Kindersonnenbrillen: Mode oder Sonnenschutz?

Regina Philipp
7. Mai 2009, 19:07
  • Preisklasse egal?
    foto: ap/frank augstein

    Preisklasse egal?

Die Sonnenbrille ist ein selbstverständlicher Begleiter für jeden Erwachsenen - Kinderaugen werden beim UV-Schutz noch immer vernachlässigt

Sonnenhut und Sonnencreme bekommen Kinder in der Regel beim Rausgehen im Sommer verpasst. Die Sonnenbrille im Kindergesicht ist dagegen ein seltener Anblick. Dabei reagiert das kindliche Auge besonders empfindlich auf UV-Licht.

Kleiner Exkurs in die optische Physik: Die unsichtbaren UV-Strahlen werden nach ihrer Wellenlänge in drei Kategorien unterteilt. Kurzwellige UVC-Strahlen mit Wellenlängen zwischen 100 bis 280 Nanometer (nm), UVB-Strahlen (280 bis 325 nm) und die langwelligen UVA-Strahlen, deren Wellenlängen sich zwischen 315 und 380 nm bewegen.

Die Linse im kindlichen Auge ist ein glasklares Gebilde und damit für UV-Strahlung ganz besonders durchlässig. 90% der UVA und über 50% der UVB Strahlen erreichen im ersten Lebensjahr mehr oder minder ungehindert die Netzhaut. Zwischen 10 und 13 Jahren sind es noch 60 beziehungsweise 25%. Erst mit 18-20 Jahren werden die UV-Strahlen fast vollständig von der Linse aufgehalten. Nur 1-2 % erreichen in diesem Alter die Netzhaut.

Gelbliche Pigmente in der Linse bieten dem erwachsenen Auge diesen natürlichen, wenn auch unvollständigen Schutz. Akute Sonnenlichtschäden betreffen in diesem Alter daher vorwiegend die vorderen Anteile des Auges, während im kindlichen Auge, das Gesamtpaket Hornhaut, Linse und Netzhaut unter dem UV-Licht zu leiden hat.

Die wichtigsten Sonnenschäden im Überblick:

Bei hoher Strahlungsintensität kann sich binnen weniger Minuten die Hornhaut (Photokeratitis) inklusive Bindehaut (Photokonjunktivitis) entzünden. Eine photochemische Reaktion führt zu dieser reversiblen Zerstörung der äußersten Zellen der Horn- und Bindehaut.

Eine Trübung der Augenlinse (Katarakt) entsteht erst nach langjährige Einwirkung langwelliger UVA-Strahlung, ist also keine Erkrankung im Kindesalter. Durch photochemische Reaktionen werden hier in den Linsenzellen bestimmte Eiweiße verändert. Eine Pigmentierung der Zellen ist die Folge und eine daraus resultierende irreversible Trübung der Linse.

Ein ungeschützter Blick in die Sonne kann Verbrennungen auf der Netzhaut erzeugen. Ein irreversibler Schaden, der auch zur Erblindung führen kann.

Dazu kommt noch, dass die chronische Sonneneinstrahlung das Risiko an einer altersbedingten Makuladegeneration zu erkranken erhöht.

Zurück zur Sonnenbrille

Egal ob für Erwachsene oder Kinder, eine gute Sonnenbrille muss mehrere Zwecke erfüllen: Sie soll das Auge vor UV-Belastung und Blendung schützen und sie darf schön, komfortabel und sitzfest sein. Wer glaubt, all das wird nur von einer teuren Brille gewährleistet, der irrt. Guter UV-Schutz findet sich nämlich in jeder Preiskategorie. Ein Minimum an Schutz garantiert seit 1.Juli 1995 die CE-Kennzeichnung, zu der Hersteller EU-weit verpflichtet sind. Filterkategorie, Anwendungsbereich, Art des Filters und Lichtdurchlässigkeit müssen genannt und auch eingehalten werden. Beim UV-Schutz unterscheidet die EU-Norm insgesamt fünf Klassen. Standardmäßig gilt: Sonnenbrillen sollten UV-Licht bis 400 Nanometer blockieren. Häufig sind Sonnenbrillen daher mit dem Aufkleber UV-400 versehen. Die bloße Bezeichnung UV-Schutz reicht nicht aus.

Für Kinder besonders wichtig:

Form, Material und Glasfarbe des Brillenmodells. Bestenfalls hält die Fassung einem Sitztest stand, der sich vor dem Kauf allerdings schwer kontrollieren lässt. Die Form soll gewährleisten, dass Sonnenstrahlen nicht seitlich eindringen können. Drücken oder rutschen darf die Brille ebenfalls nicht, sonst wird das Kind diese mit Sicherheit nicht lange tragen. Auf gelbe, rosa und hellblaue Brillengläser sollte man in der Nähe von Wasser besser verzichten. Diese filtern zuwenig Licht. Braune, gelb-braune oder grau gefärbte Gläser schützen am besten. (Regina Philipp, derStandard.at, 07.05.2009)

 

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Foto – der süße Blondschopf sollte besser statt Brille eine Sonnenkappe aufsetzen.

