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1989 - Wie sich UserInnen erinnern

17. April 2009, 20:39
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    foto: der standard/robert newald

    Die 'ersten' Schnitte durch den sogenannten "Eisernen Vorhang" am 2.5.1989 beim Grenzübergang Nickelsdorf.

  • Artikelbild
    foto: epa/robert jaeger

    Der offizielle Akt: Am 27. Juni 1989 durchschnitt der damalige österreichische Außenminister Alois Mock mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn bei Sopron den Eisernen Vorhang.

UserInnen berichten über Erinnerungen und Gedanken zum Wendejahr 1989 und diskutieren dessen Bedeutung im Licht der Gegenwart

Aus dem Jahr 1989 - dem Jahr, das Jahr der gravierenden politischen Umbrüche in Europa - gibt es viele Geschichten. Die 1989er-Geschehnisse in Ost- und Zentraleuropa fanden buchstäblich vor unserer Haustür statt. Viele erinnern sich noch an die historischen Fernsehbilder, die politischen Diskussionen, die Aufbruchsstimmung vor Ort. 

Wie haben Sie das Wendejahr erlebt?

Berichten Sie in diesem Forum über ihre Erinnerungen und Gedanken zum Wendejahr 1989 und diskutieren sich mit anderen UserInnen dessen Bedeutung im Licht der Gegenwart.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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Kai Teubner
01
13.6.2009, 14:56
Prag`89

Hallo Zusammen,

wie könnte ich das vergessen. War in der Prager Botschaft, seit gut 3 Wochen.
Dann kam Genscher und wir raus, unseren Schrei kennt Ihr ja mittlerweile alle...
Aber danach wurde es still, denn wir erfuhren dass wir nun doch zurück in die Zone sollten, per Sondertransport!

Das war ein Schock, wir hatten keine Pässe mehr, waren staatenlos und wußten wie sie uns dafür hassten. Dann in der Nacht gingen Sie noch einmal durch den Zug diese Stasileute, sammelten restliche Pässe und Führerscheine ein
und dann rollte er nach Hof unser
"Zug des Lebens", als wir am Bahnhof eintrafen und die Treppe hochgingen standen hunderte von Menschen da und aplaudierten, umarmten uns..

Ich bin dankbar das ich dies erleben durfte

Kai

_cato
00

der mauerfall - das erste an das ich mich überhaupt erinnern kann.

alexander lukacs
00
die deutlichste Errinnerung ....

ist eindeutig der Mauerfall. Ich weiß noch genau, wie ich damals gerade mit dem Auto nach Wien gefahren bin und das über die Nachrichten kam. Zuerst habe ich da an einen Scherz geglaubt, aber wie dann die Regime eins nach dem anderen gefallen sind, hats nur noch "die auch" geheissen. Irgendwie war die Auflösung der DDR das deutlichste Ereignis. Ungarn weniger, denn Ungarn hat sich ja schon seit den frühen 80ern mehr und mehr geöffnet.

Ibsen
10
Wie schnell die Zeit vergeht...

Ich erinnere mich noch sehr scharf an die Zeiten...

Tolles Foto, wo Alois Mock und Gyula Horn bei Sopron den Eisernen Vorhang durchschnitten... das fand ich damals sehr mutig von diesen POLITIKERN und von den 2 Ländern... klingt zwar trivial, aber sie schrieben Geschichte.

Und an dem Abend sah ich zum ersten mal RAIN MAN in einem ungarischen Kino...

globetrottel
00

Das war, zu meiner Schande muss ich es gestehen, für mich zumindest in Ungarn nur ein intellektueller Triumph. Problemlos sehr regelmässig zwischen Österreich und Ungarn hin- und herzufahren, in beiden Ländern quasi zu leben, war für mich schon vorher selbstverständlich.
So richtig die Bedeutung der Geschehnisse erfasst habe ich bei der Hinrichtung Ceausescus, und bei der Belagerung des weissen Hauses in Moskau, neben der Zerschneidung des Zaunes durch Mock und Horn und dem Fall der Mauer waren das für mich die "richtigen" historischen Symbole.

