Die große Medikamenten-Flut

19. April 2009, 20:13

Steigende Arzneimittelausgaben sind ein Problem, attestiert eine Salzburger Studie. Besonders Problematisch: Die Vielverschreibungen

Eine wahre Geschichte: Der Patient ist 78 Jahre alt, fit, spielt gerne Karten. Seit neuestem zappelt er unruhig mit den Beinen. Das fällt seinem Sohn auf, und er schickt ihn zum Arzt. Parkinson lautet der erste Befund, den ein zweiter hinzugezogener Arzt allerdings ausschließt. Der Sohn koordiniert die Arztbesuche. Die Ursache für die zappelnden Füße bleibt auch nach weiteren Untersuchungen unbekannt, dafür haben dem Patienten die verschiedenen Ärzte fünf unterschiedliche Medikamente verschrieben, darunter ein blutdrucksenkendes Mittel, ein Schlafmittel und Psychopharmaka. Nach nur zehn Tagen ist der Mann komplett verwirrt, kann beim sonst so geliebten Kartenspiel nicht einmal mehr die Karten unterscheiden und baut geistig ab. Diagnose des Hausarztes: Demenz. Erst als der Sohn nach Rücksprache mit anderen Ärzten beginnt, die Medikamente wieder abzusetzen, normalisiert sich die Situation wieder.

Die Diagnose des engagierten Sohnes: "Das System ist krank. Es macht Menschen krank", sagt er. Wenn ein älterer Patient nicht zufällig jemanden habe, der sich die Zeit nehmen könne, genauer zu beobachten, was mit ihm passiere, und mit Ärzten redet, sei ein alter Mensch schneller als Demenzpatient in einem Pflegeheim, als man schauen könne, lautet dessen Resümee.

Dynamische Medikamentenkaskade

Polypharmakotherapie nennen Experten diese Mehrfachgaben von Medikamenten. Die Entwicklung dorthin bezeichnen sie als Medikamentenkaskaden. Die Dynamik: Ein Arzt verschreibt einem Patienten ein Medikament und in der Folge auch Medikamente gegen die Nebenwirkungen dieses ersten Medikaments, anstatt dass die Indikation und Notwendigkeit für das erste Medikament sowie mögliche Alternativen geprüft werden.

Ein Kreislauf wird in Gang gesetzt, der dazu führen kann, dass manche, vor allem ältere Patienten, bis zu zehn verschiedene Medikamente nehmen. Der Salzburger Kardiologe und Intensivmediziner Jochen Schuler hat zusammen mit anderen Wissenschaftern der Paracelsus-Universität in Salzburg und der Salzburger Landeskliniken mehr als 500 betagte Menschen genauer untersucht und nun eine in Medizinerkreisen aufsehenerregende Studie veröffentlicht. Bei der Aufnahme der Patienten im Spital betrug die mittlere Medikamentenanzahl 7,5, bei man-chen bis zu elf. Die meisten der Patienten waren pflegebedürftig und hatten schon mehrere Spitalsbesuche hinter sich. Und je mehr solcher Visiten sie in Krankenhäusern hatten, umso mehr Medikamente hatten sie - vereinfacht beschrieben - auch verordnet bekommen. Das Problem dabei laut Schuler: Bei 36,3 Prozent der Patienten wurden verzichtbare Medikamente gefunden. Bei 30,1 Prozent fanden die Ärzte Medikamente, die für ältere Menschen inadäquat sind. Fehldosierungen gab es bei satten 23,4 Prozent und potenzielle Arzneimittelinteraktionen bei 65,8 Prozent.

Chronische Gefahren

Ein Beispiel für eine solche Medikamentenkaskade ist die Cholinesterasehemmer-Anticholinergikum-Kaskade. Cholinesterasehemmer wie Donepezil, Galantamin oder Rivastigmin werden heute oft bei Demenzsymptomen verschrieben. Durch ihre Wirkung auf das autonome Nervensystem können sie eine Dranginkontinenz fördern. Gleichzeitig kann eine neu auftretende oder sich verschlechternde Inkontinenz aber auch Teil des natürlichen Verlaufs der Demenz sein. Da bleibt Platz für ärztliche Missverständnisse, wenn die Harnwegssymptomatik nicht als Arzneimittelnebenwirkung erkannt wird: Die Inkontinenz wird mit einem Anticholinergikum behandelt, anstatt dass die Dosis des Cholinesterasehemmers reduziert oder dieser ganz abgesetzt wird. Diese Kombinationsbehandlung kann zudem noch den erwünschten Effekt des Cholinesterasehemmers teilweise oder ganz zunichte machen.

