Morales: Festgenommene Söldner planten Anschläge auf die bolivianische Demokratie und Staatseinheit
La Paz/Zagreb - Nach dem Auffliegen von
angeblichen Attentatsplänen gegen ihn warnt der Boliviens Präsident Evo
Morales vor europäischen Söldnern, die einen Umsturz im
Land planen sollen. Eine Gruppe aus kroatischen, ungarischen, irischen, rumänischen und
einheimischen Terroristen habe einen Anschlag gegen ihn geplant, sagte Morales
nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur AIB am Montag bei einer
Armeeveranstaltung in La Paz. Das Komplott war vorige Woche aufgeflogen.
Opposition droht mit Abspaltung
Der Präsident liefert sich seit Monaten einen Machtkampf mit der vor
allem im Flachland des Westen verankerten und von wohlhabenden Weißen getragene
Opposition. Sie wehrt sich gegen die von Morales betriebene Stärkung der Rechte
der indigenen Bevölkerung und droht mit einer Abspaltung der von ihr
kontrollierten Landesteile.
Morales appellierte bei der Armeeveranstaltung am Montag an die Soldaten,
sich entschlossen gegen "die bewaffneten, gewaltsamen und antidemokratischen
Ausländer" zu stellen, die Anschläge auf die bolivianische Demokratie und
Staatseinheit planten. Er rief die Bolivianer auf, mögliche ausländische
Umstürzler "zu denunzieren". Vizepräsident Alvaro Garcia Linera sagte, dass bei
der Polizeiaktion in der Vorwoche erst "ein Tentakel des Tintenfischs
abgeschnitten" worden sei.
Oppositionsführer hat kroatischen Pass
Die scharfen Aussagen der bolivianischen Führung nährten unter Einwanderern
die Furcht vor einer Hexenjagd auf angebliche europäische "Terroristen" im
Andenland. Besonders groß ist die Unruhe unter den in Bolivien lebenden Kroaten.
Der Anführer der Oppositionsbewegung gegen Präsident Morales, Branco Marinkovic,
hat nämlich einen kroatischen Pass - so wie die Mehrzahl der vorige Woche
festgenommenen bzw. getöteten mutmaßlichen Terroristen.
Drei Mitglieder der angeblichen Terrorgruppe wurden nach der Explosion eines
Sprengsatzes in einem Hotel in der Oppositionshochburg Santa Cruz bei einem
Feuergefecht mit Sicherheitskräften getötet. Es handelte sich dabei um den
Ungarn Mayarosi Ariad, den Iren mit kroatischem Pass Dwyer Michael Martin und
den Bolivianer Rozsa Flores, der ebenfalls kroatischer und ungarischer
Staatsbürger war. Der Bolivianer mit kroatischer Staatsbürgerschaft Mario Fardig
(bzw. Tadic) Astorga und der Ungar Elöd Toaso überlebten die Schießerei und
sitzen seitdem in einem Gefängnis in La Paz.
Geständnisse
Fardig, ein Mitglied der bolivianischen Streitkräfte, wurde laut AIB in der
kroatischen Armee ausgebildet, in der auch Rozsa während der Balkan-Kriege
Anfang der 1990er Jahre kämpfte. Fardig und Toaso sollen die Beteiligung an
weiteren Terroranschlägen - etwa auf die Residenz des bolivianischen
Vizeministers Saul Avalos im März und den katholischen Geistlichen Julio
Terrazas am vergangenen Mittwoch - zugegeben haben.
In Zagreb werden die Vorgänge in Bolivien mit Sorge verfolgt. Die in Bolivien
lebenden Kroaten seien von der Regierung als Extremisten und Faschisten
gebrandmarkt worden, schreibt die Tageszeitung "Jutarnji list" am Dienstag. Das
kroatische Außenministerium teilte mit, dass es vorerst keine Anzeichen für
einen verstärkten Druck auf die kroatische Gemeinschaft in Bolivien gebe. Man
habe aber die für Bolivien zuständige kroatische Botschafterin in Chile, Vesna
Terzic, zu Beratungen nach Zagreb gerufen, sagte ein Ministeriumssprecher.
Schillernde Persönlichkeit
Einer der Getöteten beschäftigte am Freitag die ungarische Presse: der in 1960 in Santa Cruz als Sohn einer spanischen Mutter und eines ungarischen Vaters geborene Rosza Flores ist eine schillernde Persönlichkeit. Er spielte 2001 die Hauptrolle im ungarischen Film "Chico", bezeichnete sich selbst als "konservativ-anarchistischen Weltrevolutionär" und kämpfte als Söldner auf der Seite Kroatiens in den Balkankriegen. Ex-Präsident Franjo Tudjman beförderte ihn wegen seiner "Heldentaten" zum Major.
Im Jahr 2003 war er Sprecher der selbsternannten "Unabhängigen Regierung des Irak" und später stellvertretender Vorsitzender der Ungarischen Islamischen Gemeinschaft. Sein Name tauchte immer wieder im Zusammenhang mit ungarischen Rechtsextremisten auf. Auf der Webseite der rechtsextremen Jobbik-Partei war am Freitagmorgen ein (mittlerweile gelöschter) Nachruf zu lesen, in dem neben einem Foto Rózsa Flores´ "Er starb für sein Vaterland" stand. (red/Reuters/APA)