Ein Mann und drei Babys

26. April 2009, 21:01

Katholisches Land empört sich: Präsident soll als Bischof mehrere Kinder gezeugt haben

Der ehemalige katholische Bischof und jetzige Präsident, Fernando Lugo, hat öffentlich anerkannt, Vater eines zweijährigen Buben zu sein. Nun tauchen weitere potenzielle Kinder von Lugo auf.

*****

Quito/Puebla - "Ich bin nicht perfekt, ich übernehme die Verantwortung für meine Fehler. Ich bitte das Land und die Kirche um Verzeihung. Alles Weitere klärt mein Anwalt mit der Justiz." So versuchte Paraguays Präsident Fernando Lugo am Freitag, einen Schlussstrich unter die Babyaffäre zu ziehen, die seit Wochen das Land in Atem hält und inzwischen Züge einer Politposse annimmt.

"Wie viele Kinder hat der ledige Ex-Bischof wirklich?", fragten sich die Paraguayer, nachdem drei Frauen auftauchten, die den 57-Jährigen aufforderten, seine väterlichen Pflichten zu übernehmen. Eine Antwort blieb Lugo bisher schuldig: "Ich beichte nur bei meinem Beichtvater" , sagte er. Auslöser des Skandals war eine vernachlässigte Liebhaberin. Die 26-jährige Viviana Carillo reichte kurz vor Ostern eine Vaterschaftsklage ein, nachdem sich Lugo von ihr distanziert und der Presse zufolge eine Romanze mit einem Model aus Argentinien angefangen hatte. Lugo sei Vater ihres zweijährigen Sohnes Guillermo Armindo, erklärte sie. Die Romanze soll vor zehn Jahren begonnen haben, als sie bei ihrer Patin auf dem Land wohnte: "Seit jenem zarten Alter hat mich der Beklagte verführt" , sagte Carillo laut den Prozessunterlagen.

Lugo zögerte kurz und erkannte dann öffentlich die Vaterschaft an. Er verteidigte zwar den Zölibat, rechtfertigte sich aber mit einer "vorübergehenden Schwäche". Seine Berater versuchten, die Angelegenheit herunterzuspielen. Die Mutter erhalte Alimente, der Sohn seinen richtigen Nachnamen. Jugendministerin Liz Torres lobte, Lugo habe die Kultur der Lüge eingerissen. Sieben von zehn Müttern in Paraguay sind ledig.
Doch dann tauchte Benigna Leguizamon auf. Lugo sei der Vater ihres sechsjährigen Sohnes Lucas Fernando, sagte die 27-jährige Verkäuferin und reichte Klage ein. Sie sei wegen ihrer schwierigen ökonomischen Situation damals zu dem Bischof der Diözese von San Pedro gekommen, der ihre Lage ausgenützt habe. Lugo erklärte sich zu einem DNA-Test bereit.

Am Donnerstag schließlich erklärte die 39-jährige Lehrerin Damiana Moran, sie habe Lugo durch ihre kirchlichen Aktivitäten kennengelernt und daraus sei eine "große Liebe" entstanden sowie ihr mittlerweile 16 Monate alter Sohn Juan Pablo - benannt nach Papst Johannes Paul II. Sie habe nicht vorgehabt, die Affäre öffentlich zu machen, aber Lugos Anwalt habe Kontakt mit ihr aufgenommen, da ihr Name auf einer Liste sechs mutmaßlicher Liebhaberinnen stehe.

