"Nur weil ich das falsche Geschlecht habe"

20. April 2009, 18:45
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    foto: hendrich

    Wohnungsinteressent Robert Boder vor dem Objekt "Kalypso": "Ich sehe nicht ein, warum ich hier nicht wohnen darf." Auch Verfassungsrechtler halten Frauenwohnprojekte für problematisch.

Nun beschäftigt sich auch die Gleichbehandlungskommission mit den diversen Frauenwohnformen am Wiener Stadtrand

Robert Boder würde seine kleine Wohnung im Freihausviertel gern gegen eine geräumigere am Stadtrand eintauschen. "Inzwischen habe ich die Suche aber aufgegeben", sagt der Alleinerzieher, "irgendwie habe ich keine Lust mehr dazu." Vor einigen Wochen fragte Boder bei der Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA) bezüglich einer geförderten Wohnung in einer noch in Bau befindlichen Anlage in der Anton-Sattler-Gasse im 22. Bezirk an. Und bekam kurz darauf ein Schreiben, in dem man ihm mitteilte, er komme für dieses Objekt leider nicht infrage - Mietverträge würden dort ausschließlich an Frauen vergeben.

"Ich sehe nicht ein, warum ich dort nicht wohnen darf, nur weil ich das falsche Geschlecht habe", sagt Gewerkschaftsmitglied Boder, "noch dazu, wenn die GPA Bauträger ist und die Stadt das Projekt fördert." Eigene Wohnanlagen nur für Frauen - wienweit gibt es mittlerweile vier Projekte dieser Art. Wobei die Initiatorinnen stets betonen, Ziel sei nicht, Männer völlig auszuschließen, sondern vielmehr, Frauen bei der Planung miteinzubeziehen sowie bei der Mietvertragsvergabe zu bevorzugen. Schließlich würde der überwiegende Teil der Wiener Häuser von Männern gebaut und geplant, weibliche Wohnbedürfnisse kämen dabei stets zu kurz. "Das ist Diskriminierung", sagt FPÖ-Gemeinderat Herbert Madejski, "man stelle sich die Proteste vor, wenn es plötzlich eine Männersiedlung gäbe."

Zwei Projekte in Bau

Die erste Wiener "Frauen-Werk-Stadt" entstand 1997 in Floridsdorf, 2004 kam ein zweites Frauen-Wohnhaus in Favoriten hinzu. Derzeit befinden sich zwei Frauenwohnprojekte in Bau: "Kalypso" im Kabelwerk in Meidling und "Ro*sa" in der Donaustadt, beide sollen noch dieses Jahr fertiggestellt werden.

"Im Kabelwerk gibt es insgesamt rund 900 Wohnungen", sagt Ingrid Farag, Obfrau des Vereins "Frauenwohnprojekt Kalypso", "da sollte es kein Problem sein, dass 43 davon ausschließlich an Frauen vergeben werden." Drei Wohnungen sind im Kalypso-Trakt noch frei. Dass man aus Mangel an Interessentinnen möglicherweise doch noch auf männliche Mieter zurückgreifen muss, schließt Farag aus. "Ich bin sicher, dass sich noch Frauen für die freien Wohnungen finden werden."

Verfassungsrechtler: "Höchst bedenklich"

Verfassungsrechtler Bernd Christian Funk hält die gezielte Vergabe von geförderten Wohnungen an Frauen für "höchst bedenklich". Einerseits aufgrund des Gleichbehandlungsgesetzes, das die Gleichbehandlung von Frauen und Männern beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen vorschreibt (siehe "Wissen" unten). Andererseits weist Funk auf eine EU-Richtlinie aus 2004 hin, nach der die Wahl eines Vertragspartners keinesfalls von dessen Geschlecht abhängen darf.

"Wobei es nicht einmal darauf ankommt, ob das inkriminierende Merkmal überwiegt", sagt Funk: "Es reicht, wenn es bei Vertragsabschluss eine Rolle spielt." Boder hat jedenfalls bei der Gleichbehandlungskommission Beschwerde eingelegt - auch wenn er sich nicht mehr vorstellen kann, in der Ro*sa-Siedlung zu wohnen: "Ich wünsche mir für meinen Sohn ein offeneres Umfeld." (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 21.4.2009)

WISSEN:
Ausgeweitete Gleichbehandlung

Seit 1. 8. 2008 ist die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Österreich auch über den Arbeitsbereich hinaus - beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen - vorgeschrieben. Grundlage ist die Novelle einer EU-Richtlinie, die EU-weit umgesetzt werden muss.

