Discos eignen sich nicht für positive Förderaktionen - von Irene Brickner
Man muss nicht die Mann-Frau-Lohnschere in ihrer ganzen Breite mitdenken, um zu erkennen, dass Discobetreiber, die schlechtverdienende Frauen gratis in ihren Tanztempel lassen, ungerecht handeln, wenn sie gleichzeitig von Männern Eintrittsgeld verlangen. Und man muss nicht unbedingt auf den Berg Athos zurückkommen, um sich daran zu erinnern, dass es auf der Welt auch sehr viele Männerbünde gibt, die Frauen nicht mitwohnen und -partizipieren lassen wollen.
Vielmehr geht es bei den beiden jetzt bekanntgewordenen Diskriminierungsfällen von Männern durch - erstens - Ausschluss aus einem Wohnprojekt und - zweitens - Ausschluss von Disco-Eintritts-Rabatt um die Präzisierung der Frage, wie weit Gleichbehandlung in einer modernen, auf Waren- und Dienstleistungsaustausch basierenden Gesellschaft zu gehen hat. In der EU, deren Repräsentanten sich dazu bekennen, beeinflussbare Umstände, die das Wirtschaftstreiben hemmen, zu bekämpfen: Ressentiments gegen "Fremde" - wer immer unter diese Kategorie fällt - ebenso wie geschlechtsspezifische Benachteiligung: in beide Richtungen, wohlgemerkt.
Denn in der EU wird Konsum grenzenlos gedacht: Eine marktzentrierte Haltung, die sehr zu kritisieren wäre - wenn die Gleichbehandlungsgesetze nicht doch auch, unter bestimmten Bedingungen, die Möglichkeit zu positiven Förderaktionen zulassen würden. Von Frauenquoten etwa. Doch die Disco ist dazu sicher nicht der richtige Ort. (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 21.4.2009)