"Die Tendenz zur Vielverschreibung nimmt generell zu", sagt Studienautor Schuler. Die Gründe sind für ihn vielfältig. Zum einen sei die steigende Lebenserwartung daran schuld, weil das auch zur Zunahme chronischer Erkrankungen führe. "Gleichzeitig ändert sich der Umgang zwischen Arzt und Patient. Ärzte glauben, dass Patienten die Erwartung haben, Medikamente verordnet zu bekommen. Teilweise stimmt das auch. Parallel werden Ärzte von der Pharmaindustrie bombardiert." Das alles führe zu einem komplexen Wechselspiel, ist Schuler überzeugt.

Schlechte Verschreibungsqualität oder Strukturmängel?

Für den Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger, liegt die Lösung vor allem bei den Ärzten. Die Salzburger Studie zeige, dass es nicht nur um die nicht vorhandene Gesamtschau gehe, sondern dass vor allem die Verschreibungsqualität des verschreibenden Arztes nicht ausreichend sei. "Wer soll denn sonst dafür verantwortlich sein, wenn eklatant fehldosierte Medikamente verschrieben werden oder Medikamente, die unzweckmäßig sind oder Medikamente, die für ältere Patienten nicht adäquat sind? Bei diesen Qualitätsmängeln geht es direkt um die fachliche Qualifikation des Arztes", ärgert sich Bachinger. Christoph Reisner, Präsident der Niederösterreichischen Ärztekammer, sieht das Problem nicht bei den Ärzten selbst, sondern in den Strukturen. "In vielen Fällen gibt es für die Verschreiber keinen Zugang zu Information, welche Medikamente der Patient schon bekommen hat", kommentiert er die Salzburger Studie.
Lösungsansätze

Tagtäglich könnten speziell Hausärzte beobachten, wie ein- und derselbe Wirkstoff mehrfach verschrieben werde. Ambulanz-ärzte hätten oft nicht die Möglichkeit, die aktuelle Medikamentenliste der Patienten genau zu erforschen und ihre Schlüsse zu ziehen. Heinrich Burggasser, Präsident der Apothekerkammer, will deshalb rasch den in Salzburg bereits erprobten Arzneimittelsicherheitsgurt umsetzen, um solche Entwicklungen zu verhindern. Dabei sehen Apotheker, aber auch Ärzte über die E-Card, welche Medikamente die Patienten schon nehmen, und auch, welche Wechselwirkungen sich bei Mehrfachverordnungen ergeben können.

Reform mit Kosten-Nutzen-Effekt

Die Umsetzung hätte nach Ansicht der Experten aber nicht nur gesundheitlich positive Folgen für die Patienten, sondern auch für die finanziell angeschlagenen Krankenkassen. Schon jetzt entfallen nämlich auf rund 15 Prozent der Versicherten 85 Prozent der gesamten Ausgaben. Der Großteil dieser 15 Prozent sind chronisch Kranke und alte Menschen. Nicht zuletzt deshalb, weil viele von ihnen mehrfach Medikamente nehmen müssen. Rechnet man die Zahlen der Salzburger Studie mit den Daten der Krankenkassen hoch, so könnten die Kassen bis zu 800 Millionen Euro im Jahr sparen, würden die Gabe von verzichtbaren Arzneimitteln reduziert und Interaktionen durch die genauere Wahl der Medikamente abgestellt werden. (Martin Rümmele, DER STANDARD Printausgabe, 20.4.2009)

Kommentar posten
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Clemens Schwarz
00
14.6.2009, 23:41
Die Pharmaindustrie stört das nicht

Sie ist nach der Erdölindustrie die mit den größten gewinnen. In Amerika leistet sich die Pharmaindustrie Anwaltskanzleien und die Abgeordneten bzw. von der FDA bekommen eine Einzelbetreuungen. Es werden im Jahr Milliardenbeträge dafür ausgegeben. Ist schon seltsam, wenn wir dann die Sicherheitsstandards von der FDA übernehmen.
Wussten sie auch, dass viele Politiker in den USA in der Pharmaindustrie und in der Politik sind und waren. Das ist wirklich gezieltes perfektes Lobbying. Da kann man/frau nur staunen. Und wenn man dann Interviews von emeritierten FDA Direktoren sieht und sie von politische Entscheidungen (Gentechnik, ...) ohne wissenschaftliche Grundlage berichten, dann .... :-(

