Muskelkater: Mikrotrauma oder Übersäuerung?

Regina Philipp
23. April 2009, 12:25
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    foto: ap/hans punz

Der Muskelkater ist keine männliche Katze, sondern eine subtile Verletzung, die folgenlos verheilt

In dieser Woche hatten vermutlich Hunderte Menschen in Österreich mit einem Muskelkater zu kämpfen. Die meisten davon standen letzten Sonntag beim Vienna City Marathon am Start. Am Montag Abend erhielten sie die Quittung für ihre regen Bemühungen am Tag davor.

Diese zeitliche Verzögerung, zeichnet den Muskelkater aus. Schmerzen, die erst 8-24 Stunden nach einer körperlichen Überlastung auftreten, zwei bis drei Tage später ihren Höhepunkt erreichen und innerhalb einer Woche wieder spurlos verschwinden. Der Muskelkater verschont niemanden lebenslang. Bevorzugt trifft er jedoch sportlich vollkommen Ungeübte und trainierte Sportler nach intensiven Belastungen wie einem Marathonlauf.

Unbewiesene Laktathypothese

Die Milchsäure ist schuld. Mit dieser Erklärung war das Thema Muskelkater auch unter Sportmedizinern jahrzehntelang abgehakt. Ohne wissenschaftliche Beweise und obwohl sich der Schluss - je höher das Laktat (Milchsäure) desto schlimmer der darauf folgende Muskelkater - als völlig haltlos erwies. Ganz im Gegenteil: Sportarten, die mit besonders hohen Laktatwerten assoziiert werden, wie dem Mittelstreckenlauf beispielsweise, gehen vergleichsweise selten mit einem Muskelkater einher. Wogegen Kraftsportler regelmäßig damit zu kämpfen haben. Deren Laktatwerte bewegen sich generell aber eher im unteren Bereich.

Nach intensiver Forschungsarbeit in den letzten 20 Jahren erfreut sich heute die Theorie des Mikrotraumas zunehmender Popularität. Hinter dem Muskelkater, der seinen Namen keiner männlichen Katze, sondern einem simplen „Katarrh" (Schleimhautentzündung) zu verdanken hat, stecken winzige Risse in den sogenannten Z-Scheiben einzelner Muskelfibrillen.

Schmerzhafte Folgereaktionen

Mit Hilfe des Elektronenmikroskops wurden diese Schäden 1983 erstmalig auch visualisiert (Friden, J., M. Sjöström und B. Ekblom. Myofibrillar damage following intense eccentic exercise in man, Int. J. Sports Med. 4, 1983, 170-176). Für Verwirrung sorgte jedoch weiterhin die erwähnte zeitliche Verzögerung, die schon mit der gängigen Milchsäurehypothese nicht in Einklang zu bringen war. Dabei war die Laktattheorie in diesem Kontext relativ leicht widerlegt, denn Laktat besitzt eine Halbwertszeit zwischen 20 und 25 Minuten; ist zum Zeitpunkt des beginnenden Muskelschmerzes also längst wieder eliminiert. 

Bei der mikrotraumatischen Hypothese erklären sich Wissenschaftler das Phänomen des verzögerten Muskelschmerzes unter anderem folgendermaßen: Schmerzrezeptoren befinden sich nicht innerhalb der Muskelzellen, sondern außerhalb im umgebenden Bindegewebe. Wie bei jeder anderen Verletzung auch, ist der Organismus bemüht den entstandenen Schaden umgehend zu reparieren. In diesem Fall werden kaputte Muskelzellen aufgelöst, Entzündungszellen wandern ein und aktivieren die vorliegende Schmerznervenendigungen. Dazu kommt: In die entstandenen Muskelrisse dringt Flüssigkeit ein, der Muskel schwillt an und der Betroffene fühlt einen Dehnungsschmerz, den er gemeinhin als Muskelkater bezeichnet.

Extremfall Marathonlauf

Das alles ist schon relativ kompliziert und doch ist die Wissenschaft aus pathophysiologischer Sicht beim Muskelkater noch längst nicht am Ende. Der deutsche Sportmediziner Dieter Böning, eine Kapazität auf dem Gebiet des Muskelkaters, hat die Stoffwechselhypothese jedenfalls nicht zu den Akten gelegt. Gerade bei Langstreckenläufen wähnt er eine seltene Form des Muskelkaters, die mit langandauernden intensiven Stoffwechselprozessen und der Erschöpfung der Energievorräte im Muskel zusammen hängt.

Muskelbiopsien nach Marathondistanzen haben in der Tat ein schweren Schaden gezeigt, sodass Experten berechtigterweise an radikale Stoffwechseleffekte denken. Ca-Ionen, Proteasen und Lipasen sind an dem Prozess beteiligt und in Bönings umfassenden Abhandlungen ist von zerstörten Zellmembranen die Rede, während die für Muskelfaserrisse typischen zerstörten Z-Scheiben bei Marathonläufern, in der Mehrzahl intakt bleiben.

Ignorieren und weitertrainieren?

Für Nichtmediziner sind solche Details vielleicht gar nicht von Interesse und Sportler sind vermutlich viel mehr an folgender Frage interessiert: Was lässt sich gegen einen Muskelkater denn eigentlich tun? Nichts, gleichgültig welche Form des Muskelkaters dem Athleten auch Schmerzen bereitet. Die Verletzung auskurieren und weitere hohe Belastungen tunlichst vermeiden.

