Demenzerkrankung ist Pflegegrund Nummer eins

  • 100.000 Menschen leiden in Österreich derzeit an Demenz
    foto: apa/dpa/jens büttner

    100.000 Menschen leiden in Österreich derzeit an Demenz

24.000 Neuerkrankungen pro Jahr - Enorme Belastung für Angehörige, da 80 Prozent der Erkrankten von Hause betreut werden

Wien - Demenzerkrankungen sind in Österreich Pflegegrund Nummer eins. Ab dem Alter von etwa 75 Jahren nimmt die Zahl der Erkrankungen stark zu. "De facto kann sich kein Demenzkranker alleine helfen", machte Othmar Karas, Präsident des Hilfswerk Österreich bei einer Pressekonferenz am Montag auf das Problem aufmerksam. Für fast 90 Prozent der Erkrankten mit leichter Demenz ist es unmöglich Lebensmittel einzukaufen, knapp 74 Prozent mit mittlerer Ausprägung können sich außerhalb der Wohnung nicht allein zurechtfinden, bei einer leichten Form betrifft das jeden Vierten.

Jährlich 24.000 Neurerkrankungen

100.000 Menschen leiden in Österreich derzeit an Demenz, sagte Georg Psota, leitender Oberarzt vom Zentrum für Alterspsychiatrie der Psychosozialen Dienste (PSD) in Wien. Jährlich kommen etwa 24.000 Neuerkrankungen dazu. Alzheimer ist darunter die häufigste und wesentlichste Erkrankungsform. Rund 80 Prozent der Erkrankten werden zu Hause betreut, was auch eine enorme Belastung für die Angehörigen bedeutet, so Karas.

In der Öffentlichkeit ist das Thema nach wie vor ein großes Tabu, erklärte Monika Gugerell vom Hilfswerk. Es brauche daher eine erhebliche Verbesserung des Informationsstandes in der Bevölkerung und eine forcierte Enttabuisierung des Themas.

Pilotprojekt bei Demenzverdacht

Das Hilfswerk hat derzeit ein Pilotprojekt laufen, indem das Betreuungspersonal Erhebungen im Falle des Demenzverdachtes durchführt und mit Fachärzten zusammenarbeitet. Erste Ergebnisse aus der Pilotphase hätten gezeigt, dass sich "bei 85 Prozent der Patienten mit Demenzverdacht, tatsächlich die Krankheit bestätigt hat", sagte Gugerell. Ein Drittel der pflegenden Angehörigen wolle aber gar nicht wissen, dass der Angehörige dement ist, erzählte sie. Betroffene kennen Therapieformen nicht und wissen oft gar nicht, dass es auch Medikamente gibt.

Mit modernen Antidementiva können Krankheitssymptome wie Reizbarkeit, Depression, Apathie, Ängstlichkeit oder nächtliches Umherirren gesenkt werden. Allerdings wird mit der Behandlung erst viel zu spät begonnen. Eine frühere Diagnose wäre wichtig, meinte Psota. "Nur 15 bis 20 Prozent der Demenzkranken werden als dement erkannt", sagte er. (APA)

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