Sergio Marchionne, der Sanierer der Autosparte von Fiat, stellt dem US-Hersteller Chrysler die Rute ins Fenster
Sergio Marchionne, der Sanierer der Autosparte von Fiat, stellt dem US-Hersteller Chrysler die Rute ins Fenster: scharfe Einschnitte oder es gibt keine Zusammenarbeit, sprich: Pleite.
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Toronto/Turin/Washington - Zwei Wochen vor Ablauf einer Gnadenfrist der US-Regierung gibt der Chef des italienischen Autokonzerns Fiat den amerikanischen Gewerkschaften Gas: Wenn Fiat in den knapp vor dem Aus stehenden Chrysler-Konzern einsteigen soll, müssten die Arbeitnehmer drastische Kostensenkungen akzeptieren. Ansonsten gebe es keine Allianz. "Wir können uns diesem Unternehmen nicht verpflichten, wenn wir nicht das Licht am Ende des Tunnels sehen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne zur kanadischen Zeitung Globe and Mail.
Die Chancen für eine Partnerschaft mit Chrysler - diese wurde von der Auto-Taskforce der US-Regierung als Bedingung für weitere Staatshilfen genannt - stünden derzeit "fifty-fifty", sagte Marchionne. Schuld daran seien die stockenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Insbesondere die kanadischen Gewerkschaften leisteten Widerstand. Neben Lohneinbußen will der Italiener zudem kurzfristige Schließung einiger Chrysler-Werke im Fall einer Allianz durchsetzen. Der Fiat-Chef bekräftigte dennoch, er werde alles tun, um Chrysler wiederzubeleben. Eine Geldspritze der Italiener schloss er hierbei aber weiterhin kategorisch aus.
Der Übernahme des Chefpostens stehe er, Marchionne (er ist in Kanada aufgewachsen, hat dort studiert und auch die Anwalts- und Steuerberaterprüfung in Toronto absolviert), offen gegenüber. "Grundsätzlich ist dies möglich, aber der Titel ist nicht wichtig", sagt der Manager, der auch Fiat vor der Pleite gerettet hatte. "Wichtig ist, dass sie mir zuhören. Es kann sein, dass ich meine Zeit zwischen der Leitung von Fiat und der von Chrysler aufteilen muss." Fiat will im Fall der Zusammenarbeit im kommenden Jahr auch den Kleinwagen Cinquecento auf den nordamerikanischen Markt bringen. Zudem könnten Autos der sportiven Marke Alfa Romeo in Kanada und den USA hergestellt werden. Marchionne übernahm 2004 den Vorstandsvorsitz bei Fiat S.p.A. und bewahrte die traditionsreiche Fabbrica Italiana Automobili Torino vor dem Zusammenbruch.
Die Gläubiger der angeschlagenen US-Autobauer General Motors (GM) und Chrysler wollen auf die prekäre Lage der beiden Firmen offenbar unterschiedlich reagieren. Die GM-Anteilseigner dürften sich bereits auf eine Insolvenz vorbereiten, die Chrysler-Gläubiger könnten zu mehr Zugeständnissen bereit sein, berichten US-Medien und Agenturen.
Die größten Gläubiger von Chrysler bereiteten ein Angebot an das US-Finanzministerium vor. Darin würden sie im Gegenzug für Ansprüche über sieben Milliarden Dollar unter anderem auch einen Anteil an einer Allianz zwischen Chrysler und Fiat akzeptieren. Der Autohersteller mit Hauptsitz in Auburn Hills bei Detroit steht unter anderem bei den Banken JPMorgan, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley in der Kreide.
GM-Anleiheninhaber hingegen haben sich wiederholt enttäuscht darüber geäußert, dass die US-Regierung und der Autokonzern, deren Wertpapiere sie halten, sie nicht genügend in die Gespräche über einen Rettungsplan eingebunden hätten. GM hat sich über Anleihen am Kapitalmarkt rund 28 Milliarden Dollar besorgt.
In der deutschen GM-Tochter Opel sähen die Belegschaftsvertreter indessen ausreichend Liquidität vorhanden, um Investoren zu finden, die einen Abnabelungsprozess der GM-Europa-Aktivitäten von der US-Mutter ermöglichen sollen, sagte der Opel-Betriebsratschef. (Reuters, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4.2009)