kobi
00
30.4.2009, 22:49

ich wusste garnicht dass dabblju damals schon international am werken war :D

politisch verfolgt
00
30.4.2009, 16:47
ich weiß nicht mehr genau

ob es 1989 war oder ein jahr davor war, als wir (6 freunde) im sommer am plattensee waren. sind spontan hingefahren mit dem einzigen, der damals ein auto hatte. dort ging es unglaublich zu. massen von ostdeutschen, die, wie wir annahmen, offiziell auf urlaub dort waren, in wirklichkeit aber auf eine gelegenheit zur flucht bzw. den ddr-niederbruch warteten. ich weiß noch, es war wahnsinnig heiß und wir waren in einem hotel frühstücken, dessen original knallbunte ostblock-einrichtung (orange plastikteller!) heute wohl unter denkmalschutz gestellt würde. das frühstück: brot, butter, kaffee, grüne paprika. das see-ufer mit vollbeladenen trabis zugeparkt, der see irre warm und schlammig-trüb - ein tolles wochenende ;o)

pony76
01
25.4.2009, 22:07
2009 am Ende der Demokratie

Als ich heute an Václav Havels Büro vorbeiging, hat es mich eiskalt erwischt. Gestern wurde ex-KKK-Chef David Duke in Prag verhaftet, mittlerweile hat er angeblich das Land bereits wieder verlassen. Gleichzeitig marschierten radikale Nationalisten in Nordböhmen durch eine Romasiedlung. Das gleiche Spektakel auch letztes Wochenende in Ústí. Dazwischen wurde ein Haus einer Romafamilie mit Brandsätzen beworfen, ein kleines Mädchen erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen und wird es vermutlich nicht schaffen. Was die letzten Monate davor noch alles passiert ist alarmierend (Nazi-Demo im alten Prager Ghetto! etc.). Soll das als demokartisches Erbe Havels gesehen werden? Ich schäme mich.

Mario Herger
00
22.4.2009, 08:25
Das war unser Maturajahr...

...und es bleibt mir als Jahr in Erinnerung, wo man in der früh jeden Tag sozusagen fernschauen "musste", weil schon wieder ein Land sich befreit hatte. Als dann in den Abendnachrichten die Meldung von der Grenzöffnung kam, wurde ja dann live übertragen und wir bis spät in der Nacht auf. Wahnsinn...
Habe noch heute die Newsweek-Hefte aus dieser Jahr aufgehoben und um die halbe Welt mit umgezogen. Besonders berührend das Titelfoto von dem Ostdeutschen, der auf österreichischem Boden weinend seine Frau umarmt.
Und dann die ganzen Trabis, die im Konvoi auf der Westautobahn nach Deutschland fuhren. Teilweise sogar am Pannenstreifen, weil die hiesigen Autofahrer so schnell fuhren und sie kein Hindernis sein wollten.

Der elegante Herr von nebenan
 
00
23.4.2009, 07:26

Stimmt - Und die Revolution in Rumänien war mein persönlicher Favorit.

der kleine nick
00
23.4.2009, 21:55
...meiner auch!

Bin stundenlang vor FS1 gesessen und habe auf die latest News gewartet!
Konnte es erst nicht glauben, dass das allmächtige Ehepaar Ceausescu tatsächlich hingerichtet wurde!
Die dann endlosen Geschichten aus dem bettelarmen Land! ....die Waisenheime ....der Einmarsch der Bergarbeiter in Bukarest!

Freut mich, dass Ru das alles hinter sich gelassen hat!

dkn

Enduser
11
22.4.2009, 13:03
89/90

ich maturierte im Jahr 90, schrieb jedoch meine Fachbereichsarbeit im Wintersemester 89 über das Thema - "Entwicklung der Beziehungen zwischen A und Ungarn seit dem Ausgleich" - ich mußte permanent vor dem Fernseher sitzen und die meist genützte Quelle war FS1. Mein Kollege der Martin war noch härter dran, der erwischte das Thema "Wie selbstverstädnlich sind zwei deutsche Staaten".
Ein Lob an Prof. Malcik der am Puls der Zeit lag mit seiner Themenauswahl - war sehr spannend.

sag nüt
01
22.4.2009, 07:10
war 19 musste zum bundesheer

da ich die zivildienstkomission nicht bestandenhatte
wie alle meine freunde übrigens auch also sind wir mit meine froschgrünen renault nach ungarn auf der rückreise war vor der grenze ein riesen stau ..aber mit trabis ... wir wussten von nix ... bis uns der grenzbeamte aufklärte ... auf der österreichischen seite warteten wir dann bis 00 uhr bis die grenzen für DDR-bürger geöffnet wurden .. wir haben einige bis freilassing durch das helenental bis zur a1 und dann nach freilassing begleitet ... für uns war das ein riesen abbenteuer ... für die Leute glaub ich auch ...
niemand hat da richtig verstanden was los war ...
ich glau es war 7 uhr als die ersten in freilassing ankamen saumüde und gar nicht nüchtern

Tristan, der von der Isolde
102
21.4.2009, 22:48
Vor 1989 konnte man sich

seines Eigentums sicher sein - heute ist das längst nicht mehr so!