Joseph P. Brenner
00
16.5.2009, 17:52
der sohn ist krank...

warum lasst er den alten vater nicht in ruhe karten spielen.

die meisten patienten sind leider erst zufrieden wenn sie irgendwelche pillen bekommen. denn damit haben sie ja etwas getan, dass vielleicht eine veränderung der lebensgewohnheiten zu einem frühen zeitpunkt viele erkrankungen verhindern würde bzw. hinanhalten, dass ist den leuten leider zu mühsam.
nur zum nachdenken:
der dicke diabetiker der knieschmerzen bekommt denkt sicher zuerst an infiltrationnn und schmerzmittel als an abnehmen....

her wig
00
20.4.2009, 14:32

Einem System das von der Krankheit seiner Kunden lebt sollte man nur bedingt trauen.

Es braucht es eine Aufsichtsfunktion, die 1. ausserhalb eben dieser Abhängigkeit steht und 2. die nicht der einzelne Kranke selbst inne hat, denn der ist womöglich nicht mehr dazu in der Lage, wie im obigen Beispiel genannt.

hot doc
00
20.4.2009, 08:34

der arzneimittelsicherheitsgurt wäre ja wirklich keine üble sache.
nur ist mir nicht klar, warum da der apotheker die zentrale rolle spielen soll. ein apotheker hat keine ausreichenden medizinischen kenntnisse, um eventuelle nebenwirkungs- und interaktionswarnungen auf ihre relevanz beim individuellen patienten zu überprüfen. anders ausgedrückt: mit der warnung, die der computer ausspuckt, kann er nichts anfangen.

darum bin ich der meinung, dass der arzneimittelsicherheitsgurt allein in ärztliche hände gehört.

pharmatron
02
28.4.2009, 11:56

Vielleicht sollten Ärzte, Apotheker und alle anderen im Gesundheitswesen Österreichs Tätige, über den Tellerrand schauen und die Praxis der Patientenbetreuung in anderen Ländern mitverfolgen. Man würde dann zu dem Entschluß kommen, daß ein multidisziplinäres Team und verbesserte Kommunikation zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen, den Patienten unterstützt. Es geht weniger darum alte Hierachiestrukturen zu pflegen, als die Fähigkeiten der einzelnen health professionals anzuerkennen und zusammenzuarbeiten.

In Großbritannien dürfen mittlerweile Krankenschwestern und Pharmazeuten Arzneimitteln (mit gewisser Einschränkung) verschreiben.

Joseph P. Brenner
10
16.5.2009, 18:00
krankenschwestern

die wollen das doch garnicht.
ein beispiel as der praxis:
patientenkurve ist bei uns 7 Tage.
wenn die kurve für weiter 7 tage umgeschrieben werden muss, ist das aufgabe des arztes, und hierbei geht es nicht um eine neue therapieentscheidung, sondern lediglich um das abschreiben der medikamente.
zweites beispiel:
patienten nimmt eine medikament a mit wirkstoff b, arzt schreibt es in die kurve. später stellt sich heraus, dass dieses medikament nicht lagernd ist, sondern ein wirkstoffgleiches aber halt anderer name. arzt muss diesen neuen namen in die kurve schreiben.
ich frage mich wirklich warum das eine ärztlich aufgabe sein muss. hierbei handelt es sich um abschreiben, bzw. um vergleichen.

Speedle
00
18.5.2009, 11:10

Es ist natürlich einfach alles auf das Pflegepersonal zu schieben, aber seien Sie sich im Klaren, das Pflegepersonal nicht das Sekretariat für Ärzte ist, dafür gibt es andere Angestellte, aber anscheinend haben Sie noch eine veraltete Vorstellung von den Tätigkeiten des Pflegepersonals.

