Fiat-Chef schaltet bei Chrysler auf hart

15. April 2009 18:53

Sergio Marchionne, der Sanierer der Autosparte von Fiat, stellt dem US-Hersteller Chrysler die Rute ins Fenster

Sergio Marchionne, der Sanierer der Autosparte von Fiat, stellt dem US-Hersteller Chrysler die Rute ins Fenster: scharfe Einschnitte oder es gibt keine Zusammenarbeit, sprich: Pleite. 

 

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Toronto/Turin/Washington - Zwei Wochen vor Ablauf einer Gnadenfrist der US-Regierung gibt der Chef des italienischen Autokonzerns Fiat den amerikanischen Gewerkschaften Gas: Wenn Fiat in den knapp vor dem Aus stehenden Chrysler-Konzern einsteigen soll, müssten die Arbeitnehmer drastische Kostensenkungen akzeptieren. Ansonsten gebe es keine Allianz. "Wir können uns diesem Unternehmen nicht verpflichten, wenn wir nicht das Licht am Ende des Tunnels sehen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne zur kanadischen Zeitung Globe and Mail.

Die Chancen für eine Partnerschaft mit Chrysler - diese wurde von der Auto-Taskforce der US-Regierung als Bedingung für weitere Staatshilfen genannt - stünden derzeit "fifty-fifty", sagte Marchionne. Schuld daran seien die stockenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Insbesondere die kanadischen Gewerkschaften leisteten Widerstand. Neben Lohneinbußen will der Italiener zudem kurzfristige Schließung einiger Chrysler-Werke im Fall einer Allianz durchsetzen. Der Fiat-Chef bekräftigte dennoch, er werde alles tun, um Chrysler wiederzubeleben. Eine Geldspritze der Italiener schloss er hierbei aber weiterhin kategorisch aus.

Der Übernahme des Chefpostens stehe er, Marchionne (er ist in Kanada aufgewachsen, hat dort studiert und auch die Anwalts- und Steuerberaterprüfung in Toronto absolviert), offen gegenüber. "Grundsätzlich ist dies möglich, aber der Titel ist nicht wichtig", sagt der Manager, der auch Fiat vor der Pleite gerettet hatte. "Wichtig ist, dass sie mir zuhören. Es kann sein, dass ich meine Zeit zwischen der Leitung von Fiat und der von Chrysler aufteilen muss." Fiat will im Fall der Zusammenarbeit im kommenden Jahr auch den Kleinwagen Cinquecento auf den nordamerikanischen Markt bringen. Zudem könnten Autos der sportiven Marke Alfa Romeo in Kanada und den USA hergestellt werden. Marchionne übernahm 2004 den Vorstandsvorsitz bei Fiat S.p.A. und bewahrte die traditionsreiche Fabbrica Italiana Automobili Torino vor dem Zusammenbruch.

Die Gläubiger der angeschlagenen US-Autobauer General Motors (GM) und Chrysler wollen auf die prekäre Lage der beiden Firmen offenbar unterschiedlich reagieren. Die GM-Anteilseigner dürften sich bereits auf eine Insolvenz vorbereiten, die Chrysler-Gläubiger könnten zu mehr Zugeständnissen bereit sein, berichten US-Medien und Agenturen.

Die größten Gläubiger von Chrysler bereiteten ein Angebot an das US-Finanzministerium vor. Darin würden sie im Gegenzug für Ansprüche über sieben Milliarden Dollar unter anderem auch einen Anteil an einer Allianz zwischen Chrysler und Fiat akzeptieren. Der Autohersteller mit Hauptsitz in Auburn Hills bei Detroit steht unter anderem bei den Banken JPMorgan, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley in der Kreide.

GM-Anleiheninhaber hingegen haben sich wiederholt enttäuscht darüber geäußert, dass die US-Regierung und der Autokonzern, deren Wertpapiere sie halten, sie nicht genügend in die Gespräche über einen Rettungsplan eingebunden hätten. GM hat sich über Anleihen am Kapitalmarkt rund 28 Milliarden Dollar besorgt.

In der deutschen GM-Tochter Opel sähen die Belegschaftsvertreter indessen ausreichend Liquidität vorhanden, um Investoren zu finden, die einen Abnabelungsprozess der GM-Europa-Aktivitäten von der US-Mutter ermöglichen sollen, sagte der Opel-Betriebsratschef. (Reuters, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4.2009)

Kommentar posten
11 Postings
Ivan Bukov
16.04.2009 02:07

Schuetzenhilfe vom Sergio... Gewerkschafter moecht i jetzt kaner sein.

Alvarez
15.04.2009 21:18
Der "Retter" von Fiat............

.......... die waren schon vorher kaputt und sind es jetzt auch noch. Zu klein um international (=weltweit) bestehen zu könne, die Qualität passt auch nach dem 5. Anlauf immer noch nicht, das italienische Ego in Fusion mit einem maroden amerikanischen Produzenten kommt einer Art Titanic der Autobranche gleich. Wird noch spannend.............

