"Haarsträubende" Missstände bei EMTS

13. März 2003, 18:27
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KPMG-Bericht: Verdacht der Bilanzfälschung erhärtet - Private Nutzung des Firmenjets kritisiert - Hotel-Pay-TV um 100.000 Euro

Ein 400 Seiten umfassender Rohbericht der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG erhärtet den Verdacht auf Bilanzmanipulationen und zeigt "haarsträubende" Missstände beim Management des von der Pleite bedrohten Salzburger Handydienstleisters EMTS auf", berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.

Schwere Vorwürfe

Gegen EMTS-Gründer Franz Guggenberger sowie die Ex-Vorstände Marcel Eichmann und Christian Roitinger werden von KPMG-Prüfer Gert Weidinger schwere Vorwürfe wegen Umsatzmanipulationen erhoben, was diese vehement bestreiten, schreibt "Format". So soll Eichmann seinen Mitarbeitern 2001 das Schönen der Schweizer EMTS-Zahlen persönlich angeordnet haben, was E-Mails und Tonbandmitschnitte belegen würden. Zudem sollen Tochtergesellschaften viel zu teuer gekauft worden sein.

Für besondere Aufmerksamkeit hätten die enormen Spesendeputate der ehemaligen EMTS-Manager gesorgt. Die KPMG-Prüfer kritisieren laut Format etwa die als Geschäftsreise deklarierte private Nutzung des Firmenjets (monatliche Leasingrate 27.000 Euro), mit dem Guggenberger und Aufsichtsratschef Thomas Lenzinger zum Champions-League-Finale Bayer Leverkusen gegen Real Madrid nach Glasgow gejettet seien.

100.000 Euro für Pay-TV- Rechnung

Zudem hätten die KPMG-Prüfer nach Durchsicht der Spesenrechnungen heraus gefunden, dass die Vorstände in den vergangenen drei Jahren bei ihren Hotelübernachtungen auch Pay-TV-Rechnungen im Gesamtbetrag von beinahe 100.000 Euro angesammelt hatten.

Das Ergebnis der Anfang Februar eingeleiteten Sonderprüfung sei am Dienstag dieser Woche in der EMTS-Aufsichtsratssitzung präsentiert worden, so das "Format".

200 Mitarbeiter in Österreich

Wie berichtet hat EMTS im Februar die geplante Veröffentlichung der Bilanzergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr 2002 um einen Monat auf den 25. März verschoben. EMTS hat 2002 in 15 Ländern mit rund 1.600 Mitarbeitern ersten Berechnungen zufolge 127 Mio. Euro Umsatz erzielt. Für seine Tochtergesellschaften in den Niederlanden, in Frankreich und in Schweden musste EMTS Anfang März Konkurs anmelden.

Auf Österreich entfallen mit rund 16 Mio. Euro rund 14 Prozent des Umsatzes. Hier zu Lande beschäftigt EMTS rund 200 Mitarbeiter, die meisten davon in der Handyfabrik im burgenländischen Parndorf. Die restlichen Mitarbeiter sind an den EMTS-Standorten Wien, Salzburg, Linz, Innsbruck und Graz tätig. Die Verbindlichkeiten der EMTS belaufen sich auf 17,3 Mio. Euro. EMTS ist derzeit auf der Suche nach einem strategischen Partner, der auch Nokia wieder mit ins Boot holen soll. (APA)

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