Tierschützer schlagen Zicken-Alarm

12. März 2003, 21:00
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Aus Mangel an Männchen bekämpfen weibliche Saiga-Antilopen einander gegenseitig

London - Aus Mangel an Männchen bekämpfen weibliche Saiga-Antilopen einander gegenseitig und bringen damit den ohnehin bedrohten Bestand der Tiere an den Rand des Zusammenbruchs. Diese Theorie stellt ein internationales Forscherteam im britischen Fachblatt "Nature" vom Donnerstag vor.

Die Zahl der trächtigen Antilopen habe im Jahr 2001 deutlich abgenommen, wahrscheinlich deshalb, weil dominante Weibchen weniger starke Tiere von den Männchen fern hielten. Diese werden seit mehr als zehn Jahren wegen ihres begehrten Horns intensiv gejagt.

Unter Beobachtung

Seit Anfang der neunziger Jahre hatten die Wissenschafter um Eleanor Milner-Gulland vom Imperial College in London den Bestand der Saiga-Antilopen (Saiga tatarica tatarica) und insbesondere die Zahl trächtiger Weibchen in Kalmykia (Russland) beobachtet. Wegen andauernder Wilderei sei die Größe der Herden in diesem Zeitraum stetig kleiner geworden, viele bestünden zudem fast nur noch aus Weibchen.

Dennoch sei die Zahl der trächtigen Weibchen zunächst erwartungsgemäß konstant geblieben, berichten die Forscher. Da Saiga-Antilopen in Harems leben und ein einziges Männchen sehr viele weibliche Tiere befruchten kann, macht sich eine Reduzierung der Männchen nicht so schnell bemerkbar.

Selten geworden

Im Jahr 2001 sei die Zahl der trächtigen Tiere jedoch plötzlich eingebrochen. Anders als zum Beispiel in Kasachstan sei diese Abnahme nicht auf Klimaänderungen oder die abnehmende Populationsgröße als solche zurückzuführen. Die Forscher vermuten, dass dominante Weibchen in den immer größer werdenden Harems jüngere Tiere verdrängten, die dann nicht mehr befruchtet werden können. Vereinzelte konnten die Wissenschafter ein solches Verhalten bei den Weibchen beobachten. Die Zahlen seien jedoch mit einer gewissen Unsicherheit belastet, da sie sich nur auf das Jahr 2001 beziehen, räumen sie ein.

Die Saiga-Antilopen bevölkerten einst in großer Zahl die Steppen Zentralasiens. Insbesondere die Öffnung der chinesisch-russischen Grenze nach dem Zerfall der Sowjetunion führte zu einer dramatischen Reduzierung, da das Horn der männlichen Tiere in der chinesischen Medizin sehr begehrt ist. Mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft verschlimmerte sich die Lage weiter, denn nun machten auch die Steppenbewohner Jagd auf die Antilopen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Von 1998 an nahm die Zahl der Tiere jährlich um 46 Prozent ab, 2002 wurden weltweit nur noch 50.000 Individuen gezählt.

Auf der Roten Liste

Seit 2002 steht die Saiga-Antilope deshalb auf der roten Liste der IUCN, der Internationalen Union zum Schutz der Natur und der natürlichen Ressourcen. Bereits im 19. Jahrhundert war die Antilope stark bedroht. Durch strenge staatlich verfügte Jagdverbote über mehrere Jahrzehnte hinweg vermehrte sie sich jedoch wieder. (APA/dpa)

Vgl. "Nature", (Bd. 422, S. 135)
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