Weiters wird es sehr wohl auf Stationen so gehandhabt, dass wirkstoffgleiche Medikamente vom Pflegepersonal verabreicht wird, wie gesetzlich das gesichert ist, ist eine andere Sache. Auch wäre es möglich vom ärztlichen Personal, den Wirkstoff in die Kurve einzutragen.

hot doc
00
28.4.2009, 20:56

es geht nicht um hiererchie. es geht um sachkenntnis, die ich, aber kein pharmazeut hat, und um verantwortung, die ich nicht mit unzureichend qualifizierten menschen teilen kann.

es gibt nachvollziehbare gründe, warum nur ein konzessionierter installateur eine gasleitung machen darf, und nicht der hausbesitzer, nicht der zureicher oder der röhrlverläufer vom baumarkt.

so soll es bei medikamentöser therapie auch sein.
sie sollen als röhrlverkäufer anständig leben und verdienen können. nur reden sie mir nicht bei meiner arbeit drein, das ist verzichtbar.

Speedle
00
18.5.2009, 13:25

Vielleicht haben Sie diese Sachkenntnis, nur manchmal habe ich das Gefühl, dass viele Ärzte diese Sachkenntnis irgendwann gelernt haben, aber nicht fähig sind diese anzuwenden. Das Problem dabei ist, dass ich erst wenige fähige Ärzte getroffen habe, die diese Fähigkeit aufweisen konnten.

hot doc
00
19.5.2009, 11:47

das problem ist auch, dass der Laie vom pharmazeuten jene sachkenntnis erwartet, die nicht er, sondern ein pharmakologe hat. ich verstehe und kenne das problem eh. nur ist es nicht durch irgendwelche apotheker-sicherheitsgurten in den griff zu kriegen. aber wenn jeder arzt auf der e-card die medikamente ablesen könnte, die tatsächlich bezogen werden, wäre es für uns ein sprung vorwärts. und wenn der apotheker die otc-medikamente auch noch drauf einträgt, und nur bei seinen otc-medikamenten auf interaktionswarnungen schaut. mehr soll er aber nicht tun.

Dagmar Rehak
 
00
25.4.2009, 13:20

Dochdoch, ein Apotheker HAT die erforderlichen Kenntnisse.

hot doc
00
26.4.2009, 22:33

achso? welche denn? bitte um aufklärung.

Dagmar Rehak
 
00
27.4.2009, 13:15

Er hat Pharmazie studiert. Da lernt man genau das, was man über Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten wissen muss. Im Medizinstudium wird das nicht so ausführlich behandelt.

hot doc
00
28.4.2009, 08:21

sie sollten sich etwas eingehender mit den inhalten von pharmazie- und medizinstudium befassen, bevor sie solche behauptungen anstellen.
um medikamentenwirkungen zu verstehen, muss man wissen, wie sie in krankheitsprozesse eingreifen, also muss man den mechanismus von krankheiten kennen. nachdem medikamentennebenwirkungen im weiteren sinne selbst als krankheiten zu begreifen sind, gilt auch hier, dass sie nur verstanden werden können, wenn man entsprechende pathomechanismen kennt. all dies ist nicht inhalt eines pharmaziestudiums. weswegen ein pharmazeut eben nicht ausreichend über wirkung, nebenwirkung und wechselwirkungen bescheid weiss. bitte verwechseln sie nicht pharmazeuten mit pharmakologen, nur letztere haben diese kenntnisse.

Dagmar Rehak
 
00
28.4.2009, 14:00
Also den Eindruck hab ich nicht.

Manche Ärzte tun Dinge, die sie nach schulmedizinischen Richtlinien gar nicht tun dürften. Mir ist das besonders in der Geburtshilfe und beim hohen Blutdruck aufgefallen, weil ich davon betroffen bin. Was da passiert, ist aber sicher nicht mit Kenntnissen der Wirkungsweisen von Medikamenten erklärbar.

hot doc
00
28.4.2009, 14:27

und was passt ihnen an der Blutdrucktherapie nicht?

