Konkursverfahren über EMTS Austria eröffnet

14. März 2003, 13:12
12 Postings

Beim Salzburger Handy-Dienstleister wackeln 190 Jobs - KPMG-Bericht erhärtet Verdacht der Bilanzfälschung

Salzburg/Wien - Das Handelsgericht Wien hat heute, Freitag, das Konkursverfahren über die Österreich-Tochter des Handy-Dienstleisters EMTS eröffnet, teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) mit. Von der Insolvenz der EMTS Austria GmbH sind rund 190 Mitarbeiter betroffen.

Derzeit werde geprüft, ob Teilbereiche des Unternehmens - möglicherweise über eine Veräußerung - am Leben erhalten werden könnten oder die vollständige Liquidation der EMTS Austria vorzunehmen sei, hieß es in der Pressemitteilung. Sämtliche Mitarbeiter seien bereits beim Frühwarnsystem des AMS angemeldet worden. Die Mehrheit der Mitarbeiter ist in der Handyfabrik in Parndorf beschäftigt, der Rest in den EMTS-Standorten in Wien, Salzburg, Linz, Innsbruck und Graz.

Gläubiger-Frist läuft bis 13. Mai

Die Anmeldefrist für Gläubiger läuft laut KSV bis 13. Mai 2003, die erste Gläubigerversammlung wurde für den 27. März festgesetzt. Die Berichts- und Prüfungstagssatzung wurde für den 27. Mai anberaumt. Als Masseverwalter wurde Karl Engelhart bestimmt. Dem Masseverwalter sei auch ein Gläubigerausschuss zur Seite gestellt worden, in dem auch der KSV vertreten sei, hieß es.

Nach der Aufkündigung des Vertrags mit dem Handyhersteller Nokia, mit dem rund 60 Prozent des Umsatzes gemacht wurden, sei "eine Insolvenz nicht abzuwenden" gewesen, hatte es gestern geheißen. Der Umsatz der EMTS Austria GmbH betrug 2002 rund 18,2 Mio. Euro, etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes der EMTS-Gruppe.

Nokia hatte Anfang Februar alle Kooperationsverträge mit der EMTS in allen 11 Ländern mit Wirksamkeit Ende Juli 2003 gekündigt, da der weltgrößte Handyhersteller nach eigenen Angaben mit der Reparaturleistung von EMTS unzufrieden war. Anfang März hatte EMTS angekündigt, seine Tochtergesellschaften in den Niederlanden, Frankreich und Schweden in Konkurs schicken zu müssen, zuvor war der Rückzug aus der Schweiz und Monaco angekündigt worden. In Norwegen und Estland sieht EMTS die Lage als "sehr angespannt".

Schwere Vorwürfe Ein 400 Seiten umfassender Rohbericht der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG erhärtet den Verdacht auf Bilanzmanipulationen und zeigt "haarsträubende" Missstände beim Management des von der Pleite bedrohten Salzburger Handydienstleisters EMTS auf", berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.

Gegen EMTS-Gründer Franz Guggenberger sowie die Ex-Vorstände Marcel Eichmann und Christian Roitinger werden von KPMG-Prüfer Gert Weidinger schwere Vorwürfe wegen Umsatzmanipulationen erhoben, was diese vehement bestreiten, schreibt "Format". So soll Eichmann seinen Mitarbeitern 2001 das Schönen der Schweizer EMTS-Zahlen persönlich angeordnet haben, was E-Mails und Tonbandmitschnitte belegen würden. Zudem sollen Tochtergesellschaften viel zu teuer gekauft worden sein.

Für besondere Aufmerksamkeit hätten die enormen Spesendeputate der ehemaligen EMTS-Manager gesorgt. Die KPMG-Prüfer kritisieren laut Format etwa die als Geschäftsreise deklarierte private Nutzung des Firmenjets (monatliche Leasingrate 27.000 Euro), mit dem Guggenberger und Aufsichtsratschef Thomas Lenzinger zum Champions-League-Finale Bayer Leverkusen gegen Real Madrid nach Glasgow gejettet seien.

100.000 Euro für Pay-TV- Rechnung

Zudem hätten die KPMG-Prüfer nach Durchsicht der Spesenrechnungen heraus gefunden, dass die Vorstände in den vergangenen drei Jahren bei ihren Hotelübernachtungen auch Pay-TV-Rechnungen im Gesamtbetrag von beinahe 100.000 Euro angesammelt hatten.

Das Ergebnis der Anfang Februar eingeleiteten Sonderprüfung sei am Dienstag dieser Woche in der EMTS-Aufsichtsratssitzung präsentiert worden, so das "Format". (APA)

Link
EMTS
  • Artikelbild
    montage: derstandard.at
Share if you care.