Bittere Pille für den Bayer-Konzern

13. März 2003, 19:13
posten

Nach Todesfällen im Zusammenhang mit einem Cholesterinsenker in den USA drohen dem Pharma-Riesen Milliardenklagen - mit Infografik

Leverkusen - Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer muss eine bittere Pille verdauen. Nach Todesfällen in den USA im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay drohen milliardenschwere Haftungsklagen. Jüngste Hiobsbotschaft: Eine Aktionärsklage in den USA wegen eines möglichen Verstoßes gegen US-Börsenregeln. Die Negativmeldungen haben die Aktie seit Jahresanfang um 50 Prozent sinken lassen, gegenüber März 2002 hat sich der Kurs geviertelt.

Was dazukommt, ist die flaue Konjunktur: Im von Konzernchef Werner Wenning als "Jahr des Übergangs" bezeichneten Geschäftsjahr fiel das operative Ergebnis um 46 Prozent auf 989 Mio. Euro, nur aufgrund von Verkaufserlösen stieg der Konzerngewinn um zehn Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. Der Umsatz fiel 2002 um ein Prozent auf 29 Mrd. Euro. Für 2003 zeigt sich Bayer wieder verhalten optimistisch. Das operative Ergebnis könne voraussichtlich gesteigert werden. Voraussetzung sei aber, dass sich die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gravierend verschlechterten. Die ersten zwei Monate 2003 seien zumindest ermutigend gewesen.

Fragezeichen Lipobay

Mittlerweile liegen laut Unternehmen 8400 Lipobay-Klagen vor. Bayer habe ohne Haftungseingeständnis bisher über 500 Vergleiche geschlossen und dafür etwa 140 Mio. Dollar bezahlt, sagte Wenning. Bis jetzt waren 7800 Klagen und 450 Vergleiche bei Zahlungen von insgesamt 125 Millionen Dollar bekannt gewesen. Bayer gehe weiter davon aus, dass in den meisten Fällen kein Zusammenhang zwischen den geltend gemachten Beschwerden und Lipobay festgestellt werde. Bayer musste bei der Bilanzpressekonferenz aber erstmals einräumen, dass mögliche Schadenersatzzahlungen im Zusammenhang mit dem zurückgezogenen Medikament Lipobay die Deckung durch Versicherungen übersteigen könnten. Die Frage nach der Bildung von Rückstellungen werde immer wieder geprüft. Zur Höhe der Versicherungsdeckung für Lipobay wollte ein Bayer-Sprecher keine Angaben machen. Schulden abbauen Ungeachtet der Cholesterin-Probleme hat für den Bayer-Chef im laufenden Jahr die Verbesserung der Erträge und die Lösung der strategischen Fragen höchste Priorität. Zudem soll die im vergangenen Jahr auf 8,9 Mrd. Euro abgebaute Nettoverschuldung des Konzerns auf sieben Milliarden Euro reduziert werden.

Bayers Österreich-Tochter hat ihr Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz eines um acht Prozent auf 210,8 Mio. Euro deutlich gesunkenen Umsatzes weitgehend halten können: Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Bayer Austria sei um drei Prozent auf 5,88 Mio. Euro zurückgegangen. (DER STANDAD Print-Ausgabe, 14.3.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer leidet unter Lipobay-Trauma.

  • Anleger unter Cholesterin-Schock

(Zum Vergrößern anklicken)
    grafik: der standard

    Anleger unter Cholesterin-Schock

    (Zum Vergrößern anklicken)

Share if you care.