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft im Bundeskanzleramt, die sich seit1991 mit Mann-Frau-Fragen beschäftigt, ist seit 2004 auch gegen Diskriminierung wegen ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Alter und sexueller Orientierung aktiv. Drei Anwältinnen beraten Betroffene, drei Senate können in Einzelfällen Feststellungen treffen. Diese gelten vor Gericht aber nicht zwingend, das dortige Prozessrisiko bleibt beim Kläger. (bri/DER STANDARD-Printausgabe, 21.4.2009)

Kommentar:

Konsequent gleichgestellt - von Irene Brickner

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mstislav raskachlovitsch
02
ich will ja nicht stänkern....

...aber ich hatte immer schon den Eindruck, dass das sogenannte "gendering" eine ausschließliche pro-Frauen-Geschichte ist und mit Gleichbehandlung nicht wirklich was am Hut hat......

eze eze
 
04
25.4.2009, 13:47

Angeblich gibts ja schon Urteile bezüglich des eklatanten Frauenaufschlags bei Friseuren - trotzdem steht da immer noch auf so gut wie jedem Friseurgeschäft ein zigfach höherer Preis bei den Damenhaarschnitten. Warum kann das nicht wirklich unterbunden werden? Was nützt den Frauen ein theoretisches Urteil, wenn man dann in der Praxis zuschaut, wie 100% aller Friseurgeschäfte es weiter missachten?

Severin Luftensteiner
00

dann zeigen sie's halt an. sie werden dann feststellen, dass die meisten friseure auf längenstaffelungen umgestellt haben, welche für männer und frauen gleich sind. nachdem frauen aber durchschnittlich längere haare tragen zahlen sie dann auch mehr

eze eze
 
00

Außerdem wozu anzeigen, wenn es eh nichts nützt? Es gab ja schon mehrere Urteile - konsequenterweise müsste man sich dann auch drum kümmern, dass das in der Praxis auch eingehalten und nicht völlig ungeniert missachtet wird.

eze eze
 
00

Längenstaffelungen ließe ich mir noch einreden - aber wie du zu deiner Behauptung von "die meisten" kommst, würd mich interessieren - ich hab noch keins gefunden, indem nicht für einen Frauenkurzhaarschnitt zigmal mehr gezahlt werden muss als für einen Männerkurzhaarschnitt. Für Länge muss man dann zusätzlich sowieso nochmal extra zahlen.

Netter Chef
10
Aber Männer dürfen sich trotzdem die Haare schneiden lassen?

Ordovicium
 
12
24.4.2009, 09:10
Als Single

würde ich auch gerne dort wohnen. Das ist so als wäre man der einzige Mann in einer Mädchenschule.
Das Paradies auf Erden.
Herr Boder: Nur nicht aufgeben!

cheap thrills
01
23.4.2009, 14:28
special offer: "männerzimmer"

ist das

http://www.ichmussraus.com/

diskriminierend? oder halt einfach ein angebot für eine bestimmte gruppe am markt?

Parkaboy
00
12.5.2009, 16:19
Ich war der einzige Bub in einer Mädchenklasse

Und glaub mir, so toll war das nicht.

Netter Chef
00
24.4.2009, 07:10
Für 60 Euro am Tag?

Zahlt das auch die öffentliche Hand? Werden Frauen dort Abgewiesen wenn sie dort ein Zimmer nehmen wollen?

peppr
 
53
22.4.2009, 21:54
gestern im zug nach linz...

hat eine sehr liebe junge frau die zeitung mit diesem artikel gelesen, wir darauf ein paar worte darüber gewechselt, leider über nix weitres mehr. die zeit war viel zu knapp, für sie wars in linz aus mit der zugreise, für mich gings noch weiter, mit diesem hohlen gefühl im bauch, trübsal oda so, und einer zugverspätung für den restlichen weg...
desperately versuchend dem schicksal nachträglich auf die sprünge zu helfen, hier nun dieser, mein post. merkwürdig schön wenn ein artikel zu den geschlechterproblemen genau diese zu beseitigen vermag... ein aufruf also, allen frühlingspathos dieser worte zum trotz, an die allgemeinheit, nicht trennend zu denken, und vor allem an die junge frau, MIR HIER DOCH ZURÜCK ZU SCHREIBEEEEEN

eze eze
 
00
27.4.2009, 17:58

Viel Glück auch von mir! :-) Es wäre wohl zielführend, auch deine Visitenkarte mit einer E-Mailadresse, unter der sie dich kontaktieren kann, zu veröffentlichen.

markus grabner
00
24.4.2009, 11:06
ich wünsch dir

viel erfolg. ehrlich, ohne den leisesten anflug von ironie.

