derStandard.at-Interview

"Vertrag von Lissabon ist weder schlecht noch notwendig"

24. April 2009, 12:16
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    Demonstration gegen den Vertrag von Lisabon in Prag.

Politikwissenschaftler Berthold Rittberger über einen vieldiskutierten Vertrag, dem eigentlich zu viel Bedeutung zugemessen wird

Vor den Wahlen zum Europäischen Parlament will kaum jemand die heiße Kartoffel "Vertrag von Lissabon" anfassen. Trotzdem könnte demnächst eine folgenschwere Entscheidung fallen, die dem Vertrag den endgültigen Todesstoß versetzen könnte. Das deutsche Verfassungsgericht überprüft, ob der Vertrag mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Ist er es nicht, steht auch Deutschland, einem der wichtigsten Länder der EU, ein Referendum ins Haus. Politikwissenschafter Berthold Rittberger im derStandard.at-Interview über die Stimmungslage in Deutschland und warum das Ende des Lissabonner Vertrages noch lange nicht das Ende der EU-Integration ist.

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derStandard.at: Deutschland ist eines der Gründungsländer der EU. Trotzdem beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht nun mit dem Lissaboner-Vertrag? Tschechien verzögert den Ratifikationsprozess. Die EU-Elite schaut gespannt auf die zweite Abstimmung in Irland. Verschärft sich die Krise?

Rittberger: Die Nicht-Ratifikation des Lissaboner Vertrags ist sicher ein Ausdruck dieser viel zitierten Krise. Die Kritik an dem Vertrag lässt sich aber nicht auf einen Nenner bringen. In Deutschland wird eher eine alte Kritik laut, dass den nationalen Parlamenten zu viele Kompetenzen entzogen werden.

derStandard.at: Ist die Kritik berechtigt?

Rittberger: Streng genommen bekommt die europäischen Organe schon mehr Kompetenzen zugewiesen, die sie aber weiter mit den Mitgliedsstaaten teilen. Entschieden wird nur unter Einbeziehung der Mitgliedsstaaten und des Europäischen Parlaments, dass ja direkt gewählt wurde. Aber man könnte natürlich sagen, dass die größten Verlierer bisher die nationalen Parlamente sind. Wenn man das allerdings empirisch untersucht, wird schnell klar, dass es ein Mythos ist, dass 60 oder 70 Prozent der nationalen Gesetzgebung von EU-Ebene beeinflusst werden. In manchen Politikbereichen wie Umweltgesetzgebung oder Wettbewerb hat man schon einen starken Einfluss aus Brüssel, aber im Endeffekt kommt man nicht über 20 Prozent hinaus.

Betrachtet man das Ganze weniger von der formalistischen Seite, wird man auch feststellen können, dass die nationalen Parlamente teilweise gar kein Interesse daran haben, sich mit gesamteuropäischen Themen auseinanderzusetzen.

derStandard.at: In welchen Themenbereichen wird die EU mit dem Vertrag nun noch mehr mitreden?

Rittberger: In der dritten Säule gibt es eine Reihe von Bereichen  wie Migration oder Strafverfolgung, wo sich auf der Europäischer Ebene mehr Entscheidungskompetenzen finden. Da gab es ja schon einige Entscheidungen, zum Beispiel zum Europäischen Strafbefehl. Aber auch da hätten die nationalen Parlamente frühzeitig darauf einwirken können, haben es aber nicht getan.

derStandard.at: Wie groß schätzen Sie die Chance ein, dass das deutsche Bundesverfassungsgericht Teile des Vertrags als verfassungswidrig beurteilt?

Rittberger: Das kann man nicht wissen. Vier Verfassungsrichter haben sich allerdings in den Verhandlungen schon skeptisch geäußert. Aber selbst wenn das Gericht sagt, dass der Vertrag nicht verfassungswidrig ist, könnte es immer noch der Meinung sein, dass er in Teilen mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Das müsste dann eine Verfassungsänderung nach sich ziehen, über die dann auch mittels Referendum entschieden werden könnte. Das ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Wie man in anderen Ländern sieht, haben Referenden eigene Regeln und die Diskussionen, die dabei los getreten werden, haben oft gar nichts mit dem eigentlichen Inhalt zu tun.

derStandard.at: Auf welche EU-Stimmungslage würde so ein Referendum in Deutschland treffen?