Ivan Bukov
16.04.2009 01:56

Sie sind fuenf Jahre zu spaet dran. Der Marchionne hat Fiat mittlerweile recht ordentlich saniert. (Harvard business review zum Nachlesen). Eine ziemliche Leistung wenn man Italien kennt. Punto, Bravo, 500 plus gute Ansaetze bei Alfa und Lancia zeigen den Weg. Und das hat nicht mit persoenlichem Geschmack zu tun, ich halte z.B. vom Croma und anderen nix dafuer den 500 als Geniestreich! Eine Allianz macht insofern Sinn weil Fiat umsonst (!) Zugriff auf das Amerikanische Haendlernetz bekommt, und die Moeglichkeit dort zu produzieren. Wird interessant, mal sehen.

Alvarez
16.04.2009 21:53
Naja, jedem sein Weltbild........

......aber der Punto hat Konkurrenz wie noch nie in dieser Fahrzeugklasse, der Bravo ist ein Exot was die Zulassungen betrifft, jedenfalls ist der 500 ein guter Wurf, soviel steht fest. Jedoch lassen sich die Kosten bei einem Kleinwagen weniger schnell verdienen, wie zB in der Mittelklasse - dort findet Fiat in keiner Weise statt. Lancia ist ein Tot in Raten, was auch der neue Delta nicht ändern wird und Alfa ist zwar einen feine Designmarke mit treuer Community, aber eben zu klein. Ich kann auch nach dem Harvard Business Review den Erfolg von Mr. Wunderbar nicht erkennen. Das mit dem Händlernetz in den USA stimmt zwar theoretisch, jedoch fehlt mir dzt noch die Phantasie, daß ein Ami von einem Chrysler in einen Fiat umsteigt - sorry ;-)

Weiß Bescheid
 
15.04.2009 21:30
Sehe ich wie sie.

Wenn man sich anschaut, welch hervorragende Modelle Chrysler im Portfolio hatte und hat (300C, Voyager, Crossfire, Aspen, Pacifica, ... ) und welche Fiat dann sieht man da schon deutliche Unterschiede - nicht nur im wesentlich schöneren Chrysler-Design sonder auch in der Qualität.

Gerade der Voyager ist in Ö nicht zuletzt wegen der guten Qualität sehr beliebt. Selbiges beim 300C.

Und auch beim Verbrauch hat Chrysler einiges getan. Der Dodge Journey (ein richtig schöner SUV) verbraucht gerade mal 6.5 Liter. Ein sehr guter Wert.

Die Kooperation Daimler-Chrysler war besser als viele behaupteten. Von dieser Koop. erwarte ich nicht viel.

Ivan Bukov
16.04.2009 01:50

In welcher Welt leben sie?

Weiß Bescheid
 
16.04.2009 07:24
Im Gegensatz zu Ihnen in der Realität

Ivan Bukov
16.04.2009 10:01

Die Entwicklung der Marktanteile spricht auch eindeutig fuer Fiat... Ich halte es fuer mutig Chrysler als hochwertige Qualitaet zu bezeichnen. Das Plastik im Cockpit des C300 erinnert nicht nur mich an TikTak Dosen. Was nicht heisst es sei kein schoenes Auto (wen interessiert Plastik wenn er einen V8 haben kann?)
Crossfire = Flop, im Voyager moechten sie keinen Crash haben und der von ihnen angefuehrte Gelaendewagen benutzt einen uralten Pumpe Duese jetzt fehlt wirklich nur mehr dass sie den neuen Sebring loben (Superflop)!
Fiat steht da besser da, in Zeiten wo Kleinwagen gebraucht werden kommen die mit Bravo, Punto, Panda und 500, pfiffiges Design und insgesamt gutes Preis-Leistung. Fiat is back PS. Harvard business review zum Nachlesen

Der and're Heller
 
15.04.2009 22:54
Are you kidding?

- Der Crossfire ist eingestellt, der Pacifica ist in den USA nie aus einem Schattendasein herausgekommen. Rohrkrepierer.
- Die gute Qualität der europäischen Voyager und 300C ist auf die bessere Fertigung in Graz zurückzuführen. Selbst amerikanische Chrysler-Manager lassen sich die österreichischen Chrysler eigens importieren, um nicht die nordamerikanischen fahren zu müssen.
- Die 6,5 l Verbrauch erzielt der Journey mit einem Uralt-Pumpe-Düse-Dieselmotor von VW. Technik von gestern, unkultiviert, aussortiert.
- Übers Design lässt sich trefflich diskutieren, über Qualität nicht. Ein Fiat aus polnischer Produktion ist einem US-Chrysler in der Fertigungsqualität haushoch überlegen.

Moby Dick
15.04.2009 22:42

Und gerade deswegen geht es Chrysler jetzt auch so blenden, oder?

Fiat hat im Gegensatz zu Chrysler den richtigen Weg eingeschlagen. Günstige Kleinautos, die man auch ohne Kredit kaufen kann. Auf der anderen Seite steht Chrysler, dass seine überdimensionierten Autos nur mit Hilfe von Leasing und Krediten verkaufen konnte.

t 3
 
15.04.2009 19:42
ich würde ja meinen

der begriff "allianz" ist um ein vielfaches mehr wert als der verirrte chart neben dem artikel vermuten lässt...

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