Dagmar Rehak
 
00
28.4.2009, 15:59

4. Die meisten Gynäkologen wissen nichts von der Existenz der Spiralarterien. Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck hat den Sinn, die Oberfläche dieser Spiralarterien zu erhöhen. Senkt man den Blutdruck, verkleinert sich die Oberfläche, und das Kind wird unterversorgt.
Bei mir hat so ein Ausbildungsresistenter sogar einmal nachgeschaut, was die erlaubte Höchstdosis für Nichtschwangere ist, und mir die verschrieben. Leichtsinnig, wie ich damals war, habe ich die - aber eh nur die Hälfte - dann auch genommen, aber dann sofort damit aufgehört, weil sich mein Kind daraufhin zwei Tage nicht bewegt hat. Wenn ich die Medikamente weiter genommen hätte, wäre mein Kind mit Sicherheit tot.
Ich denke, ein Arzt hat nicht das Recht, gegen den Willen der Schwangeren auf diese Weise die Schwangerschaft abzubrechen. Ob's jetzt eigenmächtige "Eu"thanasie ist oder schlichte Tumbie, ist egal. Es darf nicht sein. Es hat jeder Patient das Recht, nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen untersucht und behandelt zu werden.

Dagmar Rehak
 
00
28.4.2009, 15:41

1. Es wird so gut wie nie nach der Ursache geforscht. Man stellt nur so vage Vermutungen in den Raum wie Rauchen, Saufen, Übergewicht,... Ok, Lebensstil ändern ist sicher auch eine Möglichkeit, aber das schlichte Unterdrücken der Symptome ist die Lösung ganz sicher nicht. Außerdem braucht ein großer Organismus mehr Druck, um außen liegende Blutgefäße zu versorgen. Bei Dicken DARF man den Blutdruck also gar nicht senken. Er ist für diese Größe normal und angemessen.

2. Diuretika, die oft verschrieben werden, lassen einfach nur das Wasser aus. Das hat überhaupt keinen Sinn, erhöht den Blutdruck sogar noch. Mit einer höchst infantil anmutenden Rohr-Erklärung soll der Druck sinken, wenn man ein bissl was auslasst. Das Gegenteil ist aber der Fall. Um die geringere Blutmenge gleichmäßig zu verteilen, muss die Niere nämlich noch mehr Gefäß verengende Hormone ausschütten - abgesehen jetzt vom höheren Risiko für Thrombosen.
Die Ärzte, die Diuretika für das richtige Medikament gegen Bluthochdruck halten, sind in der Regel die selben, die verbreiten, dass Salz das Blutvolumen und damit den Blutdruck erhöht. Das ist aber ein nie bewiesener Aberglauben, der sicher nicht in der offiziellen Ausbildung gelehrt wird.

3. Es werden blindlings Rezeptoren blockiert. Damit werden auch einige Vorgänge blockiert, die sinnvoll und gut sind.

So lange man nicht verstanden hat, warum der Blutdruck überhaupt steigt und ob das überhaupt schlecht ist, darf man ihn senken.

hot doc
00
28.4.2009, 20:50

sie haben viele dinge nicht verstanden, und missinterpretiert, und das einzige, was ich bei ihrem posting respektiere, ist ihre ehrliche sorge um ihr kind. alles andere ist leider falsch interpretiert und ideologisch gefärbter unsinn. es gibt wenige medizinische felder, die so gut und objektiv (!)untersucht werden, wie die entstehung von gefäßverengungen und deren ursachen.

dass sie meinen kollegen mit der euthanasiekeule kommen, ist weder irgendwie rational nachvollziehbar, noch in irgendeiner weise entschuldbar. wir bemühen uns ehrlich (und ich werde heute abend noch ein paar fachartikel lesen - arbeiten sie jetzt auch noch?), und bieten das, was unser derzeitiger erkenntnisstand ist, und das ist nicht wenig.

Dagmar Rehak
 
00
29.4.2009, 11:32

Was Sie da so herzig als "ehrliche Sorge um mein Kind" bezeichnen, war eine pipifeine Rettung aus einer von einer gefährlich dummen Person verursachten Lebensgefährdung. Andere Schwangere sind leider nicht zu umsichtig und stehen jetzt mit einem behinderten oder toten Kind da.

