Spiel-Experte: Eltern müssen sich Gewalt-Debatte immer wieder stellen

17. April 2009, 12:48

"Computerspiele ein ganz kleiner Baustein"

Das Erziehungs-Motto "Computer sind schlecht, geht lieber raus spielen!" hat seit langem ausgedient - davon ist Herbert Rosenstingl von der Bundesstelle für Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (BuPP) überzeugt. "Eltern müssen keine Fachleute für Computerspiele sein, sondern sich mit den Kindern auseinandersetzen. Was passiert in dem Spiel und warum gefällt es?", erklärte der Kinderspielexperte gegenüber der APA. Vor allem, wenn es um das Thema Gewalt gehe. "Das ist eine Wertediskussion, der sich Erziehende immer wieder stellen müssen", so Rosenstingl.

"Bei Gewalt sind Computerspiele ein ganz kleiner Baustein"

PC-Spielen ohne nähere Betrachtung die Schuld an Aggression zu geben, sei nicht richtig. Vor allem angesichts des Kontext, dass Schießspiele verpönt, Fotos mit dem fünfjährigen Sohn vor dem Panzer bei der Heeresschau aber ein beliebtes Motiv seien. "Bei Gewalt sind Computerspiele ein ganz kleiner Baustein", betonte Rosenstingl. Dieses Maß gelte für alle "gewöhnlichen" Kinder und Jugendliche. Die seltene Ausnahme seien "High Risk"-Spieler, vorbelastete Personen mit Gewalterfahrungen oder ähnlichem, die gezielt brutale Spiele suchen würden.

In "normalen" Kinderzimmern sorge meist ein gravierendes Kommunikations-Problem bzw. Defizit zwischen Eltern und Sohn bzw. Tochter für Konflikte. "Man erschießt bei 'Counterstrike' niemanden, es sieht am Bildschirm nur so aus", lautet beispielsweise Rosenstingls Überzeugung. Vielmehr gehe es bei dem Spiel um das Bedienen der Tastatur, Schnelligkeit und Konzentration - zusätzlich würden Wahrnehmung sowie Gedächtnis trainiert. "Vielen Eltern ist nicht klar, dass es eine aktive, keine passive Tätigkeit ist", so der Experte. Gerade beim Shooter "Counterstrike" lerne man auch Teamarbeit - sprich soziale Kommunikation. Dies sei wissenschaftlich belegt.

Rat

Einfaches Rezept gegen das Computerspielproblem sei die Auseinandersetzung mit dem Hobby der Kinder. "Der allerbeste Jugendschutz ist das gemeinsame Spielen", erklärte Rosenstingl. "Ein Totalverbot geht an allen sinnvollen Maßnahmen vorbei." Dadurch würde das Sitzen vor dem PC nur noch interessanter. Eltern dürften nicht vergessen, das Zocken am PC auch lehrreich sein könne. Umgang mit Misserfolg, gemeinsame Freude durch das Erreichen von Zielen, der Wert von Leistung oder die Auseinandersetzung mit der Darstellung von Krieg oder Tod werde dadurch aufgezeigt und trainiert. Wichtig sei allerdings die richtige Game-Auswahl. Für Ratsuchende hat die BuPP eine Liste mit empfohlenen Spielen erstellt - "Counterstrike" befindet sich nicht darunter. (Reuters)

 

Endless_Zockerin
00
12.7.2009, 14:23
Wieder so ein Spiel-Experte

>"Man erschießt bei 'Counterstrike' niemanden, es sieht am Bildschirm nur so aus"<
Sind ja nur Pixelmännchen -.-

>"Der allerbeste Jugendschutz ist das gemeinsame Spielen"<
Und wiesoe wird die Familienkonole Wii hier nie erwähnt?

>Für Ratsuchende hat die BuPP eine Liste mit empfohlenen Spielen erstellt - "Counterstrike" befindet sich nicht darunter.<
Und wie viele Spiele dieser Liste wurde von BuPP gezockt? Ich wette, dass kein Einziges gespielt wurde, aber hauptsache einen auf Spielekenner machen und gscheit daherreden D:

Edward NORTON
02
20.4.2009, 01:14
Die Games Rubrik ist sicher nicht der Ort in welchem eine zur Abwechslung reflektierte Berichterstattung...

...Eltern erreicht.

Ab in den Printteil damit. Warum das nicht automatisch passiert, weiß wohl nur die Redaktion und lässt Spekulationen zu, die nicht notwendig wären.

Eddie Eddison
03
17.4.2009, 19:40
Pflichtlektüre

Eigentlich sollte man diesen Artikel ja zur Pflichtlektüre für alle Eltern und Politiker machen...
Andererseits ist es traurig dass es offensichtlich nicht selbstverständlich ist dass es so oder so unumgänglich ist sich mit seinen Kindern zu beschäftigen und auseinanderzusetzen.
Man muss sich dazu nicht mit Computern auskennen, man muss sich nur Zeit nehmen.

Jürgen Mayer
00
18.4.2009, 20:47
Was ich mich schon frage ist

weshalb dieser Artikel nicht mehr (auch positive) Kommentare hervorbringt. In meiner Erinnerung wurde hier selbst an Wochenenden bei Games-Themen in denen es um Gewalt ging stets ungleich mehr gepostet

Andreas Schneider
01

je schlechter geschrieben oder kontroverser ein artikel, umso mehr postings - und umkehrschluss.

gelobt wird selten... ist bei allen themen so.

Jürgen Mayer
00

Ja leider... Sehr richtig

auti
00
18.4.2009, 20:07
das erinnert mich irgendwie

daran: http://www.landesvolksanwalt.at/informati... ndergarten

Da wird gerichtlich die frühzeitige Aufnahme in den Kindergarten erzwungen...

Tja, da sieht man die Prioritäten ...


Eine Kreatur
01
18.4.2009, 14:02
das ist zu viel verlangt von leuten ..

die keinen bezug mehr zum aktuellen technologischen und gesellschaftlichen stand haben ..

Jürgen Mayer
04
17.4.2009, 17:59
Sehr gutes Interview. Vielen Dank!

Hervorragend. Unbedingt weiter so -
"Man erschießt bei 'Counterstrike' niemanden, es sieht am Bildschirm nur so aus", ich denke, den Wahrheitsgehalt dieses Zitates sollten sich manche vergegenwärtigen - auch in Presseagenturen

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