Dieses Buch sollte wirklich jeder gelesen haben, der sich auch nur ein bisschen für Lateinamerika interessiert. Es eröffnet dem Leser einige sehr interessante Zusammenhänge, auch wenn Galeano es sich mitunter etwas einfach macht und die Schuld an allem, was in LA seit Jahrhunderten schief läuft, pauschal und ohne Abstriche den Kolonialherren und in späterer Folge den westlichen Industrienationen zuschiebt. Hie und da etwas vor der eigenen Haustür zu kehren hätte ihm gut getan.
Aber das Manual des perfecto Idiota ist einfach schwachsinnig. Schlecht recherchiert, banal und beleidigend geschrieben. Unterste Kategorie. Ich hab nie verstanden, wie Vargas-Llosa der Alte dafür auch nur das Vorwort hergeben konnte.
Aber abgesehen vom sprachlichen Niveau, macht ein guter Schriftsteller noch lange keinen guten Politiker, wie V-L am eigenen Leib erfahren musste. Als haushohen Favorit in die Wahlen gegangen, zogen ihm die Peruaner sogar einen japanischen Einwanderer vor.
"auch wenn Galeano es sich mitunter etwas einfach macht und die Schuld an allem, was in LA seit Jahrhunderten schief läuft, pauschal und ohne Abstriche den Kolonialherren und in späterer Folge den westlichen Industrienationen zuschiebt. Hie und da etwas vor der eigenen Haustür zu kehren hätte ihm gut getan. "
Genau das ist auch meine Kritik an dem Buch. Galeanos Wehleidigkeit nach dem Motto alle anderen sind schuld, ausser den latinos selber wird übrigens von der grossen Mehrheit der latinos längst nicht mehr geteilt. Die wissen längst, dass ein Grossteil der Probleme zumindest teilweise hausgemacht ist.
Ich glaube, die von dir beschriebene Selbsterkenntnis der Latinos ist vor allem in "entwickelteren" Ländern LAs (wie AR, CL oder auch CO) vertreten, weniger jedoch in ärmeren Ländern mit niedrigem Bildungsniveau wie etwa NI (wo ich derzeit lebe).
Mildernd für Galeano gilt vielleicht der Umstand, dass das Buch eben trotz vieler allgemein und immer noch gültiger Beobachtungen doch ein Kind seiner Zeit ist. Anfang der 70er steckte z.B. die EZA noch in den Kinderschuhen und auch in den Industrienationen dominiert von dem Gedanken, dass man einfach nur Geld geben und Infrastrukturen schaffen muss, dann wird alles gut. Mittlerweile haben sowohl viele Latinos als auch wir dazugelernt und wissen, dass es so einfach nicht ist.
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