Die Glaubwürdigkeit des Staatschefs, der in letzter Zeit mit tiefen Augenringen gesichtet wurde, sank seit der Babyaffäre von 56 auf 48 Prozent. "Er hat sich lächerlich gemacht und muss zurücktreten" , forderte der liberale Senator Alfredo Jaeggli. "Wer auf meinen Rücktritt setzt, kann warten, bis er schwarz wird" , kontert Lugo.
Seine Landsleute amüsieren sich derweil köstlich. "Habemos Papa" hieß es, nachdem Lugo seinen Sohn anerkannt hatte. Bischof Rogelio Livieres Plano erklärte der Presse, er und die Nuntiatur hätten schon seit langem von den Abenteuern Lugos Kenntnis gehabt. Das und nicht die Politik sei auch der Grund gewesen, warum der Vatikan Lugo 2006 suspendiert habe. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 27.4.2009)

 

Kommentar posten
13 Postings
Kratzmich
03
25.4.2009, 16:52
Es ist übrigens eine Illusion, in Paraguay von einer Linksregierung zu sprechen.

Fakt ist, dass es eine Regierung ist, in der auch Linke (wenn auch Minderheit) beteiligt sind.

Die "Frente Patriotica" ist tatsächlich ein Parteienbündnis, bei der die absolut bestimmende Kraft die PLRA, die LIBERALE Partei ist. Und genau so sieht die Politik aus.

Vor zwei Wochen gab es einen Konflikt innerhalb der Regierung mit Rücktritten. Hintergrund war der Konflikt um die "Sesameros": Durch die anhaltende Dürre waren viele Kleinbauern in Existenznot geraten. Aus den anfänglichen Bemühungen diesen Kleinbauern zu helfen hat sich die PLRA durchgesetzt: Alle erhalten, je nach Land das gleiche. D. h., wenn du 1000 x so viel Land hast wie ein Kleinbauer, erhältst Du 1000x so viel Unterstützung.
Mit Links hat das nichts zu tun.

Ernst Guevara
13
25.4.2009, 09:27
ist paraguay also ein gottesstaat?

oder warum soll lugo wegen einer frage zurücktreten, die allein in religiöser (und persönlicher) hinsicht relevant ist?

Kratzmich
12
25.4.2009, 17:02

Wenn es Partnerinnen auf gleicher Augenhöhe gewesen wären und er sich um die Kinder gekümmert hätte, Ok.

Aber: Alle Frauen waren in der einen oder anderen Hinsicht von ihm abhängig und mußten sich jahrelang alleine durchschlagen.
Vor allem das zweite bekannte Kind brachte das Faß zum überlaufen: Die Frau, seine Putzfrau, lebt in bitterster Armut, in einer absolut verwahrlosten Hütte, hat nicht mal Schuhe zum anziehen und zieht 6 Jahre das Kind vom Herrn Bischof groß...

Diese Regierung kann sich keinen anderen Thema mehr widmen als den Kindern des Herrn Lugo und ist deshalb nicht mehr arbeitsfähig.
Ohnehin hat Lugo keines seiner Versprechen gehalten. Er hat NICHTS für die Armen getan. Nichts!

hugo93852
00
27.4.2009, 05:13
Schwachsinn

Lugo ist gerade mal 9 Monate im Amt, auch er kann Panraguay von Heute auf Morgen in einem Idealstaat verwandeln.
Mal sehen wie er sich noch entwickelt, verteufeln kann man ihn immer noch. Die Colorado-Presse, Kirche und natuerlich die unvermeidliche Sandra Weiss, arbeiten schon fleissig dran.

hugo93852
00
27.4.2009, 05:17
Berichtigung

soll natuerlich heissen: ....auch er kann Paraguay nicht von Heute auf Morgen in einem Idealstaat verwandeln.

philidor85
02
29.4.2009, 11:06

in eineN idealsstaat meinten sie wohl

zur person: dass er als erwachsener mann eine 16jährige verführt hat ist kein zeichen von charakterfestigkeit - das lässt sich auch auf politische integrität ummünzen

wenn die frauen schon stillschweigen bewahrt haben, wäre ihm kein stein aus der krone gefallen wenn er sie zumindest finanziell unterstützt hätte

Ernst Guevara
02
25.4.2009, 17:28
naja, aber finden Sie es nicht etwas übertrieben,

von lugo innerhalb dieser relativ kurzen zeit schon ergebnisse zu verlangen? ich meine, er ist jetzt nicht einmal ein jahr im amt und dazu kommt, dass seine regierung auf jahrzehnte der korrupten herrschaft der colorados folgt, die den staat ausgeplündert haben. wirkliche veränderungen brauchen ihre zeit. was nicht heissen soll, dass lugo sich letztlich trotzdem als enttäuschung entpuppen könnte, aber man sollte ihm mehr zeit geben.

