Unternehmen Haushalt fördern

15. März 2003, 12:53
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Frauen-Ministerin Rauch-Kallat im STANDARD- Interview für steuerliche Absetzbarkeit von Haushaltshilfen mit Kindern unter 14

Die steuerliche Absetzbarkeit von Haushaltshilfen für Familien mit Kindern unter 14 wünscht sich Ministerin Maria Rauch-Kallat. Ihr Vorschlag zu Frauenpensionen: Frauen könnten freiwillig mehr Beiträge zahlen, sagt sie zu Eva Linsinger und Martina Salomon.

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STANDARD: Haben Sie Ihr Jobziel Psychotherapie aufgegeben?

Rauch-Kallat: Ich plane das als sinnvollen Job im Alter. Jetzt kann ich Studien machen zu Konfliktmediation, praktische Übungen quasi.

STANDARD: Was ist Ihr frauenpolitisches Ziel?

Rauch-Kallat: De jure gibt es Gleichstellung, jetzt geht es um die Umsetzung - etwa um das Schließen der Einkommensschere zwischen Männern und Frauen.

STANDARD: Wie?

Rauch-Kallat: Es gibt drei Hauptprobleme: die Wahl schlechter bezahlter Jobs, Berufsunterbrechungen und langsamerer Aufstieg. Ich möchte den Wiedereinstieg fördern.

STANDARD: Die geplante Pensionsreform bestraft Frauen mehr als Männer.

Rauch-Kallat: Wir werden versuchen, Wege zu finden, dass die Einkommensschere im Alter nicht größer wird.

STANDARD: Wenn eine Frau jahrelang Teilzeit arbeitete, bekommt sie eine Minipension?

Rauch-Kallat: Wenn man wenig einzahlt, kann man nicht eine Höchstpension erwarten. Die Entscheidung muss jede Frau treffen, das ist ein Teil der Wahlfreiheit. Jede Frau kann freiwillig höhere Beiträge in die Pensionsversicherung einzahlen, damit sie später mehr Pension bekommt.

STANDARD: Aber dann wird das Erwerbseinkommen niedriger.

Rauch-Kallat: Da muss man abwägen, was einem wichtiger ist. Für Frauen, die einen gut verdienenden Mann haben, ist das eine Möglichkeit - dass sie trotz Teilzeit Pensionsbeiträge wie für Vollzeit einzahlen.

STANDARD: Was haben Sie bei der Kinderbetreuung vor?

Rauch-Kallat: Wir haben für Kinder zwischen drei und sechs Jahren genug Kindergartenplätze - aber sie müssen flexibler in den Öffnungszeiten werden. Eine echte Lücke besteht bei unter Dreijährigen.

STANDARD: Und da bitten Sie die Länder ganz lieb, etwas zu tun?

Rauch-Kallat: Jeder Bürgermeister legt Wert darauf, wiedergewählt zu werden, und da hat man ihn als Wählerin in der Hand. Druck werden wir nicht machen, aber auf die verständlichen Wünsche der Familien hinweisen.

Standard: Im Regierungsprogramm steht, dass "das Unternehmen Haushalt" gefördert werden soll. Was heißt das?

Rauch-Kallat: Dahinter versteckt sich die langjährige Forderung der ÖVP-Frauen, die leider bei allen anderen Parteien Zögern hervorruft: dass man Haushaltshilfen steuerlich absetzen kann. Das bedeutet nicht, dass ich Dienstmädchen für Reiche fördere, sondern dass ich einen real bestehenden grauen Arbeitsmarkt legalisiere.

STANDARD: Man soll die Putzfrau absetzen können?

Rauch-Kallat: Nur, wenn ein betreuungspflichtiges Kind zu Hause ist - bis etwa zum 14. Lebensjahr. Da soll eine bestimmte Summe abschreibbar sein für Kinderbetreuung oder Haushaltsarbeiten. Das hilft nicht den Reichen, sondern dem Mittelstand.

STANDARD: Sie haben vor zehn Jahren in einem STANDARD-Interview den verpflichtenden Ehevertrag gefordert, jetzt will das der Justizminister.

Rauch-Kallat: Ich habe sehr geschmunzelt, als Böhmdorfer das vorgeschlagen hat. In der Zwischenzeit gibt es schon zwei Bundesstaaten in den USA, die das Modell Rauch- Kallat übernommen haben. Ich halte es nach wie vor für vernünftig, zumindest einen Basisvertrag zu machen, den beide unterzeichnen.

STANDARD: Bleibt der Männerbeauftragte?

Rauch-Kallat: Ja, bei Herbert Haupt. Ich wollte mich im Sinne des Gendermainstreamings unbedingt auch um die Männer kümmern. Aber Haupt hat um die Abteilung gekämpft wie ein Löwe - er hat sich bei der Einführung so prügeln lassen müssen, dass er sie jetzt behalten wollte.

STANDARD: Zur Gesundheitspolitik: Warum hat die ÖVP die sofortige Abschaffung der Ambulanzgebühr verhindert?

Rauch-Kallat: Die Ambulanzgebühr ist in einem Gesamtpaket zu sehen. Sie wird bleiben, bis eine Neuregelung für die Selbstbehalte da ist. Und darüber werde ich in den nächsten Wochen intensiv mit den Krankenkassen verhandeln. 2004 könnte es ein neues System geben.

STANDARD: Ist es nicht zynisch, die neuen Selbstbehalte an die Kassen zu delegieren?

Rauch-Kallat: Es ist sogar verantwortungsvoll, dass man es dort ausarbeiten lässt, wo die Experten sitzen. Wie lange die Krankenkassen Zeit haben, das schaue ich mir noch an.

STANDARD: Wenn rote Kassenchefs nicht kuschen, werden sie gefeuert wie Sallmutter?

Rauch-Kallat: Ich will niemanden, der kuscht.

STANDARD: Aber Umfärbungen?

Rauch-Kallat: Ich wünsche mir, dass die Bestqualifizierten auf den Jobs sitzen.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.3.2003)

  • Rauch-Kallat sieht ihren Ministerinnenposten als praktische Übung für ihr Jobziel Psychotherapie
    foto: standard/cremer

    Rauch-Kallat sieht ihren Ministerinnenposten als praktische Übung für ihr Jobziel Psychotherapie

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