
Wohnungsinteressent Robert Boder vor dem Objekt "Kalypso": "Ich sehe nicht ein, warum ich hier nicht wohnen darf." Auch Verfassungsrechtler halten Frauenwohnprojekte für problematisch.
Robert Boder würde seine kleine Wohnung im Freihausviertel gern gegen eine geräumigere am Stadtrand eintauschen. "Inzwischen habe ich die Suche aber aufgegeben", sagt der Alleinerzieher, "irgendwie habe ich keine Lust mehr dazu." Vor einigen Wochen fragte Boder bei der Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA) bezüglich einer geförderten Wohnung in einer noch in Bau befindlichen Anlage in der Anton-Sattler-Gasse im 22. Bezirk an. Und bekam kurz darauf ein Schreiben, in dem man ihm mitteilte, er komme für dieses Objekt leider nicht infrage - Mietverträge würden dort ausschließlich an Frauen vergeben.
"Ich sehe nicht ein, warum ich dort nicht wohnen darf, nur weil ich das falsche Geschlecht habe", sagt Gewerkschaftsmitglied Boder, "noch dazu, wenn die GPA Bauträger ist und die Stadt das Projekt fördert." Eigene Wohnanlagen nur für Frauen - wienweit gibt es mittlerweile vier Projekte dieser Art. Wobei die Initiatorinnen stets betonen, Ziel sei nicht, Männer völlig auszuschließen, sondern vielmehr, Frauen bei der Planung miteinzubeziehen sowie bei der Mietvertragsvergabe zu bevorzugen. Schließlich würde der überwiegende Teil der Wiener Häuser von Männern gebaut und geplant, weibliche Wohnbedürfnisse kämen dabei stets zu kurz. "Das ist Diskriminierung", sagt FPÖ-Gemeinderat Herbert Madejski, "man stelle sich die Proteste vor, wenn es plötzlich eine Männersiedlung gäbe."
Zwei Projekte in Bau
Die erste Wiener "Frauen-Werk-Stadt" entstand 1997 in Floridsdorf, 2004 kam ein zweites Frauen-Wohnhaus in Favoriten hinzu. Derzeit befinden sich zwei Frauenwohnprojekte in Bau: "Kalypso" im Kabelwerk in Meidling und "Ro*sa" in der Donaustadt, beide sollen noch dieses Jahr fertiggestellt werden.
"Im Kabelwerk gibt es insgesamt rund 900 Wohnungen", sagt Ingrid Farag, Obfrau des Vereins "Frauenwohnprojekt Kalypso", "da sollte es kein Problem sein, dass 43 davon ausschließlich an Frauen vergeben werden." Drei Wohnungen sind im Kalypso-Trakt noch frei. Dass man aus Mangel an Interessentinnen möglicherweise doch noch auf männliche Mieter zurückgreifen muss, schließt Farag aus. "Ich bin sicher, dass sich noch Frauen für die freien Wohnungen finden werden."
Verfassungsrechtler: "Höchst bedenklich"
Verfassungsrechtler Bernd Christian Funk hält die gezielte Vergabe von geförderten Wohnungen an Frauen für "höchst bedenklich". Einerseits aufgrund des Gleichbehandlungsgesetzes, das die Gleichbehandlung von Frauen und Männern beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen vorschreibt (siehe "Wissen" unten). Andererseits weist Funk auf eine EU-Richtlinie aus 2004 hin, nach der die Wahl eines Vertragspartners keinesfalls von dessen Geschlecht abhängen darf.
"Wobei es nicht einmal darauf ankommt, ob das inkriminierende Merkmal überwiegt", sagt Funk: "Es reicht, wenn es bei Vertragsabschluss eine Rolle spielt." Boder hat jedenfalls bei der Gleichbehandlungskommission Beschwerde eingelegt - auch wenn er sich nicht mehr vorstellen kann, in der Ro*sa-Siedlung zu wohnen: "Ich wünsche mir für meinen Sohn ein offeneres Umfeld." (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 21.4.2009)
WISSEN:
Ausgeweitete Gleichbehandlung
Seit 1. 8. 2008 ist die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Österreich auch über den Arbeitsbereich hinaus - beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen - vorgeschrieben. Grundlage ist die Novelle einer EU-Richtlinie, die EU-weit umgesetzt werden muss.
