"Wenigstens wird der Patient nicht mehr kränker"

20. April 2009, 14:45
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Das südpolare Ozon-Loch ist nicht mehr gewachsen - bis zur Erholung der Ozonschicht dauert es aber noch ein halbes Jahrhundert

Wien - Die gute Nachricht: Die Situation um das Ozon-Loch am Südpol hat sich stabilisiert. Die schlechte Nachricht: Die völlige Erholung der schützenden Ozon-Hülle in der Stratosphäre wird noch Jahrzehnte dauern. Das berichtete am Montag David Hofmann von der US-Klimabehörde NOAA bei der noch bis Freitag in Wien laufenden Generalversammlung der European Geoscience Union (EGU).

Anzeichen auf eine Verbesserung gibt es noch nicht, schränkte der Wissenschafter ein. Das Ozon-Loch über dem Südpol tut sich nach wie vor alljährlich im antarktischen Sommer auf. "Wenigstens wird der Patient nicht mehr kränker", sagte Hofmann. Daran ändert auch das Rekord-Jahr 2006 nichts, als das Ozon-Loch den Rekord-Wert von knapp 28 Millionen Quadratkilometern erreichte.

Verbot zeigte Wirkung

Etwa seit dem Jahr 2000 hat sich nach den Berechnungen der Wissenschafter die Situation trotz aller Wetter-bedingten Schwankungen stabilisiert. Für Hofmann ist die erfreuliche Entwicklung das Ergebnis des Verbots von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die bis 1987 etwa als Kältemittel in Kühlschränken eingesetzt wurden. Tatsächlich messen die Experten in der Stratosphäre stagnierende Gehalte an Ozon-schädigenden Chlor-Verbindungen, sie sind laut Hofmann sogar bereits leicht rückläufig.

Dennoch wird es noch lange dauern, bis die Wunden im UV-Schutz über der Antarktis und darüber hinaus abgeheilt sind. Die NOAA-Forscher gehen davon aus, dass sich in den kommenden zehn bis 20 Jahren eine Trendumkehr einstellt, also dass der alljährliche Abbau von stratosphärischem Ozon in der Stratosphäre über dem Südpol tendenziell zurückgeht. Eine totale Erholung, also die Wiederherstellung des Zustands vor den 1980er Jahren, werde allerdings erst in 55 bis 60 Jahren eintreten. Bis dahin können je nach Witterung auch immer wieder größere Ozon-Löcher entstehen. (APA)

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