. Diplom ist eine auf vier bis sechs Jahre befristete Stelle als Uni-Assistent. In dieser Zeit sollte Doktorat bzw. PhD absolviert werden. Noch bevor dieser Vertrag ausläuft, sollte in einem Gespräch zwischen Arbeitgeber und -nehmer klar werden, ob man Chancen für eine weitere wissenschaftliche Karriere an der jeweiligen Uni hat. Wenn ja, kann man sich auf eine sogenannte "Laufbahnstelle" bewerben, also eine maximal sechsjährige Post-Doc-Stelle mit dem Titel "Assistenzprofessor" ("Assistant Professor").

Für diese Stelle muss mit der Uni-Leitung eine "Qualifikationsvereinbarung" abgeschlossen werden. Darin wird festgelegt, was der Kandidat in einem Zeitraum von bis zu sechs Jahren erreichen muss - etwa eine Habilitation und eine Lehrqualifikation oder eine bestimmte Publikationsleistung. Ob diese Ziele erreicht werden wird am Ende der Frist überprüft.

Erfüllt man die Qualifikationsvereinbarung, wird man automatisch "Assoziierter Professor" ("Associate Professor") und damit unbefristet angestellt. Dieser Schritt soll früher erfolgen als derzeit Nachwuchswissenschafter die Habilitation erwerben. Will man die Karriereleiter noch weiter hinaufklettern, muss man sich auf die Stelle eines "Universitätsprofessors" bewerben und sich dabei - wie bisher - in einem Berufungsverfahren bewähren.

Daneben soll es noch eine Schiene für "Systemerhalter", sogenannte "Senior Scientists" oder "Senior Artists" geben. Das kommt etwa für Sprachlehrer, Musiklehrer, Laborbetreuer bzw. einen Oberarzt infrage, der keine wissenschaftliche Karriere macht, aber als Spitals-Oberarzt gebraucht wird. Für alle Stufen der Karriereleiter gilt, dass eine zweimalige negative Evaluierung einen Kündigungsgrund darstellt.

Profitieren vom KV sollen junge Wissenschafter auch durch höhere Anfangsgehälter: Derzeit verdient man als Jung-Forscher am Beginn der Uni-Karriere 1.400 bis 1.900 Euro brutto monatlich, künftig liegt das Mindestgehalt für Uni-Assistenten am Beginn bei 2.398 Euro (inklusive zwei bis vier Semesterwochenstunden Lehre). Für einen "Assistenzprofessor" beträgt das Mindestgehalt 3.270 Euro, für einen "Assoziierten Professor" 4.142 Euro und für einen berufenen Uni-Professor 4.360 Euro.

Im KV enthalten ist auch eine Pensionskassenregelung für die Uni-Bediensteten sowie eine Lösung für die sogenannten Existenz-Lektoren. In der Vergangenheit waren Hunderte davon bei ihrer Lehrtätigkeit von Jahresverträgen abhängig. Sie sollen künftig in das wissenschaftliche Personal integriert werden. Bis zu sechs - bei Teilzeitbeschäftigung bis zu acht - Jahre ist weiterhin eine befristete Anstellung möglich, danach nur noch unbefristet.

Auch ein bis zu sechsmonatiger Studienurlaub wurde in den KV aufgenommen und kann etwa für einen Forschungsaufenthalt im Ausland oder praxisnahe Forschung in der Wirtschaft genutzt werden. Im KV wurde ein Recht auf diese Auszeit verankert, die konkreten Bedingungen dafür können die einzelnen Unis in Betriebsvereinbarungen festlegen.

Den 12.000 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern soll der KV ein Mindestgehalt, stärkere Leistungsbezogenheit der Löhne, Qualifizierungsmöglichkeiten und Planbarkeit der Karriere bringen. (APA)

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19 Postings
pueblo unido
47
25.4.2009, 11:29
€ 2.500 netto für einen full professor

das ist echt eine beleidigung. soviel hab ich direkt nach meinem grundstudium in wien "in der wirtschaft" verdient.

ich bin österreicher und uniprofessor im ausland, ich verdiene etwa das 2,5 fache, ich würde sehr gerne irgendwann zurückgehen. wie soll das möglich sein? ich könnte mich um meinen anfängerjob "in der wirtschaft" bewerben und würde mehr verdienen. was für eine verschwendung.

viel glück mit denen, die an österreichischen unis "übrigbleiben". niemand soll sich jemals wieder über die lehrqualität oder sonstwas beschweren, um das geld sollte der staat froh sein, jemanden zu kriegen, der lesen und schreiben kann...

Liquidsolid
00

was mir sorgen macht ist das es einen quasi 'linearen' weg ohne abzweigungen vom studenten zum professor an ein und derselben uni geben soll, oder gibts da restriktionen?
wenn ich mal zurueck nach Oe komme, wuerde ich es schade (und frustrierend, aber nicht ueberrachend) finden gegen den liebling vom alten prof zu verlieren.

Agent Provocateur!
22
25.4.2009, 21:09
Kollektivvertrag!!!!!!!

