Die Kärntner Hypo Group wird von Mehrheitseigentümer BayernLB "gesundgeschrumpft", 2.100 Jobs fallen weg
Klagenfurt - Es war die "Stunde der Wahrheit" für die Kärntner Hypo Group Alpe Adria - und sie war blutrot. Der Jahresverlust für 2008 beläuft sich, wie erwartet, nach Steuern auf 520 Millionen Euro. Ursachen seien die hohen Kreditrisikovorsorgen, die gegenüber 2007 von 274 auf 533 Mio. Euro angestiegen sind. Auch die Auswirkungen der Finanzkrise sowie Abwertungen in Südosteuropa schlugen negativ zu Buche, teilte Noch-Hypo-Vorstand Tilo Berlin mit.
Insgesamt habe es negative "Sondereffekte" von rund 730 Mio. Euro gegeben. Überraschend: der Großteil von Wertberichtigungen im Kreditportfolio musste allerdings nicht auf den kritischen Märkten in Kroatien, Slowenien, Bosnien oder Serbien, sondern in Österreich verbucht werden. Die Bilanzsumme der Hypo Alpe Adria stieg 2008 um 14 Prozent auf 43,3 Milliarden Euro.
Differenzen über Weiterentwicklung
Die "Herkules"-Sanierungskeule selbst zu schwingen bleibt dem scheidenden Hypo-Vorstand Tilo Berlin, erspart. Das wollte er sich nicht mehr antun, zumal es auch gravierende Differenzen über die Weiterentwicklung der Kärntner Bank am Balkan mit Bayern LB-Vorstand Michael Kemmer gegeben haben dürfte. Dieser hat daraufhin Franz Pinkl von der Volksbanken-AG als Hypo-Sanierer geholt.
Verkünden wollte Berlin die "Grauslichkeiten" des gleichnamigen bayrischen Sanierungsprogramms auch nicht mehr. Das überlies er dem neuen Vize-Vorstandsvorsitzenden Andreas Dörhöfer: Die Bayrische Landesbank, selbst mit ihrem zehn-Milliarden-Euro-Auffangpaket durch den deutschen Staat schwer unter EU-Druck, will ja bekanntlich bei der Hypo bis 2013 2100 Stellen der insgesamt 8000 Arbeitsplätze in 13 Ländern Südost-Europas streichen. In Österreich, vor allem in Kärnten, sind es rund 100, die großteils durch natürlichen Abgang wegfallen sollen. Der Standort Klagenfurt soll in veränderter Form bleiben, sich aber stärker auf Österreich konzentrieren.
Mutter greift hart durch
Damit greift die bayrische Mutter, die im Konzern insgesamt 5600 von rund 20.000 Stellen streicht, bei der Kärntner Tochter besonders hart durch. Die durch faule Kredite vor allem am Balkan schwer angeschlagene Hypo (in die die Bayern Ende 2008 700 Millionen Euro einschießen mussten und die zudem 900 Mio. Partizipationskapital aus dem Bankenrettungs-Paket erhielt) "börsenfähig" gemacht werden. Dörhöfer: "Das unkontrollierte Wachstum der Hypo in Südost-Europa muss kanalisiert werden." Man wolle sich dort nicht nur von Industriebeteiligungen, dem Leasing-Geschäft, sondern auch der Banktochter Montenegro trennen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24.4.2009)