Rittberger: EU-Themen sind auch unter den großen Parteien in Deutschland keine beliebten Themen. Die Volksparteien fürchten generell, dass es zu parteiinternen Zerreißproben kommt und halten sich hier sehr zurück. Die rechtsextremen und auch linkspopulistischen Parteien entdecken in Deutschland die EU als ein Antithema für sich. In Deutschland versucht auch die Linke in einer Antikapitalismuskampagne die EU als Mitwegbereiter des Finanzdesasters darzustellen. Darauf müssen die großen Parteien reagieren. Bei den kommenden Wahlen wird den großen Parteien sicher die Rechung dafür präsentiert, dass das bisher kaum geschehen ist.

derStandard.at: Könnte die Finanzkrise nicht auch ein Zusammenrücken in Europa bewirken, wie früher der Kalte Krieg oder die Nachkriegszeit?

Rittberger: Früher schien es im Binnenmarkt eigentlich nur Gewinner zu geben, manche Sektoren oder Länder profitieren zudem sehr stark von einzelnen Instrumenten, siehe Agrarpolitik oder Regionalförderung. Europa war auch in der öffentlichen Meinung kaum wichtig. Erst mit der Einführung des Euro und der Europäischen Integration ist die öffentliche Meinung etwas skeptischer geworden. Natürlich wäre die Wirtschaftskrise eine Gelegenheit für die Parteien, das Blameshifting wegzulassen, Farbe zu bekennen und darzulegen, dass die EU Chancen birgt, das Problem multilateral anzugehen und genau das die Rettung sein kann.

derStandard.at: Stimmt es, dass ein Nichtzustandekommen des Vertrags von Lissabon die EU handlungsunfähig machen würde?

Rittberger: Der Vertrag von Lissabon ist weder schlecht noch notwendig. Wenn er nicht zustande kommt, wird die EU nicht auseinander brechen. Anpassungen bei den Abstimmungsmodalitäten zum Beispiel wären wünschenswert, weil effizienter. Die Entscheidungsverfahren würden vereinfacht werden. Aber er wird nicht die wachsende Kluft zwischen Bevölkerung und politischer Elite zu kippen vermögen. (mhe, derStandard.at, 23.4.2009)

Zur Person: Berthold Rittberger ist ein deutscher Politikwissenschaftler an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Mannheim. Seine Dissertation Building Europe's Parliament wurde 2005 mit dem ‚Best Dissertation Prize‘ der European Union Studies Association (EUSA) ausgezeichnet. Rittberger ist Mitglied in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft.

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Posting 1 bis 25 von 61
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Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 21:04
wenn wissen und wollen auseinanderklaffen, hilft nur wischen und waschen...

wie kommt der hr. rittberger eigentlich auf seine angeblich entmythifizierten zahlen, wonach die eu nur zu 20% einflussnahme auf nationale gesetzgebung habe?

festgeschrieben steht: eu-recht gilt AUSNAHMSLOS vor nationalem recht. damit ist der rahmen vorgegeben: 100%


und diejenigen der linken, die (endlich) aufwachen und sich nicht mehr an der nase rumführen lassen, werden nun also mit dem vermerk "linkspopulistisch" abgehakt. der rest ist sowieso "rechtsradikal"...


da der artikel keinerlei konkrete information bringt, darf geschlossen werden, dass sämtliche verfügbare konkrete information dem wollen von rittberger, die eu als positiv darzustellen, zuwiderläuft. da hilft nur verwischen und verwaschen....

Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 20:54
der "doppelte rittberger"

elegant wie ein sprung auf dem eis, dreht sich hr. rittberger um die wahrheit herum.

"die kritik am vertrag lasse sich nicht auf einen nenner bringen" - vielleicht weil sie sehr vielseitig und vielschichtig ist? der gemeinsame nenner ist jedenfalls: der vertrag ist klar antidemokratisch, antisozial und militaristisch und damit rundweg abzulehnen.

das faktum, dass das europäische parlament nicht nach demokratischen maßstäben gewählt wird, scheint - weil es kaum jemand weiß - vom studierten hr. politologen als übergehbar erkannt worden zu sein. (er müsste es aber wissen)

fazit: eine neuerliche verlogene stellungnahme von einem, der vom system lebt für das er schreibt.

hellWeiss
00

Zentral für Österreicher in Europa sind die erweiterten Mitbestimmungsmöglichkeiten. Das bringt die Bürger wohl näher an die EU.

Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 20:41
"...die erweiterten mitbestimmungsmöglichkeiten..."

...die da bitte wären?

vi-de dot com
 
01
Die Politiker in Wien sind genauso weit weg wie die Politiker in Brüssel

beide handeln aufgrund von aufbereiteten Zahlen die nur bedingt etwas mit der Realität zu tun haben.

Die Idee, die nationalen Organe wären 'näher am Bürger' sind gelinde gesagt naiv ...

Mehr Macht zur EU bedeutet bessere Planung und weniger Reibungsverlust durch Gezänk zwischen den Staaten ... und vermutlich auch langfristigere und nachhaltigere Planung ...

Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 21:06

mehr macht der eu bedeutet mehr macht der eu.

die eu steht für turbokapitalismus, den sie antidemokratisch, antisozial und militaristisch durchzusetzen im begriff steht.

und wieviel hat das mit dem willen der bevölkerungen zu tun?

pepitant
00
21.11.2009, 00:13
Teilweise sehe ich das auch so, nur,

wenn ich mit österreichische oder deutsche Politik und Medien ansehe, bin ich mir nicht so sicher, ob es nicht doch wünschenswert wäre, dass diese abgehobene Clique Kompetenzen abgibt. Die machen doch auch nur Klientelpolitik und sie sind viel näher an ihren Günstlingen als Brüssel.

Stirnrunzel .
 
00
26.11.2009, 15:27

die in brüssel haben aber einen größeren aktionsradius, also mehr macht.
je zentraler, je internationaler, desto größer ihre reichweite, desto mächtiger sind diese klüngel.
daher kann ich dem kompetenztransfer nach brüssel nichts abgewinnen.

Mostbluzer
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noch nie ein Volksentscheid in brd !?

wiki: In Artikel 20 des deutschen Grundgesetzes heißt es, die Staatsgewalt werde vom Volke „in Wahlen und Abstimmungen“ ausgeübt. Die eigentlich für den Fall der Wiedervereinigung vorgesehene Abstimmung über eine neue Verfassung fand jedoch angesichts des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nicht statt.

es gab bisher kommunale und bundesländer entscheide, noch nie jedoch eine gesamtdeutsche, meines wissens nach. auch über das grundgesetz (durch beschluss von ministerpräsidenten) und eine brd verfassung (laut alliierten) wurde nie abgestimmt vom volke, obwohl dies so gewünscht war von den alliierten.
carlo schmid (googelt mal..)

pepitant
00
21.11.2009, 00:17
Wenn das von den Alliierten gewünscht war

frag ich mich, was die Kriegsverlierer diesem Wunsch entgegenzusetzen hatten.

Flavio Maffia
00
25.4.2009, 15:33

jaja das unnötige Gute...;-)

Fritz Meyer
12
25.4.2009, 07:23
Es geht auch nicht unbedingt um den Vertrag, Herr Rittberger!

Sondern vor allem darum, wie er überhaupt zustande kam, wessen Interessen im Vordergrund stehen und mit welchen Methoden er durch die Parlamente der europäischen Mitgliedsstaaten gedrückt werden sollte.

Dass da auch noch solche "Schmankerl" drinstehen, wie z.B. das "Recht auf Eigentum" und man folglich gleich mal ein "Verfassungsfeind" wäre, wenn man das anzweifelt, das fällt dem Herrn Rittberger seltsamerweise nicht dazu ein.

Klar, ernstnehmen müsste man das Machwerk erst, wenn es überhaupt ratifiziert worden wäre. Nur wäre es dann schon zu spät, gell?

Fritz Meyer.

Christoph ************
00
25.4.2009, 18:43

Aha, da ist wer gegen das Recht auf Eigentum. Das gibts aber leider auch ohne EU hier in Oesterreich. Wenn Sie das nicht so gerne haben muessen Sie wohl nach Kuba auswandern.