Die Gleichbehandlungsanwaltschaft im Bundeskanzleramt, die sich seit1991 mit Mann-Frau-Fragen beschäftigt, ist seit 2004 auch gegen Diskriminierung wegen ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Alter und sexueller Orientierung aktiv. Drei Anwältinnen beraten Betroffene, drei Senate können in Einzelfällen Feststellungen treffen. Diese gelten vor Gericht aber nicht zwingend, das dortige Prozessrisiko bleibt beim Kläger. (bri/DER STANDARD-Printausgabe, 21.4.2009)
Kommentar:
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Längenstaffelungen ließe ich mir noch einreden - aber wie du zu deiner Behauptung von "die meisten" kommst, würd mich interessieren - ich hab noch keins gefunden, indem nicht für einen Frauenkurzhaarschnitt zigmal mehr gezahlt werden muss als für einen Männerkurzhaarschnitt. Für Länge muss man dann zusätzlich sowieso nochmal extra zahlen.
ist das
http://www.ichmussraus.com/
diskriminierend? oder halt einfach ein angebot für eine bestimmte gruppe am markt?
hat eine sehr liebe junge frau die zeitung mit diesem artikel gelesen, wir darauf ein paar worte darüber gewechselt, leider über nix weitres mehr. die zeit war viel zu knapp, für sie wars in linz aus mit der zugreise, für mich gings noch weiter, mit diesem hohlen gefühl im bauch, trübsal oda so, und einer zugverspätung für den restlichen weg...
desperately versuchend dem schicksal nachträglich auf die sprünge zu helfen, hier nun dieser, mein post. merkwürdig schön wenn ein artikel zu den geschlechterproblemen genau diese zu beseitigen vermag... ein aufruf also, allen frühlingspathos dieser worte zum trotz, an die allgemeinheit, nicht trennend zu denken, und vor allem an die junge frau, MIR HIER DOCH ZURÜCK ZU SCHREIBEEEEEN
(und bitte prügeln's nicht mich für den bescheuerten namen - damit hab ich nichts zu tun) -
da es weder um rassismus geht noch besondere zivilcourage für einen antrag an die gbk nötig ist => flacher ansprchpartner.
der richtige wäre die gleichbehandlungsanwaltschaft - aber für die kommt sich der betreffende wohl zu männlich vor.
interessant, dass sie diese kampfvokabel vom rechteren rand der fpö verwenden. dafür hat herr klement meiner meinung nach zu recht ordnungsrufe von frau glawischnig kassiert (und irgendwann wurde bekanntlich herr klement sogar der fpö zu steil).
die fpö hat vor kurzem übrigends eine serie von parlamentarischen anfragen zu gender-mainstreaming in allen ministerien losgelassen (an diesem gender mainstreaming sind EU und UNO schuld: "alles böse ist international").
... und auch eine sehr ausführliche anfrage zur männerabteilung, die meines wissens im herbert-haupt-ministerium eingerichtet worden war.
ein schelm, wer diesen fall von männerdiskriminierung damit in verbindung bringt ... oder die wieden mit den gudenüssen ...
http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI... 54111.html
Warum gibt es hier eigentlich kein FPÖ-Bashing? Irgendwie traurig.
Könnte mich bitte jemand darüber aufklären, was "weibliche Wohnbedürfnisse" sind?
Ein extra Schminkraum? Extra große oder gar keine Küche? Ein Bidet im Klo? Rosafarbene Wände?
Und dürfen in solchen Frauenwohnungen überhaupt Buben mit einziehen? Was ist, wenn eine Mieterin - natürlich nur durch unbefleckte Empfängnis! - einen Sohn gebiert? Wird der Mietvertrag dann gelöst?
Was ist, wenn zwar eine Frau den Mietvertrag unterschreibt, ihren Lebensgefährten dann aber als Untermieter einziehen läßt?
woher nehmen sie ihre kruden vermutungen? es geht in erster linie darum, dass frauen die hauptmieterinnen sind und nach ihren bedürfnissen die wohnungen mitplanen, also größe der wohnungseinheit, raumaufteilung etc. schätz ich mal. und. ihre männer, falls vorhanden, dürfen sie ja mitnehmen. also, wo ist das problem?
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