Uni-Betriebsräte stimmen nach fünf Jahre langen Verhandlungen mit mehr als 90 Prozent zu
Wien - Nach mehr als fünfjährigen Verhandlungen ist der erste
Kollektivvertrag (KV) für Universitätsbedienstete unter Dach und Fach.
Bei einer Betriebsrätekonferenz heute, Freitag, haben die
Personalvertreter mit mehr als 90 Prozent dem Vertrag zugestimmt,
teilte die Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD) in einer Aussendung
mit. Mit der Zustimmung der Gewerkschaft wurde die letzte Hürde
genommen, der Dachverband der Universitäten hatte als Arbeitgeberseite
dem KV bereits zugestimmt.
Ab Oktober 2009
Eckpunkte des neuen Regelwerks sind ein neues Laufbahnmodell für
Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung.
Der KV gilt für rund 30.000 allgemeine, wissenschaftliche und
künstlerische Uni-Bedienstete und soll mit 1. Oktober 2009 in Kraft
treten.
Für die Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD) wurde mit
dem Kollektivvertrag ein "attraktives und konkurrenzfähiges"
Bezahlungsniveau erreicht, die "Sicherheit des Arbeitsplatzes und der
inneruniversitäre Aufstieg sind in einem Höchstausmaß gelungen", beim
wissenschaftlichen Personal durch ein faires Karrieremodell, beim
allgemeinen Universitätspersonal durch ein achtstufiges
Verwendungsgruppenschema sowie drei Qualifikationsstufen.
Bessere Kündigungsfristen
Einen hohen Stellenwert habe der Schutz des Arbeitsplatzes erhalten,
betont man seitens der GÖD: So gibt es - sowohl beim wissenschaftlichen
als auch beim allgemeinen Personal - bei befristeten
Arbeitsverhältnissen Kündigungsmöglichkeit frühestens nach zwei Jahren.
Kündigung durch den Arbeitgeber können ab dem fünften Arbeitsjahr nur
zum Quartalsende erfolgen, mit steigenden Kündigungsfristen von sechs
Wochen bis fünf Monate. Erweiterten Kündigungsschutz (Kündigung nur auf
Basis eines im KV genannten Grund zulässig) gibt es ab einer
Beschäftigungsdauer von 20 Jahren bzw, ab dem 45. Lebensjahr und 15
Beschäftigungsjahren bzw. ab dem 50. Lebensjahr und zehn
Beschäftigungsjahren.
Der Vorsitzende des Dachverbandes der Universitäten, Rudolf Ardelt,
bezeichnete die Einigung im Gespräch mit der APA als "sehr erfreulich".
Der KV bringe eine Reihe von Verbesserungen, vor allem für junge
Wissenschafter, etwa durch das neue Laufbahnmodell. Derzeit gebe es für
Nachwuchsforscher keine Karriere-Perspektiven, sie müssten nach sechs
Jahren ausscheiden, egal wie gut sie waren. "Das war demotiverend", so
Ardelt.
Auch das einheitliche Mindestgehalt bedeutet für etliche Mitarbeiter
eine deutliche Besserstellung. Beim allgemeinen Personal sei es
gelungen, das Gehaltsschema stark zu reformieren, sie erhielten nun
höhere Anfangsgehälter, dafür flache sich die Gehaltskurve später ab.
Nachdem das Uni-Budget für die nächsten Jahre fixiert war, hatten die
Rektoren Ende März dem KV prinzipiell zugestimmt, aufgrund der
budgetären Ausstattung allerdings nur mit Übergangsbestimmungen. Diese
seien von der Gewerkschaft "mit Modifikationen" angenommen, die
wiederum von Rektoren akzeptiert würden, sagte Ardelt.
Hahn erfreut
Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) begrüßte in einer Aussendung
die Einigung beim KV, damit werde sein Bestreben unterstützt,
"Berechenbarkeit und Verlässlichkeit als Grundlagen für Wissenschaft
und Forschung zu stärken". Hahn erinnerte an die Finanzierungsgarantie
seines Ressorts für den KV in Höhe von rund 140 Mio. Euro bis 2013. Mit
dem Uni-KV werde der wissenschaftliche Nachwuchs in Österreich
gestärkt, das Regelwerk unterstütze die Universitäten dabei, "junge
Akademiker für eine Wissenschaftskarriere zu gewinnen, und gute Köpfe
im Land zu halten".
Begrüßt wird die Einigung auch von der Österreichischen
Hochschülerschaft (ÖH). Deren Vorsitzender, Samir Al-Mobayyed von der
VP-nahen Aktionsgemeinschaft (AG), erwartet sich einen zusätzlichen
Anreiz für aufstrebende angehende Wissenschaftler, an einer
österreichischen Hochschule tätig zu werden.
Erfreut zeigte sich auch SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl, die
den KV gerade für die berufliche Perspektive junger Wissenschafter für
besonders wichtig hält. "Mit dem Vertrag sind berechenbare Karrieren
möglich und gute WissenschafterInnen müssen sich nicht mehr gezwungen
sehen, ins Ausland oder in die Privatwirtschaft abzuwandern", so Kuntzl. (APA)