Zivilschutzübungen sollen Bevölkerung auf Vergeltungsschläge des Iran vorbereiten
London/Teheran/Tel Aviv - Das
israelische Militär trifft nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Times"
Vorbereitungen für die Option eines massiven Luftangriffes auf iranische
Atomanlagen. Zweck der Vorbereitungen sei es, das Land für einen Angriff
innerhalb weniger Tage zu rüsten, sollte die neue rechtsgerichtete Regierung von
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu eine entsprechende Entscheidung treffen,
berichtete das Blatt am Samstag unter Berufung auf nicht näher bezeichnete hohe
Militärkreise. Die "Times" lässt allerdings auch Geheimdienstkreise zu Wort
kommen, wonach ein Angriff ohne das Einverständnis der USA unwahrscheinlich sei.
Laut "Times" sollen zwei landesweite Zivilschutzübungen die Öffentlichkeit
für mögliche Vergeltungsschläge des Iran wappnen. "Israel will wissen, ob seine
Streitkräfte den Iran innerhalb von Tagen, wenn nicht Stunden angreifen können,
wenn es grünes Licht gibt. Für diese Möglichkeit werden auf jeder Ebene
Vorbereitungen getroffen. Die Botschaft an den Iran ist, dass die Drohung nicht
nur aus Worten besteht", zitierte die "Times" ihre Quelle aus dem Militär. Ein
Angriff könnte mehr als ein Dutzend Objekte zum Ziel haben.
Israels Staatspräsident Shimon Peres hatte bei einem Treffen mit dem
US-Nahostbeauftragten George Mitchell am Donnerstag für eine internationale
Zusammenarbeit in der Iran-Frage geworben. "Wir alle wollen eine Welt ohne
Atombomben. Das Problem lieg bei denen, die die Waffen besitzen und radikale
religiöse Fanatiker sind, die vor nichts haltmachen, um zu töten." Alle Berichte
über eine möglichen Angriff Israels auf den Iran seien allerdings falsch, sagte
Peres.
Ahmadinejad gelassen
Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad reagierte gelassen auf
Spekulationen über einen möglichen israelischen Luftangriff. "Angesichts der
militärischen Stärke des Iran würde sich kein Land mehr trauen, den Iran auch
nur zu bedrohen", sagte Ahmadinejad am Samstag während einer Veranstaltung zum
Tag der Armee in Teheran. Er kündigte an, das umstrittene Atomprogramm
fortzusetzen.
Israel hatte nach einem Bericht der "New York Times" Mitte vergangenen Jahres
bei einer Großübung im Mittelmeer das Auftanken von Kampfflugzeugen für einen
Luftangriff auf den Iran geprobt. Anfang Jänner sollen israelische
Kampfflugzeuge einen für militante Palästinenser im Gazastreifen bestimmten
Waffentransport im Iran angegriffen und zerstört haben. Das Angriffsziel lag mit
rund 1200 Kilometer etwa soweit von Israel entfernt wie die Atomanlagen im Iran.
Vergangene Woche hat Israel erfolgreich ein Raketenabwehrsystem getestet, mit
dem aus dem Iran abgefeuerte Raketen vor dem Einschlag in Israel in der Luft
zerstört werden sollen. (APA/dpa)