Kleinkinder haben bei absoluter Mittagshitze in der prallen Sonne nix verloren.


Sonnenhut mit Krempe
oder
Sonnenkappe reichen in unseren Breiten aus.

also, irgendwie kann ich mir nicht so recht vorstellen,

dass das menschliche - und damit auch das kindliche - auge nicht für das leben mit natürlichem licht geeignet sein soll.

Es ist wirtschaftskrise...also ohne Brillen werden wir alle sofort blind

Interessant!

Mir wurde, als ich kürzlich eine Sonnenbrille für meinen 8 Monate alten Sohn kaufen wollte, vom Optiker genau das Gegenteil erzählt:
Der meinte, dass die Pupillen sich öffnen, wenn man eine Sonnenbrille aufsetzt und dass es für Kinder keine Brillen gäbe, die vollen UV-Schutz bieten. Man müßte Gletscherbrillen für Kinder sonderanfertigen lassen, um wirklichen Schutz bei offener Pupille zu bieten.
Schlauer wäre es, dem Kind keine Sonnenbrille aufzusetzen und die natürlich Abneigung des Kindes in die Sonne zu schauen bzw. das Zusammenziehen der Pupillen wirken zu lassen - ein Instinkt der bei aufgesetzter Sonnenbrille nicht mehr funktioniert.
Vielleicht wollte der Mann auch einfach keinen Umsatz machen?

es geht auch wenig ums direkte in die sonne schauen.

auch reflektierte strahlung (schnee, meer, wasser, asphalt etc.) macht das tageslicht im sommer ja um einiges heller. auch dafür ist eine brille gut. natürlich stimmt, dass durch die verdunkelung die pupille weiter aufgeht. aber gerade deswegen brauchen sie ja den uv-schutz, damit kein uv-licht durch die geöffnete pupille durchgeht.

schauen sie einmal die pupille ihres kindes an einem normalen sonnentag (so wie jetzt gerade) an. die wird wahrscheinlich fast stecknadelgroß sein. trotzdem kommt noch einiges licht durch. meine augen zb empfinden das als unangenehm - weswegen ich mir dann eine sonnenbrille aufsetze.

Es geht darum, dass bei geeignetem Winkel trotz Brille Strahlen ungehindert in die (geweitete) Pupille fallen - was umso schädlicher sein dürfte. Deshalb müsste es sich um rundum schließende Sonnenbrillen (Gletscherbrillen) handeln.

Weiters werden Kinder die Brillen auch immer wieder in der prallen Sonne abnehmen, ohne sich auf die Umstellungsphase adäquat "einzustellen" was ebenfalls nicht unbedingt vorteilhaft für die Augen ist.

süüüüüüüüüüüüüüüß

;-)

So ein Unsinn!

Message dieses Artikels: Wenn Kinder keine Sonnenbrillen tragen werden sie blind.

Ist unsere Gesellschaft gerade dabei zu verblöden?

so ein topfen.
jedes normale kind schaut einfach nicht in die sonne.
es muss weder autofahren noch sonst irgendwelche unvermeidbaren tätigkeiten in der sonne erledigen.
ich hab mal gelesen, dass es sogar eher gefährlich ist, einem kind sonnebrillen aufzusetzen, da es die augen weiter aufmacht, als wenn es instinktiv die augen durch blinzeln schützt.
in der prallen sonne hat ein kleinkind sowieso nichts verloren.

mit deinem nickname

hast du in der prallen sonne auch nix verloren.

Wie habe ich nur meine Kindheit überlebt, ohne Helm und ohne Sonnenbrille???

ich habs überlebt ohne Sonnencreme, ohne Sonnekappe und ohne Sonnenbrille.

ich, mein grosseltern und meine eltern und keiner wurde blind

aber wie lange noch?

an cash cow1

Ihre frage bezieht sich jetzt nicht nur auf meine Kindheit.

frage:

tragen sie eine brille?

und ich trage keine Brille!

ups - bei Sonnenschein trage/brauche ich keine Brille!

....den Sack nie geöffnet!?!?;-)

weil

weniger autofahrer idioten, die sich nicht kontrollieren (handys gab es noch nicht); sonne war sanfter (ozon)

Wäre es nicht ohnehin längst an der Zeit, die Kurzen in gepanzerte, luftpolstergefederte Ganzkörperkondome zu packen? Unglaublich, daß die Menschheit bis heute überleben konnte.

das problem ist, dass die sonne leider wirklich immer agressiver wird.

an McEd

das Problem ist, dass der Mensch leider wirklich immer aggressiver wird.

danke für das rote stricherl
ich würde mir wünschen, dass sie recht haben.

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