"Es würde Kiffen die Romantik nehmen"

23. April 2009, 17:52
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    foto: apa/gindl

    Michael Glawogger wurde vor kurzem für seinen Film "Vaterspiel" mit dem Großen Preis der Diagonale ausgezeichnet.

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    Der Regisseur mit Michael Ostrowski, Hauptdarsteller in "Contact High".

Regisseur Michael Glawogger im Karriere-Telegramm über "Contact High", Drogenkonsum und die Einstellung zu Beruf und Erfolg

"Erfolg ist, wenn ich aus einer Mischung aus Zuseherzahlen, Preisen und Kritiken, genug Glaubwürdigkeit und Schubkraft für mein nächstes Projekt zusammenbekomme", meint der österreichische Regisseuer Michael Glawogger im E-Mail-Karriere-Telegramm von derStandard.at. Seine Drogenkomödie "Contact High", nach "Nacktschnecken" der zweite Teil einer Trilogie, ist gerade im Kino angelaufen.

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag von Michael Glawogger aus?

Glawogger: Den gibt es nicht. Meine Arbeit hat zu viele verschiedene Phasen, als dass sich ein Muster entwickeln könnte. Drehbuch schreiben, vorbereiten, drehen, schneiden, einen Film bewerben, auf Festivals fahren und dann noch der Unterschied zwischen der Arbeit an einem Spielfilm und einem Dokumentarfilm - da geht sich kein "typischer" Arbeitstag aus.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Glawogger: Das weiß ich nicht.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Glawogger: Mein Beruf ist kein Stress.

derStandard.at: Wer oder was nervt Sie in Ihrem Job am meisten?

Glawogger: Sitzungen.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg und was war der größte Karriereflop?

Glawogger: Der größte Erfolg war die internationale Anerkennung für "Workingman's Death", der größte Flop die Zuschauerzahlen für "Slumming" in Österreich.

derStandard.at: Wie definieren Sie bei Ihren Filmen Erfolg (Zuseherzahlen, Preise, Kritiken, persönliche Zufriedenheit)?

Glawogger: Erfolg ist, wenn ich aus einer Mischung aus Zuseherzahlen, Preisen und Kritiken, genug Glaubwürdigkeit und Schubkraft für mein nächstes Projekt zusammenbekomme. Meine persönliche Zufriedenheit muss ich mir mit mir alleine ausmachen und das ist dann schon schwieriger.

derStandard.at: Welche Messlatte in puncto Erfolg haben Sie für Ihren neuen Film "Contact High"?

Glawogger: Dass der dritte Teil "Rock and Roll" durch den Erfolg finanzierbar wird.

derStandard.at: Haben sie berufliche Vorbilder? Von welchen Regisseuren lassen Sie sich inspirieren?

Glawogger: Mein größtes berufliches Vorbild ist der ehemalige Sturm Graz Trainer Ivica Osim. Er hat sich in einem gnadenlosen Beruf auf sehr individuelle Weise behauptet, ohne sich den Pseudogesetzen seiner Branche unterzuordnen.

derStandard.at: Mit welchen Schauspielern würden Sie gerne arbeiten?

Glawogger: Viggo Mortensen und Andrea Sawatzki

derStandard.at: Ist Hollywood für alle Filmschaffenden ein Ziel oder doch in erster Linie ein Mythos?

Glawogger: Hollywood ist ein Ort, an dem auch Filme gemacht werden.

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Glawogger: Sinnvolles Handeln statt Populismus

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie als Kind werden?

Glawogger: Wildhüter.

derStandard.at: Wie sieht Ihr persönlicher Drogenkonsum aus? Was nehmen Sie?

Glawogger: Kandierte Veilchen vom Demel.

derStandard.at: Sollte der Cannabis-Konsum legalisiert werden?

Glawogger: Natürlich, aber es würde dem Kiffen auch eine gewisse Romantik nehmen. (om, derStandard.at, 23.4.2009)

Zur Person:

Michael Glawogger wurde 1959 in Graz geboren. Von 1981 bis 1982 war er am San Francisco Arts Institute und studierte anschließend von 1983 bis 1989 an der Wiener Filmakademie. Seitdem arbeitet er als Regisseur, Autor und Kameramann in Wien, Bangkok und Znaim. Glawogger pendelt zwischen den filmischen Genres. Seine international erfolgreichsten Filme waren "Megacities" und "Workingman's Death".

Auszüge aus seiner Filmografie:

Das Vaterspiel (2009), Contact High (2009), In Heaven (2006), Slumming (2005), Workingman's Death (2004), Nacktschnecken (2004), Zur Lage (2002), Frankreich, wir kommen! (1998), Megacities (1998), Die Ameisenstraße (1995), Krieg in Wien (1989), Tod eines Lesenden (1985)

Sinkle Malt
00
24.4.2009, 14:27
Glawogger: Der größte Erfolg war die internationale Anerkennung für "Workingman's Death", der größte Flop die Zuschauerzahlen für "Slumming" in Österreich.

Slumming ist ein grossartiger Film und war glaub ich nur drei Wochen in den Wiener Kinos.

the LEAK
06
24.4.2009, 10:34


sehr sympathisches interview, toller filmemacher

Holy Moly1
03
23.4.2009, 21:19
Wenns interessiert

Die Dokus wie Workingman's Death und Megacities sind ja genial, aber die Spielfilme naja, ein bisschen zu bemüht schräg

anselm spica
01
24.4.2009, 08:54
richtig aber,

haben sie auch "das vaterspiel" gesehen ? dann müßten sie diesen aus Ihrer berechtigten Kritik an den Spielfilmen ausnehmen ....

Krtek
 
01
24.4.2009, 12:26
leider ist auch das Vaterspiel nicht wirklich gelungen...

... vieeeel zu künstlich konstruiert, der Film funktionert einfach nicht - siehe die treffenden Kritiken bei der Berlinale. Für die Diagonale hats wohl gereicht. Die Visual FX (gleiche Machart bei Vaterspiel und Contact High) sind auch eher mau.
Wen ich pers. aber von der Pauschalkritik (Glawogger muss noch lernen, gute Drehbücher zu schreiben) ausnehmen würde, ist Slumming. Ein guter Film! Sogar der unsympathler Manker ist da gut.
Und noch eins: es spürt wohl jeder, dass in Glawogger ein noch viel grösseres Potential für richtig gute Filme schlummert: raus damit!

Holy Moly1
00
24.4.2009, 10:48
Danke für den Tipp!

Werd ich mir anschauen!

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