Ja, "Eu"thanasie. Es kann mir keiner erzählen, dass der nicht gewusst hat, was er tut. Es gibt nur die zwei Möglichkeiten, die eine, dass er dumm ist wie Stroh (und das wäre in dem Beruf mehr als grob fahrlässig), und die andere, dass er einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollte.
Der Erkenntnisstand ist bereits seit Jahrzehnten der, dass es nach der Einnahme von Blutdrucksenkern in der Schwangerschaft zu einer Verschlechterung der Versorgung des Kindes kommt. Wenn man bösartig ist, sagt man, dass das "trotzdem" passiert ist, und empfiehlt das weiter. Wenn man verantwortungsvoll, im Interesse der Patienten und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen praktiziert, gibt man einer Schwangeren keine Blutdrucksenker.

hot doc
00
28.4.2009, 20:45

ad 3. fortsetzung. man hat sehr gut verstanden, dass hoher blutdruck (für jeden menschen!) schlecht ist.
ad 4. ich bin kein gynäkologe, nur so viel weiss ich: ein mutterkuchen ist auf ganz kurze lebenszeit ausgelegt, und altert und degeneriert schneller als jedes andere organ. schwangerschafts-bluthochdruck schädigt ebenso wie ss-diabetes die arterien sehr rasch, sodass gegen ende der ss durch gefäßschädigung eine bedrohliche minderversorgung des kindes erfolgt.
zu ihrer anklage: blutdrucksenker beruhigen das kind, und vor der therapie war es durch mütterliche stresshormone (durch ss-hypertonie freigesetzt) in unruhe, danach konnte es endlich mal 2 tage schlafen.

Dagmar Rehak
 
10
29.4.2009, 11:05

ad 4.
Eben nicht. Der Blutdruck im Organismus der Mutter tangiert den Mutterkuchen nur insoweit, als er die Oberfläche der Spiralarterien erhöht, und das ist gut und richtig so. Der Mutterkuchen selbst hat keinen hohen Blutdruck. Es ist auch nicht so, dass ein Organ, das auf eine zeitlich begrenzte Lebensdauer angelegt ist, deshalb leichter zu beschädigen ist. Er altert und degeneriert nur insofern schneller, als dass er nach Ablauf seiner Tätigkeit mit der Arbeit aufhört. Leichter kaputtbar ist er in seiner aktiven Zeit nicht.

Es kommt immer wieder zu massiven Unterversorgungen des Kindes, weil Schwangere Blutdrucksenker nehmen und vereinzelt auch noch auf eine salzarme Diät gesetzt werden.
Blutdrucksenker sollen das Kind aber nicht beruhigen, sondern sein Organismus soll alle Funktionen, die für ein regelrechtes Wachstums notwendig sind, optimal erfüllen.
Mein Kind hat sich vorher ganz normal bewegt. Es hat nicht gezappelt, und es war nach Einnahme der halben verschrieben Dosis völlig bewegungslos. Mit der vollen Dosis und wenn ich das Medikament weiter genommen hätte, wäre mein Kind mit Sicherheit gestorben. Während dieser Zeit hatte ich selbst übrigens den allerhöchsten Blutdruck.

Sie sind hier anonym, aber wenn ich Ihre Personalien kennen würde, müsste ich Sie anzeigen, weil sie einen lebensbedrohlichen Zustand mit offensichtlicher Bewusstlosigkeit als "endlich ausschlafen" bezeichnen.

hot doc
00
29.4.2009, 17:22

ja bitte, zeigen sie mich an! zeigen sie es uns allen und statuieren sie ein exempel an mir!
aber vorher überlegen sie sich, welcher tatbestand vorliegt, den sie zur anzeige bringen könnten.


auf wiedersehen, frau rehak.

Dagmar Rehak
 
00
30.4.2009, 12:04

Wenn Sie dann bitte so lieb wären und Ihre Visitenkarte mit Namen und Adresse zu veröffentlichen.
Der Tatbestand steht schon da:
Sie heißen eine Gefährdung eines Fötus und einen Schwangerschaftsabbruch gegen den Willen der Schwangeren gut, bzw. missinterpretieren Anzeichen einer Lebensgefahr und machen sich darüber auch noch lustig ("ausschlafen...").
Ihnen fehlt nicht nur die Ausbildung, sondern auch das Urteilsvermögen, um den Arztberuf auszuüben.

hot doc
00
30.4.2009, 12:48

sie sind juristisch eine ebensolche niete wie medizinisch. sonst wüssten sie, dass es erstens so einen strafbestand nicht gibt, und zweitens, dass zu einer schuldhaften tat eine einwirkung gehört. ich habe aber weder etwas mit der behandlung ihres kindes zu tun, noch habe ich eine drohung ausgesprochen, also bitte.

und ansonsten beende ich die diskussion mit ihnen, ihre wahnhaften ideen sind keine argumentationsbasis.

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