Arbeitslosigkeit: Die Angst steigt weiter

13. März 2003, 09:02
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Arbeitsklimaindex: "Das Ergebnis kann schlicht und einfach als schockierend gewertet werden" - mit Infografik

Wien - Betroffenheit und Ratlosigkeit herrschte bei den Experten der Meinungsforschungsinstitute Ifes und Sora, die am Mittwoch vor Journalisten die Ergebnisse der jüngsten Umfrage über das Arbeitsklima und Chancen am Arbeitsmarkt in Österreich präsentierten.

"Das Ergebnis kann schlicht und einfach als schockierend gewertet werden", sagte Hubert Wipplinger, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich und Auftraggeber der Umfrage. Vor allem ältere Arbeitnehmer hätten momentan das Gefühl, "an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden". Absolute Perspektivlosigkeit sei die Folge der derzeitigen Wirtschaftskrise. "Wie soll sich in den kommenden Jahren ein Markt dynamisch entwickeln, wenn für den Großteil der aktiven Berufstätigen jede Zukunftsperspektive zur Illusion wird?", so Wipplinger weiter.

"Heißes Eisen"

Die Bundesregierung ignoriere das Ausmaß dieses Problems: Es sei weder im Regierungsprogramm noch in den Vorschauen auf die Budgets darauf Bezug genommen worden. Wipplinger sei für eine Diskussion über eine Arbeitsplatzinitiative, wie sie Arbeiterkammer und ÖGB kürzlich gefordert hatten.

Auch für die Industriellenvereinigung ist die Diskussion um die Arbeitsmarktsituation ein "heißes Eisen". So erklärte ein Sprecher der IV gegenüber dem STANDARD: "Wir machen schon seit langem die Industrie darauf aufmerksam, für ältere Mitarbeiter Programme zu entwickeln."

"Globale Kulturrevolution"

Für den Wiener Wirtschaftspsychologen und Personalberater Otmar Hill hingegen befindet sich die Arbeitswelt gerade "in einer globalen Kulturrevolution". Es fände gerade ein "dramatischer Umbruch in Europa statt": Ältere Arbeitnehmer würden immer stärker in die Selbstständigkeit gedrängt werden. "Wir sind zu wenig vorbereitet auf diese Situation und es passieren zu viele Managementfehler.

Trotzdem ist das Klima in Österreich noch nicht so schlecht wie in Deutschland", sagt Hill. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, neue Karrierebilder zu entwerfen. Außerdem fordert Hill eine "strategische Planung für das ganze Land". Der Wirtschaftspsychologe schlägt sogar eine Art "Denkfabrik" vor. Also eine Plattform, bestehend aus mindestens 80 führenden Managern und Vertretern der Politik, die sich über die Arbeitsmarktsituation des Landes Gedanken macht und ein Konzept für die nächsten zehn Jahre entwirft. "Wir sind auf die Krise nicht vorbereitet und reagieren wie beleidigte Jugendliche, aber vom Jammern alleine haben wir nichts. Wir sollten uns Ziele setzen." (Judith Grohmann, DER STANDARD, Printausgabe 13.3.2003)

  • Selbsteinschätzung der Arbeitlosen - Grafik zum Vergrößern anklicken.
    grafik: derstandard

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    Perspektivenlosigkeit in der Wirtschaftskrise.

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