Kratzmich
01
25.4.2009, 03:17
Ich muß mein unteres Posting korrigieren.

Ich war zwei Wochen in Paraguay und mittlerweile gibt es Gerüchte von bis zu 16 (!) Kinder, die der Lugo während seiner Amtszeit gezeugt haben soll.

Die Mutter des ersten bewiesenen Kindes (seine Firmantin von 16 Jahren) mußte sich 2 Jahre alleine mit dem Kind durchschlagen
Die Mutter des zweiten ist seine ehem. Putzfrau, hat sich 6 Jahre mit dem Kind durchschlagen müssen.
Von anfangs 93% Zustimmung für Lugo sank die Zustimmung mittlerweile auf 29%.
Es wird mittlerweile eine Kommission eingerichtet, die sich um die Frauen kümmern soll, an denen sich Lugo vergangen hat, während seiner Amtszeit als Bischof.
Von den früheren Unterstützer aus den linken Parteien kann Lugo auf keinerlei Unterstützung mehr hoffen. Man wartet nur auf Rücktrit

Alf von Melmak
 
01
26.4.2009, 08:27
die sich um die Frauen kümmern soll, an denen sich Lugo vergangen hat


Was heißt "an denen er sich vergangen hat"?

War da Nötigung oder gar Zwang im Spiel? Ansonsten - und das ist soviel ich weiß der derzeitige Erkenntnisstand - haben die Frauen das durchaus freiwillig mit ihm gemacht.

Nightstallion
21
25.4.2009, 16:40
Da hab ich anderes gehört.

Man streitet sich, ob's gut für ihn oder schlecht für ihn ist -- gut, weil offensichtlich "ein echter Mann", was die Zeugungskraft angeht. Und zurücktreten wird er so oder so nicht, blöd wär er.

Ernst Guevara
06
14.4.2009, 08:36
der standard möchte scheinbar gerne ein boulevardblatt werden..

in paraguay gab es seit dem amtsantritt von lugo zumindest einen putschversuch von rechts, die sozialen bewegungen veranstalten demonstrationen und die konflikte um land verschärfen sich, zb blockieren die grossgrundbesitzer und sojaanbauer ähnlich wie in argentinien die strassen mit ihren traktoren um eine landreform zu verhindern. aber liest man davon irgendetwas im standard? nein. es muss erst ein bischof ein kind zeugen, damit der standard auf bild-oder kroneniveau über paraguay berichtet. ziemlich erbärmlich!

Kratzmich
06
14.4.2009, 00:59
Ich bin zur Zeit in Asunción und so richtig versteht hier keiner die Aufregung,

die die Colorado-Presse (ABC, Última Hora) schüren will.
Meine Meinung: Man liest seit jahren so viel über Kindsmißbrauch, dass man sich doch eigentlich freuen sollte, dass wenigstens ein Bischoff noch ein NORMALES Sexualleben hat.

Wer übrigens glaubt, es wäre ein venezolanisches Phänomen, dass Eigentümer großer Zeitungen (die ihr Vermögen während der Diktatur machten) eine Regierung stürzen wollen, dem kann ich versichern, das gibt es in anderen Ländern (z.B.Paraguay) auch.

Mr_Murphy
00
26.4.2009, 03:07

In der Hauptstadt villeicht, unter der Landbevölkerung wird es wohl anders aussehen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.