PJ Harvey & John Parish: "A Woman A Man Walked By"

19. April 2009, 16:32
  • PJ Harvey & John Parish: "A Woman A Man Walked By" (Universal 2009)
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    PJ Harvey & John Parish: "A Woman A Man Walked By" (Universal 2009)

  • Der Mann im Halbschatten und die Frau mit der Maske
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    Der Mann im Halbschatten und die Frau mit der Maske

Die bellende Bildhauerin: Mit Hammer und Meißel legt das Duo sein zweites gemeinsames Album vor

Ein Blick in das Booklet verrät: PJ Harvey hat keine Lust auf die Erbsünde. Mit spitzem Schrei lehnt sie den Apfel ab, den ihr John Parish anbietet. "I am your guardian, I am your fairy, do my will, Woof woof", pöbelt sie auf "Pig Will Not", einem Track des zweiten gemeinsamen Album "A Woman A Man Walked By" nach 13 Jahren. Musikproduzent und Musiker Parish liefert die Töne, Harvey seufzt, zetert und bellt sich durch die Lyrics. Von feingeschliffenen Meisterwerken wie "To bring you my love" (1995) oder "Is this Desire" (1998) ist das neue Werk weit entfernt. Die ausgebildete Bildhauerin erlaubt eher einen Blick in ihre Werkstatt.

Die Karrieren des britischen Duos sind seit 23 Jahren eng miteinander verbunden. Parish heuerte die damals 17-Jährige als Sängerin und Gitarristin in seiner Band Automatic Dlamini an. Seither hat er an einigen ihrer Alben mitgearbeitet, zuletzt an "White Chalk" (2007), einem stark nach innen gekehrten und untypisch klavierlastigen Werk der Musikerin, die mehr auf E-Gitarren setzt. Wer in "Dance Hall Live At Louse Point" (1996) hineingehört hat, kann erahnen, dass es damit vorbei ist. Die neue Musikergeneration, die sich unter dem Titel Weird Folk zusammenfassen lässt und zum Beispiel Devendra Banhart, Cocorosie oder Joanna Newsom meint, kann noch etwas lernen: Denn dieses Album ist "fucking weird".

Auf dem ersten Track "Black Hearted Love" zelebriert Harvey die emotionale Selbstaufgabe: "When you call out my name in rapture, I volunteer my soul for murder, I wish this moment here forever." Im dazugehörigen Video springt sie in einer quietschbunten Hüpfburg, dicke Regentropfen prasseln auf sie nieder - im Kontrast dazu die blasse Engländerin im schwarzen Satinkleid, Locken in der Farbe von Ebenholz und blutrote Fingernägel. Ein Alien beim Kindergeburtstag: Diese Stimmung hat sie vielleicht aus Kalifornien mitgebracht, wo sie einige Jahre lebte. Dort gelang ihr bislang erfolgreichstes Album "Stories from the City, Stories from the Sea" (2000), wofür sie den renommierten Mercury Music Prize erhielt, der jährlich für das beste britische Album vergeben wird. Auf California, dem Lied, das instrumental und gesanglich noch an die White Chalk Periode erinnert, fragt Harvey beinahe verwundert den sonnigen US-Staat: "How could I have believed that I could live and breathe in you?"

Brachial und fragil

Im Spieluhrrhythmus von "April" stellt die Musikerin fest: "I don't know what silence means. It could mean anything". Auf "The Soldier" bittet Harvey mit lieblicher Stimme und begleitet von einer Ukulele "Send me home damaged". Im musikalischen Kontrast dazu steht das extrovertierte "Pig Will Not" und erinnert an ein anderes musikalisches Vorbild von Harvey, Captain Beefheart. Nach eigenem Bekunden ließ sie sich jedoch von Charles Baudelaire's "The Rebel" dazu inspirieren. Der Track gleicht den Felsbrocken, die Harvey den Hörern auf ihrem Album "Uh Huh Her" (2004) hinwarf. Glatt geschmirgelt sieht anders aus. Aber ein Blick in die Werkstatt einer Meisterin ihres Handwerks kann auch reizvoll sein. (jus, derStandard.at, April 2009)

1 schlichtes Gemüt.

Ein sehr würdiger Artikel über eine Ansammlung guter Musik. Mehr davon, sowohl von derartiger Musik als auch von wenig larmoyantem Journalismus wie er hier gezeigt wird.

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