Es ist erschütternd, welche alltagsuntauglichen Leute hier posten. Und wenn es angebliche Professoren sind, noch mehr.

pueblo unido
00
25.4.2009, 21:51

dann erklären sie es mir angeblichem professor (und evtl. den anderen alltagsuntauglichen leuten) doch bitte

vielleicht kommen ja mit der zeit gehaltssprünge dazu, aber ob sich jemals ein ernsthaftes gehalt ausgeht, bezweifle ich...

Agent Provocateur!
01
25.4.2009, 23:39
KOllektivvertrag ist das MINIMUM, das ad libitum überzahlt werden kann...


Soviel zur Alltagstauglichkeit

Zur Ihrer Beruhigung; An der Uni Wien werden derzeit kaum weniger als 6.000 (Durchschnitt: 7k-8k, oberes Drittel: 10-12k) für neueinsteigende Professoren entrichtet, je nachdem woher sie/er kommt und wie hoch das alte Gehalt war.

pueblo unido
00
25.4.2009, 23:47

das ist doch schon sehr hilfreich für jemanden wie mich, der noch nie im kollektivvertragsalltag gearbeitet hat. danke. ab 9k denke ich könnte ich in wien leben, da wohnen ja eh billig ist.

nachdem mich das ja wirklich (wegen meiner persönlichen zukunft) interessiert und sie ja mehr zu wissen scheinen als ich über österreichische unis (was nicht schwer ist), hätt ich gleich noch zwei fragen:

1. sind publikationen mittlerweile relevant in .at oder braucht man immer noch habil?

2. wie hoch ist die lehrverpflichtung zb an der uni wien für full prof?

3. werden diese stellen real oder pro forma ausgeschrieben, d.h. hat es sinn, sich als externer zu bewerben?

David Stifter
 
00
26.4.2009, 06:39

ad 1: Wenn Sie sich innerhalb des öst. systems "hocharbeiten" wollen, ist die habil noch von bedeutung. Wenn Sie aus dem ausland kommen (d.h., auch wenn Sie als österreicher im ausland bereits eien professur hatten) ist die habil irrelevant.

ad 2: Meines wissens nach 8 sst = 4 LV.

ad 3: Sie werden real ausgeschrieben. Als interner hat man praktisch keine möglichkeit mehr, einen professorenposten zu bekommen.

pueblo unido
00
26.4.2009, 10:10
danke !

horsti
03
25.4.2009, 11:35
klingt fuer mich auch so

fuer Quereinsteiger (nicht aus Eigenbau) undurchdringbar.

pueblo unido
03
25.4.2009, 11:38

"fuer Quereinsteiger (nicht aus Eigenbau) undurchdringbar. "

eben... stellt sich dann auch noch die frage ob zB associate stellen ausgeschrieben werden oder nur intern besetzt (derzeit werden die nur intern besetzt, an den meisten unis ausserhalb österreichs werden auch associate stellen ausgeschrieben).

MartinB
00
25.4.2009, 21:16

Die Frage ist eher ob Associates ueberhaupt eingestellt werden. Schliesslich besteht ja kein Anspruch darauf, selbst bei Erfuellung der Vorgaben, wenn ich den KV richtig versteh. Und schliesslich gibts um das Geld 2 frische PostDocs ...

Aber immerhin es gibt einen KV.

martial
31
24.4.2009, 16:59

Verstehe ich das richtig, dass unmittelbar nach dem Master / Magister als Uni-Assistent bereits mit der Lehrtätigkeit begonnen werden soll? Dafür ist man nach 5 Jahren Studium in der Regel fachlich und didaktisch doch nicht wirklich geeignet, und der Arbeitsaufwand für 4 Stunden LV ist mit dem Wissensstand auch gewaltig.

Hardcoreboson
03
25.4.2009, 10:32
wohl keine vorlesung sondern uebung

und das war ja bisher auch so.

didel
04
25.4.2009, 03:50

In anderen ländern ist das völlige normal. Nach 5 jahren studium solllte man schon in der lage sein eine übung zu halten (vor allem wenn wissenschaftlich weiter machen will).

Noonien Soong
10
24.4.2009, 19:27
Woraus schließen Sie das?

Ich kann im Text keine Stelle finden aus der ich das schließen könnte.

martial
10
24.4.2009, 20:09

"Die erste Sprosse der Karriereleiter nach dem Master bzw. Diplom ist eine auf vier bis sechs Jahre befristete Stelle als Uni-Assistent"

"Derzeit verdient man als Jung-Forscher am Beginn der Uni-Karriere 1.400 bis 1.900 Euro brutto monatlich, künftig liegt das Mindestgehalt für Uni-Assistenten am Beginn bei 2.398 Euro (inklusive zwei bis vier Semesterwochenstunden Lehre)."

Noonien Soong
11
25.4.2009, 00:44

Es gibt auch (höhersemestrige) Studenten die in der Lehre tätig sind. Worum sollte also ein Uni Assistent nicht dazu in er Lage sein? Von selbständiger Lehre ist hier ja keine Rede.

Anyuser
 
02
24.4.2009, 18:38

Für die Betreuung von Massen-LVs (insbesondere Übungen) am Studienbeginn wird's wohl reichen.

Saskia Fabian
 
10
24.4.2009, 18:13
ja sehe ich genauso - danke

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