Frauenrechte und Krieg

29. April 2003, 14:06
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Die unfruchtbare Allianz - ein Kommentar mit Anleihen

Es ist nicht das erste Mal, dass Frauenrechte zur zweifelhaften Ehre kommen, einen Krieg gegen ein Land zu rechtfertigen. Erinnern wir uns nur an den November 2001, als die USA das von den Taliban beherrschte Afghanistan bombardierten. Wie die Situation für Frauen heute, fast eineinhalb Jahre nach dem Angriff aussieht, interessiert Medien und Politik bei weitem nicht mehr so, wie die vormalige Beschreibung der Greueltaten an Frauen.

Noorie Haqnagar, Leiterin des Gender Departments im afghanischen Frauenministerium in Kabul, konnte während ihres Wien-Aufenthalts nichts allzu erfreuliches aus Afghanistan berichten: Die Situation von Frauen außerhalb Kabuls sei unverändert schlecht. Trotz der zahlreichen Hilfsorganisationen in den Provinzen würden sich die wenigsten Frauen trauen am öffentlichen Leben teilzunehmen. Ungebrochen äußere sich die Angst vor einer instabilen Außenwelt, in der sich die Regeln für Frauen nicht entschärft haben.

Neuer Masterplan

Nach Afghanistan wollen die USA und ihre Verbündeten nun auch im Irak durchgreifen, und wieder tun sie es für die Menschenrechte: Der Sturz des Saddam-Regimes soll laut US-Angaben eine nachhaltige Stabilisierung des gesamten Nahost-Gebiets zur Folge haben. Dafür werden die USA in der "Nachkriegszeit" voraussichtlich bis zu 20 Millionen Dollar jährlich ausgeben. Immerhin gibt es das Ziel, "einen demokratischen, rechtsstaatlichen, multiethnischen Irak mit Religionsfreiheit und Frauenrechten zu errichten", wie der amerikanische Botschafter in Wien, Lyons Brown, erst kürzlich zu Protokoll gab. An dieses Szenario glauben allerdings nur Wenige, am wenigsten die Frauen, die längst begriffen haben, dass sie auch bei dieser "Befreiungsaktion" nicht zu Wort kommen werden...

Bezeichnend ist es, dass der deutsche Journalistinnen-Bund in einer aktuellen Stichprobe vom Jänner 2003 einen deutlichen Rückgang der Medienpräsenz von Frauen (sowohl als Nachrichtenmacherinnen als auch als Subjekte) innerhalb des letzten Jahres festgestellt hat. Das Frauennetzwerk macht die derzeit aktuelle (Vor-)Kriegsberichterstattung über den Irak dafür verantwortlich. Ein Genre, das klassischerweise in Männerhänden liegt.

Opferrollen gefragt

Der hohe Männeranteil an der Kriegsberichterstattung mag dazu beitragen, dass "alternative" Frauenstimmen in Kriegszeiten kaum Beachtung finden. "Gefragt sind Mütter- und Opferrollen, die die patriarchale Kriegsmaschinerie unterstützen", betonte die palästinensische Schriftstellerin und Friedensaktivistin Violet Bishara Al Raheb im Rahmen einer Pressekonferenz zum Matinee "Frauen im Krieg". Über abweichende Frauenstimmen würden allemal Frauenmedien berichten, aber auch diese richteten sich nach der Ökonomie der Aufmerksamkeit. Sprich, "der Irak ist im Moment interessanter als Afghanistan oder die Situation in Israel".

Eigene Informationskanäle

Wirklich zielführende Wege aus der Instrumentalisierung von Frauenrechten und -schicksalen in Mainstream-Zusammenhängen scheint es im Moment nicht zu geben. Auch eine wirkliche Teilhabe von Frauen an Kriegs- und Friedensentscheidungen liegt in weiter Ferne. Bleibt den Frauen also noch der Ausbau eigener Informationskanäle, die auf den Krieg im Kleinen, also die "Entmenschlichung durch Reduzierung in der Darstellung" (Violet Bishara Al Raheb) verzichten.

(kes)

Siehe

Untersuchung des deutschen Journalistinnenbundes

Link

Frauen ohne Grenzen, die Veranstalterinnen von "Frauen im Krieg"

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Frauenprotest in Teheran
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