Emiliano Zapata
 
21
24.4.2009, 18:12
ich gkaub auch, dass der lissabon vertrag überschätzt wird

insgesamt wird sich auch im vertrag von lissabon in der eu nicht allzu viel ändern. die stimmgewichtungen werden ein wenig verschoben und das parlament bekommt ein paar rechte dazu. ansonsten bleibt eh alles beim alten.
interessant ist, warum die eu-verträge seit 10 jahren so aufregen? ok, die integration geht immer tiefer, aber ist das nicht das ziel der eu? ein eu-mitglied muss heutzutage genauso viel oder wenig souveränität an die eu abtreten, wie vor 10, 15 oder 20 jahren. daran hat sich ja kaum was geändert. und das veto-recht haben sie auch (noch). mir wär aber nicht bekannt, dass bei "ach so schlimmen" entscheidungen zb dir öst. vertreter nein gesagt hätten. auch wenn sie uns für blöd verkaufen und behaupten sie waren immer dagegen!

Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 21:11
der vertrag ist ein putsch.

durch das vereinfachte vertragsänderungsverfahren bekommen die (derzeit 27) regierungschefs zusammen mit dem kommissionspräsidenten, der ja jetzt wieder-berufen wurde, das recht, den vertrag in beinahe allen (und jedenfalls in seinen wichtigsten) teilen völlig umzuändern.

das wäre dann völlig legal. laut vertrag von lissabon.

so etwas zuzulassen betrachte ich als putsch.

Christoph ************
00
25.4.2009, 18:48

Der Vertrag ist nie eine Revolution gewesen, aber ein Schritt waere er allemal. Vor allem fuer das EP waere er von grosser Bedeutung. Da wuerden wichtige Luecken in den Kompetenzen des Parlaments geschlossen. ZB haette es dann volle Kontrolle ueber das Budget, ausnahmslos (und nicht wie jetzt nur ueber die Haelfte), alles mit Ausnahme der noch immer wenig integrierten Aussen und Verteidigungspolitik wuerde unter Mitentscheidungsrecht fallen, mit gleichberechtigtem Parlament in der Legislative. Ein diplomatisches Corps auf EU Ebene koennte das viel gescholtene ineffiziente aussenpolitische handeln auch verbessern. Zumindest waere es eine gute Basis sollte dazu irgendeinmal der Wille vorhanden sein.

Nessus
11
25.4.2009, 01:57
Wer kann das wissen?

Der Vertrag ist absolut unlesbar, es hat den Anschein, als könnten nur die Autoren dessen Konsequenzen wirklich abschätzen, und die kennt niemand. Alles, was man von Politikern hört, sind Gemeinplätze, man merkt dass sich auch die Politik nicht auskennt. Der Vertrag muss erst einmal so umgeschrieben werden, dass er verständlich ist, dann könnte man weiterreden.

Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 21:14

genau die lesbarkeit wurde von anfang an, als er noch als "verfassung" konzipiert wurde, vermieden. wie wir alle wissen, sollte eine verfassung für alle transparent, lesbar, verständlich und einsehbar sein. dass das nicht gewollt ist, haben die franzosen vorgemacht: die eu-kritiker haben damals in haushalte einen gesamttext versandt und nur die textstellen markiert, mit denen die verfassungsexperten nicht einverstanden waren.

das ergebnis war: der vertrag wurde von den franzosen abgelehnt.

das einzige gegenmittel, das der eu eingefallen ist: nie wieder abstimmen lassen.

in holland die gleiche situation.

Christoph ************
10
25.4.2009, 18:51

Der Vertrag ist absolut unlesbar, ach so? Die konsolidierte Fassung liest sich aber nicht so schlecht. Der Misthaufen, der sich oesterreichische Verfassung nennt liest sich zumindest kaum besser.

Wer es genauer wissen will, kann auch gerne auf blogs wie "grahnlaw" reinschauen. Da solls doch wirklich Leute geben, die den lesen und verstehen und themenmaessig zusammenfassen koennen.

Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 21:18

welche konsolidierte fassung meinst du?

ich kenne niemanden persönlich, der alle teile, auf die jemals im vertrag bezug genommen wird, vollständig hat. und wir (www.nfoe.at) haben uns sehr ausführlich mit dem vertrag beschäftigt.

dem österreichischen parlament lag jedenfalls am tag der ratifzierung noch KEINE konsolidierte fassung vor!

die einzige detaillierte und trotzdem verständliche erläuterung, klarerweise eine ablehnende, kommt nach wie vor von schachtschneider.

Artischoke
00
25.4.2009, 04:06
Das ist nunmal die Natur von komplexen Gesetzen. Schonmal das ABGB angeschaut?

Oder noch besser, kein bestehendes Gesetz sondern eine Novellierung in der amtlichen Veröffentlichung? Text selber für Laien unlesbar. Wie aber die Regeln va. zur Verabschiedung von Reg. und Direktiven abgeändert werden ist klar verständlich und wichtig. Und sonst...naja ein ganzes Bündel Kleinzeug, von dem recht vieles undramatisch und sinnvoll ist. Z.b. würde es für Privatpersonen oder auch NGO's einfacher werden den Europäischen Gerichtshof zu erreichen. Grundrechtscharta is ja ganz nett aber eigentlich sehr unspektakulär weil wir erstens schon die Europäische Menschenrechtskonvention haben, die alle EU-Mitglieder ratifiziert haben und andererseits in EU-Sachen schon längst äquivalente Rechte mitlaufen. Das hat mehr symbolische Bedeutung

Stirnrunzel .
 
00
17.9.2009, 21:23

die details sehen aber anders aus.

die grundrechtecharta ist z.b. für viele länder (auch deutschland) ein rückschritt, da durch die hintertür wieder straffreiheit für gewaltanwendung der obrigkeit mit todesfolge einzug hält, wovon deutschland bereits abstand genommen hatte.

theoretisch ist diese hintertür offen bis zur wiedereinführung der todesstrafe. das geht zwar jederzeit auch jetzt (theoretisch). aber die art, wie diese öffnung im vertrag feststeht, sieht irgendwie nach programm aus.

Artischoke
00
17.9.2009, 23:20

hui das is mal ein alter kommentar :)
ich denke die betonung muss man anders rum legen: es geht um mindeststandards. ging es bei menschenrechtskonventionen immer. dabei wurden auch fast immer kompromisse eingegangen, um die konsensfähigkeit des jeweiligen vertrages zu erhöhen. diese verträge werden von manchen als angemessene standards missverstanden. das ist problematisch. in diesem fall aber weniger, da die grundsrechtscharta sehr stark an die EMRK angelegt wurde, in der die gleiche hintertür meines wissens existiert. das programm lautete EMRK kopieren. nicht wirklich fortschrittlich, aber beim besten willen auch kein rückschritt.

Stirnrunzel .
 
00
19.9.2009, 00:15

tja, ich bin manchmal etwas langsam... ;-)

das war nur ein kritikpunkt unter sehr vielen. meine hauptkritik gilt der grundsätzlichen ausrichtung der eu auf neoliberalismus mit inkaufnahme von demokratieabbau, sozialer ungerechtigkeit und militarismus.

und hier hinein passte auch die umgekehrte "betonung": eine absicherung für die möglichkeit einer todesstrafe-einführung. denn ein gerüttelt maß an chaos ist bereits durch die der eu innewohnende arbeitslosenrate-steigerung zu erwarten.

Artischoke
00
19.9.2009, 16:04
Hmm, also Neoliberalismus und Steigerung der Arbeitslosenrate passen für mich nicht zusammen.

Neoliberalismus bedeutet die Erodierung von Mindestlöhnen, Pensionsregelungen etc. Das führt dazu dass einerseits Leute Jobs bzw. Zweitjobs annehmen müssen um Armut zu verringern die sie bei entsprechenden Sozialleistungen nicht annehmen würden, andererseits entstehen Jobs unter den jetzigen Mindestlöhnen die sich nun für Unternehmer auszahlen und aus oben genannten Gründen auch Nehmer finden. Aber Neoliberalismus=soziale Kälte=gesellschaftliche Spannungen oder Chaos. Und EU-Erweiterung mag mittelfristig heißen dass in den entwickelteren Ländern ein paar Arbeitsplätze verloren gehen, europaweit und zumindest langfristig auch für Österreich schafft die EU aber sicher Arbeitsplätze.

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