Innsbrucker "CSI"-Stalkerin verurteilt

14. April 2009, 19:57
22 Postings

41-jährige Tirolerin hat 120 Briefe geschrieben - "Ich wollte nur ein Autogramm" - Einweisung in Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher

Innsbruck - "Dass ich David Caruso gestalkt habe, gebe ich zu, da bin ich schuldig. Aber eine gefährliche Drohung ist das doch nicht", sagt die 41-jährige zierliche Frau regelrecht empört Dienstagvormittag zum Richter.

"Die 120 Briefe an den amerikanischen Schauspieler haben Sie aber schon geschrieben", fragt dieser nach. Ja, ja, die habe sie geschrieben, das sei in Miami gewesen, im Sommer 2005 oder 2006, so genau könne sie sich nicht mehr erinnern. "Ich wollte nur ein Autogramm haben. Und auf der Homepage von Caruso stand, dass jeder eines bekommt - nur ich offenbar nicht."

Drohbrief

Daher verfasste Heidemarie S. 2006 einen Brief, drohte Caruso und seiner Familie an, sie umzubringen, und gab ihn per Einschreiben in Miami auf. Vor Gericht gab sich die Angeklagte erstaunt, dass sechs Monate später die Polizei vor der Tür gestanden sei. Sie habe angenommen, dass "solche Briefe ohnehin von der Sekretärin in den Müll geschmissen würden". Die Angeklagte blieb - auch nach dem Besuch der Polizei - von CSI Miami-Star David Caruso besessen: "Ich sammelte alles und veröffentlichte es in einem Blog." "Warum haben Sie das nicht sein lassen?", fragt die Staatsanwältin.

Der Drohbrief zeigte unterdessen Wirkung, denn der Sicherheitsdienst der Filmfirma hatte bereits das FBI verständigt, um die Stalkerin auszuforschen. Was mithilfe des Bundeskriminalamtes auch gelang. Zwei Gerichtsverhandlungen entzog sich Heidemarie S. durch Flucht, in Mexiko überlebte sie zehn Monate, weil sie Touristen Geld abschnorrte. Im März wurde sie schließlich ausgeliefert.

"Ich wollte seine Aufmerksamkeit, ich wollte das Autogramm", erklärt die Angeklagte immer wieder. Der Drohbrief sei aber ein Scherz gewesen. Das lässt der Richter freilich nicht gelten: "Bei Ihrer Vergangenheit kann man Ihnen das nicht abnehmen." Schon in den Neunzigerjahren sei die Angeklagte wegen gefährlicher Drohung verurteilt worden, sie habe damals einen Ex-Liebhaber bedroht. Und sie habe ihrem ehemaligen Anwalt erklärt, sie sei durchaus fähig, einen Amoklauf zu begehen, liest der Richter aus den Akten. "Das ist doch 15 Jahre her", meint die Angeklagte.

Borderline-Syndrom

Die psychiatrische Gutachterin ändert die damalige Diagnose eines "Borderline-Syndroms" in "kombinierte Persönlichkeitsstörung": Weitere Straftaten der Frau seien zu befürchten. Der Richter verurteilt die Frau zu sieben Monaten unbedingter Haft und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (Verena Langegger/DER STANDARD, Printausgabe, 15. April 2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.