Eisflächen schmelzen schneller und weltweit

19. April 2009, 16:12
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Versammlung der European Geosciences Union seit Sonntag in Wien - Hauptthema: Abnehmende Eisflächen

Wien - Gletscher und polare Eisflächen schmelzen immer schneller. Das gilt für die europäischen und nordamerikanischen Gletscher ebenso, wie für unzugängliche Gebiete, etwa im Himalaya - im Einzugsgebiet des Indus. Bei der am Sonntag (19. April) in Wien gestarteten Generalversammlung der European Geoscience Union (EGU) werden 8.000 Geowissenschafter und neue Daten aus der ganzen Welt erwartet, die Problematik ist einer der Schwerpunkte der Veranstaltung.

Halbierung

Die Alpengletscher gehören zu den bestuntersuchten Arealen, mit Daten, die viele Jahrzehnte zurückreichen. EGU-Wissenschafter gehen davon aus, dass die Gletscher in den Alpen zwischen 1850 und 1975 ungefähr die Hälfte ihres gesamten Volumens eingebüßt haben. Der verbliebene Gletscherbestand hat dann zwischen 1975 und 2000 um 25 Prozent abgenommen. Und alleine in laufenden Jahrzehnt sind weitere 15 bis 25 Prozent dahingeschmolzen. Die Hinweise für eine weltweit beschleunigte Abschmelzung, die regional zu einem völligen Schwund der Gletscher führen könnte, verdichten sich. Vor allem kleine bis mittelgroße Gletscher vieler Bergregionen könnten schon in den kommenden Dekaden verschwinden.

Analysen aus allen Weltgegenden

Stück für Stück tragen die verschiedenen Wissenschaftergruppen Analysen aus allen Weltgegenden zusammen, kaum ein Gletscher oder gar ein Gebiet machen bezüglich des Eisverlusts eine Ausnahme. So präsentieren niederländische Forscher bei der EGU 2009 Daten aus dem Einzugsgebiet des Indus. Dieser längste Fluss des indischen Subkontinents entwässert Teile des Himalaya. Das Team erhob Daten bezüglich der Schneebedeckung in den Jahren 1999 bis 2008. Durch einen Vergleich von Niederschlags- und Abflussraten im oberen Indus-Becken errechnete das Team dann einen durchschnittlichen jährlichen Verlust an Eis von einem Prozent und das bei "konservativer Berechnung".

Klimaexperten gehen davon aus, dass sich die Erderwärmung in größeren Höhen, also in Gebirgen, drastischer auswirkt als etwa auf Meereshöhe. Dennoch ist für die Forscher auch das Ausmaß der schwindenden Eismassen abseits der hohen Gebirge alarmierend. Nach jüngsten Veröffentlichungen haben die Eisschelfe in der kanadischen Hocharktis in diesem Jahr viel an Substanz verloren. So ist etwa das mit der westlich von Grönland gelegenen Ellesmere-Insel verbundene Eis laut EGU um fast ein Viertel zurückgegangen. Ein Eisschelf, das 50 Quadratkilometer große Markham-Shelf, ist vollständig abgebrochen und treibt jetzt im nördlichen Polarmeer.

Weltweite Versuche

Nach Auswertung jahrzehntelang aufgezeichneter Klimadaten gehen führende Wissenschafter - darunter auch der Weltklimarat (IPCC) - davon aus, dass der seit Mitte des 20. Jahrhunderts festgestellte globale Temperaturanstieg "sehr wahrscheinlich zu einem Großteil" auf die vom Menschen verursachten Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid zurückzuführen ist. Auf der EGU 2009 werden auch neueste Daten des IPCC-Ergebnisse erwartet. Weltweit laufen Versuche, wie Kohlendioxid gespeichert und so der Atmosphäre entzogen werden kann.

Der erhöhte Gehalt an Kohlendioxid wirkt sich nicht nur auf die Atmosphäre aus. Gelöst in Wasser bildet das Gas Kohlensäure, und das wirkt sich auf den Säure-Basen-Haushalt aus. Der sogenannte pH-Wert sinkt, was wiederum Auswirkungen auf die Lebewesen im Meer hat.

Die Umweltforschung hat aber nicht nur Negatives zu berichten. So hat sich die Situation des Ozonlochs über dem Südpol stabilisiert, seit den späten 1990er Jahren ist es wenigstens nicht größer geworden. Anzeichen auf eine beginnende Schließung des Ozonlochs gibt es allerdings auch keine. (APA)

 

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    foto: epa/ho
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