Geduld, die sich lohnt, denn ein Muskelkater ist die Muskelkaterprophylaxe schlechthin. Vorausgesetzt: Die Abstände zwischen den einzelnen Belastungen sind nicht zu groß. (Regina Philipp, derStandard.at, 23.04.2009)

Dieter Böning: "Muskelkater" im Deutschen Ärzteblatt

 

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im kraftsport haben sie sehr hohe laktatkonzentrationen

Setzen - nicht genügend!

Gehts vielleicht auch, in echtem deutsch zu schreiben?

"Muskelbiopsien nach Marathondistanzen haben in der Tat ein schweren Schaden gezeigt "
"Nichtmediziner sind diese Detailfragen vielleicht gar nicht Interesse " ...

Wenns dir um Rechtschreibung geht

mußt du den Duden lesen. Der ist auch völlig unbelastet von zusätzlichen Informationen. Ich lese den Standard wegen den Informationen. Dankenswerter Weise ist mein Gehirn so gut ausgeprägt die Semantik aus der syntaktischen Kapselung herauszulösen. Außerdem gibts mittlerweile so viele Rechtschreibreformen, daß du für jede Schreibweise eine passende Reform dazu findest. Teutsche Gründlichkeit ist mir zuwieder.

der Informationsgehalt des artikels ist sehr gut, also was solls. Sie schreiben ja auch net in echtem deutsch.

Er oder sie ist aber auch keine Qualitätszeitung

Ein Muskelkater rührt daher, dass, wenn man einen Körperpart übermässig beansprucht, der Körper, oder, der Muskel für diese Situation nicht unbedingt geübt ist. So reissen feine Muskelhärchen, die aber neu nachwachsen und einen stärkeren Muskelstrang bilden, um eben diesen Arbeiten gewachsen sein zu können.

Der angebliche "Schmerz" kommt aus dem umliegenden Gewebe, in dem sich die Nerven befinden. Da diese nun durch das wachsen des Muskels in Ihrer Lage verschoben werden und zwangsweise "mitwachsen" müssen. Und so spürt man diesen Prozess.

ich hoffe für sie, dass das ironie sein soll.

Ich bin weder Biologe noch Mediziner, dafür Leistungssportler und aus meiner Perspektive klingt Ihre Erklärung nachvollziehbar und logisch. Ähnliches habe ich selbst vermutet, schließlich verspüre ich schon seit Ewigkeiten keinen Muskelkater mehr ...

Wie kommen Sie zu Ihrer Erkenntnis?

ohne aufs fachliche einzugehen

für diese pseudo-lustige unter-überschrift hätt's schon in der schule bestenfalls ein "befriedigend" gegeben.

Wohl nur bei A***lochprofessoren die meinen ihren eigenen Definitionen von Humor den Mitschülern auferlegen zu müssen und jede Art eigenständiger Entfaltung entgegenstehen.

Muskelkater kann man schon entgegenwirken

daher ist ja das Auslaufen nach dem Fussball nicht unwichtig

Aus persoenlicher Erfahrung weiss ich jedenfalls: Untrainiert Fussball spielen u. Auslaufen - kein/kaum Muskelkater
ohne Auslaufen aber schon

Machen sie einmal ein heftiges Sprint Training, also eine Belastung die sie nicht gewohnt sind. Da können sie Auslaufen was sie wollen, am nächsten Tag werden sie kaum gehen können.

Mikrotraumatisierung ja, aber nicht in den Schenkeln.

Bei untrainierten Leuten die 42 Kilometer am Stück über Beton laufen nur weil's hunderte andere auch tun u es halt als chick gilt beim Maraton dabei zu sein, haperts eher woanders.

Dann lauf mal als Untrainierter auch nur 20km. Das wirst du nicht schaffen.

ganz egal was man tut

lockere Bewegung, so schmerzfrei wie möglich, hilft der Durchblutung und so der schnelleren Heilung. Ganz mysterienfrei erklärt...

Nach einem Muskelkater vom zu vielen Laufen,

ist Rollerbladen ganz fein. Ist fein zum Auslockern, und die Laufmuskeln werden nicht stark beansprucht.

frau ahnungslos

ist mit ihrer milchmädchenlogik wieder mal wissenschaftlichen tatsachen auf der spur.

wie immer schlecht recherchierte halbwahrheiten!

oder wars wie milchsäurerechnung?

wissen sie es besser?

wie ist es denn nun wirklich?

andere belastungsart hilft

muskelkater nach dem laufen: am nächsten tag mit lockerem rad oder ergometertraining weitermachen. interessanterweise verschindet der muskelkater dann wieder.

Stimmt, das Wichtigste am nächsten Tag ist in Bewegung zu bleiben, am schlimmsten ist, den ganzen Tag auf einem Sessel in der Arbeit zu hocken.

am gscheitsten urlaub nehmen und ins bad schwimmen gehen, locker am radl fahren.

...

wer allerdings wirklich auf schmerzfreiheit angewiesen ist, wie zb hochgebirgssportler auf einer tour, kann auch mit einem NSAR, wie Voltaren oder niedrig dosiertem Parkemed gegensteuern - am besten noch vor der belastung in subtherapeutischer dosierung! mfg, shaman

Nein Danke,

ab dem Momemt, wo man beginnt, Medikamente zu fressen, ist der Sport nicht mehr gesund. Das sollen Profi oder Amateursportler machen wenn sie wollen, aber im Hobbysport hat das nichts verloren.

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