Seminole Eagle Chief
00

Na klar war das so... da haben wir noch in einem Land gewohnt, in dem Milch und Honig flossen! Dem Österreicher an sich sind ja Eigentumsdelikte völlig wesensfremd - hab ich schon immer gesagt.

Arminius
01
22.4.2009, 16:12

Und das sagt ein Brauträuber :D

Susanne_B
00
21.4.2009, 14:19

Meine Mutter ist vor dem Fernseher gesessen und hat geweint vor Freude. Viele unserer Freunde, die auch ungarische Flüchtlinge waren, waren damals ganz aufgeregt, weil sie nicht glauben konnten, dass das wirklich geschieht.

Ja und der Nachbar, der nicht einreisen durfte, weil er bei der AVO war, und sich dann doch in den Westen abgesetzt hat, der ist kurz danach zur Grenze gefahren, um zu testen, ob er jetzt endlich wieder nach Ungarn darf.

anton-aus-tyrol
 
00
21.4.2009, 11:57
Ich war damals 10 Jahre alt!

Mein Vater hat uns mitten in der Nacht aufgeweckt und uns vor den Fernseher gestzt, wo die Bilder aus Berlin liefen und gesagt: Das schaut´s Euch an, da erlebts Geschichte!

dagobert wien
43
21.4.2009, 10:41
1989

ich war damals 12 jahre alt. kann mich noch gut erinnern wie vranitzky und die gewerkschaft honecker zum zum 40. geburstag der DDR gratuliert haben. tja, wer hätte das gedacht, dass die sozialisten sich mal für ihren namen schämen sollten und sich sozialdemokraten nennen.....

was wir milliardenkredite an den ostblock vergeben haben, tja, eh wurscht, die genossen konnten so noch ein paar jahre durchhalten.....

Dein schönster Traum
01
30.4.2009, 10:01
Ist das jetzt wahr?

Vranitzky hat dem Sklavenhalter Honecker, der Millionen Menschen für seine Partei hat zwangsarbeiten lassen, gratuliert?

Pfui!

Truhe
 
00
20.4.2009, 22:53
Ich war damals 15 und habe damals direkt an der tschechischen Grenze gewohnt,

habe den eisernen Vorhang also gekannt (wengleich er bei uns hauptsächlich aus Wald bestand). Der erste Besuch in der Tschechoslowakei war dann zum Jahrestag Tschernobyls die Temelindemo in Budweis (man solls nicht glauben, damals stand das Ding noch im Rohbau und man hätt's möglicherweise tatsächlich verhindern können, aber die österreichische Politik dachte sich es wär klüger zu warten bis es fertig ist um sich mit dem Thema zu beschäftigen). Egal - was mir wirklich in Erinnerung geblieben ist war diese unglaublich positive, optimistische Stimmung und der (jugendlich naive) Glauben dass die Welt jetzt besser würde - hat leider nicht lange angehalten, war aber großartig!

anton-aus-tyrol
 
00
21.4.2009, 11:59
aber die österreichische Politik dachte sich es wär klüger zu warten bis es fertig ist um sich mit dem Thema zu beschäftigen

Na klar, in Zwentendorf habens das auch so gemacht, dann klappt das doch sicher auch im Ausland...

Truhe
 
11
20.4.2009, 22:59

Vier Jahre später, 1993 gab es in Wien die größte Demonstration der zweiten Republik - mehr als eine viertelmillion (lt. Veranstalter 350.000) Menschen versammelten sich in Wien zum "Lichtermeer" gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit - unvorstellbar heutzutage....

*space
00
21.4.2009, 10:03

Ist doch wohl eher traurig, wenn in der Freiheit solche Demonstrationen nötig sind. Dachten wir nicht, genau das gibt es dort nicht, Rassismus. usw. usf.?

Truhe
 
01
21.4.2009, 13:00

Nein das ist nicht "eher traurig". Heute bekäme man so ein Statement nicht mehr zuwege

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