Bagdad antwortete mit Raketen

20. März 2003, 19:35
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Ein gezielter Schlag gegen Saddam Hussein leitete am frühen Donnerstagmorgen den Krieg der USA und ihrer Verbündeten gegen das irakische Regime ein - Mit Grafik

Bagdad/Washington - Gegen 3.30 Uhr MEZ, 90 Minuten nach dem Auslaufen des amerikanischen Ultimatums an den Irak, feuerten die US-Streitkräfte Marschflugkörper und Präzisionsbomben auf den vermuteten Aufenthaltsort Saddams in Bagdad. Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid al-Sahhaf erklärte später, Saddam habe den Angriff überlebt.

Mehrere Experten, darunter der frühere britische Verteidigungsminister Michael Portillo, sagten im US-Nachrichtensender CNN, offenbar sei die amerikanische Absicht, die irakische Führung mit einem Schlag auszuschalten und zu "enthaupten", nicht sehr erfolgreich gewesen.

Giftgasalarm

Die irakische Armee feuerte als Antwort auf den Angriff am Vormittag bis zu sechs Raketen mit konventionellem Sprengköpfen auf den Norden Kuwaits, wo rund 200.000 amerikanische und britische Soldaten stehen, sowie direkt auf Kuwait-Stadt. Nach Angaben der kuwaitischen Armee wurden zwei Raketen von amerikanischen "Patriot"-Abwehrraketen zerstört, zwei gingen in der Wüste nieder, zwei weitere dürften in Kuwait-Stadt eingeschlagen haben, ohne aber Opfer verursacht zu haben. Laut US-Angaben handelte es sich um Scud-Raketen, es könnte sich aber auch um Al-Samud-Raketen, eine Weiterentwicklung der Scud, gehandelt haben. Im US-Camp New Jersey im Nordirak wurde vorübergehend Giftgasalarm gegeben.

Saddam wandte sich drei Stunden nach Beginn des Krieges in einer Fernsehansprache an die Iraker und erklärte den "Heiligen Krieg" gegen das "amerikanisch-zionistische Bündnis". Ob es sich um eine Liveübertragung oder um eine Aufzeichnung handelte, war nicht zu erkennen. Zu Toten oder Verletzten gab es zunächst nur widersprüchliche Angaben. Laut Sahhaf wurden das Gebäude des staatlichen Satellitenfernsehens, eine Zollverwaltung und Geschäfte getroffen.

Kurz nach den ersten Luftangriffen der US-Streitkräfte erklärte US-Präsident George W. Bush in einer vierminütigen Rede an die Amerikaner: "Auf meinen Befehl hin haben die Streitkräfte der Koalition begonnen, ausgewählte Ziele von militärischem Wert anzugreifen, um Saddam Husseins Fähigkeit zu unterminieren, Krieg zu führen. Dies sind die ersten Stufen eines breit angelegten und koordinierten Feldzugs." Der Krieg gegen den Irak könne "länger und schwieriger sein, als einige voraussagen" und werde "kein halbherziger Feldzug" sein.

Briten beteiligt

Während es zunächst geheißen hatte, dass die erste Angriffswelle ohne Beteiligung Großbritanniens stattgefunden hatte, dementierte dies der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon und erklärte, britische Truppen hätten in der Nacht sehr wohl "an einer gewissen Anzahl vorbereitender Operationen" teilgenommen.

Später verlautete, dass erste amerikanische Spezialeinheiten bereits im Süden des Irak im Einsatz sein sollen. Es handle sich um Aufklärungsmissionen, berichtete der Nachrichtensender CNN aus dem Pentagon. Die Spezialeinheiten sollen den Boden für den Einmarsch der US-Bodentruppen vorbereiten. Dem werden aber ausgedehnte Bombardements aus der Luft vorausgehen.

Im Norden Kuwaits belegten US-geführte Streitkräfte am Donnerstag nach Augenzeugenberichten irakische Stellungen mit Artilleriefeuer. "Es gab fünf Minuten lang ein durchgehendes Sperrfeuer, das nach Artillerie und Granatenwerfern klang, die von Kuwait aus auf irakisches Territorium abgefeuert wurden, garantiert mehr als 50 Salven", berichtete ein Reuters-Korrespondent am Donnerstagnachmittag.

Allgemein war am Donnerstag die Situation für die Medien am Ort des Geschehens problematisch. Die US-Kommandozentrale im Golfstaat Katar erklärte, vorläufig keine Informationen über den Irak-krieg an die Medien geben zu wollen. In der Kommandozentrale sind etwa 500 Journalisten aus aller Welt akkreditiert, um über die US-Angaben über den Kriegsverlauf zu berichten. Von dem Stützpunkt in der Wüste Katars aus leitet General Tommy Franks die gesamten Kriegseinsätze. (dpa, AP, AFP, Reuters, red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2003)

Der Erfolg der Aktion blieb zunächst ungewiss. Bagdad antwortete mit Raketenangriffen auf Kuwait.
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