Francois21
 
00
23.4.2009, 10:30

viel glück ;)
aber wieso fragst nicht nach namen/nummer?!?

Baerald
47
22.4.2009, 13:48
...was sagt ZARA eigentlich dazu?!

g'stieß
05
23.4.2009, 13:19
hm ZARA=akronym für "zivilcourage und antirassismus-arbeit"

(und bitte prügeln's nicht mich für den bescheuerten namen - damit hab ich nichts zu tun) -

da es weder um rassismus geht noch besondere zivilcourage für einen antrag an die gbk nötig ist => flacher ansprchpartner.

der richtige wäre die gleichbehandlungsanwaltschaft - aber für die kommt sich der betreffende wohl zu männlich vor.

Baerald
01
23.4.2009, 15:26
Aha - also unter "Zivilcourage" würde ich es

sehr wohl subsumieren, wenn man sich gegen diese "Gender-Wahnsinnige" Steuergeldverschwendung auflehnt.
Und rassistisch - najo?!

cheap thrills
01
23.4.2009, 17:17
à propos "genderwahnsinn":

interessant, dass sie diese kampfvokabel vom rechteren rand der fpö verwenden. dafür hat herr klement meiner meinung nach zu recht ordnungsrufe von frau glawischnig kassiert (und irgendwann wurde bekanntlich herr klement sogar der fpö zu steil).

die fpö hat vor kurzem übrigends eine serie von parlamentarischen anfragen zu gender-mainstreaming in allen ministerien losgelassen (an diesem gender mainstreaming sind EU und UNO schuld: "alles böse ist international").

... und auch eine sehr ausführliche anfrage zur männerabteilung, die meines wissens im herbert-haupt-ministerium eingerichtet worden war.

ein schelm, wer diesen fall von männerdiskriminierung damit in verbindung bringt ... oder die wieden mit den gudenüssen ...

Netter Chef
00
23.4.2009, 18:32
Nau bumm, die ist lang - aber köstlich

http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI... 54111.html

Warum gibt es hier eigentlich kein FPÖ-Bashing? Irgendwie traurig.

Baerald
00
23.4.2009, 18:18
Naja, Wahnsinn bleibt Wahnsinn -

auch wenn´s von Rechts(aussen) genauso gesehen wird.

Netter Chef
510
22.4.2009, 19:43
Da es sich um einen weißen heterosexuellen Mann der noch dazu Alleinerzieher ist wird das denen egal sein.

Baerald
00
23.4.2009, 15:26
Rasissten aber auch, diese ZARAs!

Netter Chef
00
23.4.2009, 18:30
Wohl mehr Sexistinnen und Sexisten

1975er Querdenkerin
76
22.4.2009, 12:44

Könnte mich bitte jemand darüber aufklären, was "weibliche Wohnbedürfnisse" sind?
Ein extra Schminkraum? Extra große oder gar keine Küche? Ein Bidet im Klo? Rosafarbene Wände?

Und dürfen in solchen Frauenwohnungen überhaupt Buben mit einziehen? Was ist, wenn eine Mieterin - natürlich nur durch unbefleckte Empfängnis! - einen Sohn gebiert? Wird der Mietvertrag dann gelöst?
Was ist, wenn zwar eine Frau den Mietvertrag unterschreibt, ihren Lebensgefährten dann aber als Untermieter einziehen läßt?

doradora
22
22.4.2009, 23:08

woher nehmen sie ihre kruden vermutungen? es geht in erster linie darum, dass frauen die hauptmieterinnen sind und nach ihren bedürfnissen die wohnungen mitplanen, also größe der wohnungseinheit, raumaufteilung etc. schätz ich mal. und. ihre männer, falls vorhanden, dürfen sie ja mitnehmen. also, wo ist das problem?

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