Sex vor dem Wettkampf?

Regina Philipp
16. April 2009, 18:42
  • Artikelbild
    foto: dpa/kay nietfeld

Ein wichtige Frage für viele Athleten: Mindert Sex vor einem Wettkampf die Leistungsfähigkeit oder bringt er im Gegenteil den letzten Kick für die neue Bestzeit?

Ein ungeschriebenes Gesetz, das primär im Mannschaftssport lange Zeit Gültigkeit besaß: 24 Stunden vor einem sportlichen Großereignis ist der Coitus ein absolutes Tabu. Der Grund: Dem Liebesspiel wurde unterstellt, dass es der körperlichen Leistungsfähigkeit eines Sportlers höchst abträglich wäre. Der brasilianische Trainer Luiz Felipe Scolari nahm es damit besonders ernst und erteilte seiner Mannschaft während der Fußball-WM-Endrunde in Südkorea und Japan 2002 darum strengstes Sexverbot.

Diese Enthaltsamkeit wurde redlich belohnt und dennoch hat sein Nachfolger Carlos Alberto Perreira die Zügel erheblich gelockert und seinen Spielern die Erlaubnis zum Sex vor und während der Wettkampfzeit ganz offiziell erteilt. Ob Brasilien allerdings deshalb 2006 im Viertelfinale gegen Frankreich ausgeschieden ist, lässt sich nur schwerlich beweisen.

Energieverlust mit Folgen?

Natürlich, jeder weiß, dass Sex nicht nur Vergnügen bereitet, sondern mitunter auch ziemlich anstrengend sein kann. Konkret verbraucht der menschliche Organismus beim Sex zwischen zwei und acht Kalorien pro Minute (kcal/min). Daraus ergibt sich im Schnitt pro Geschlechtsakt eine Summe von 150 bis 200 kcal.

Im Spitzensport wird seit Jahren darüber diskutiert, ob dieser geringfügige Energieverlust kurz vor einem Wettkampf eine sportliche Niederlage mit sich bringen kann. Ambitionierte Hobbysportler messen dem Thema ebenfalls zunehmend an Bedeutung bei. Vermutlich ist der generelle Verzicht auf Sex in so manchem Trainingsplan bereits ein fixer Bestandteil.

Kein Sex für den Mann, für die Frau schon

Frank Sommer, erster deutscher Professor für Männergesundheit, Urologe und Sportmediziner am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf betrachtet die Lage sportartspezifisch. Der Ausdauersportler kann, laut Sommer, vom Sex am Vorabend durchaus profitieren, wogegen sich beim Sprinter der Beischlaf eher negativ auswirkt. Die Ursache dafür findet sich in der Veränderung der Testosteronkonzentration. Während dem Liebensakt sinkt beim männlichen Sportler parallel zum Testosteronspiegel nämlich auch seine Aggressivität. Gleichzeitig werden Glückshormone produziert, die den parasympathischen Teil des Nervensystems aktivieren. Das bedeutet: Nach dem Samenerguss ist der Mann ruhig und entspannt. Ein Effekt, dem der Schnellkraftsportler nicht viel abgewinnen kann, der Marathonläufer freut sich mitunter darüber. Er steht weniger nervös am Start.
Auf die weiblichen Athletinnen sei an dieser Stelle nicht vergessen. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen ist der Testosteronanteil bei Frauen im Verlauf eines Koitus im Steigen begriffen. Für Kurzstreckenläuferinnen könnte sich das als Vorteil erweisen.

Nach zehn Stunden ist alles wieder gut

Ruhig Blut liebe Männer. Denn auch wenn die männliche Aggressivität im Liebesspiel schwindet, die Schlussfolgerung einer Schweizer Arbeitsgruppe beruhigt. Die Genfer Wissenschafter bestätigten zwar, dass Testosteron nicht nur Einfluss auf die Sexualität sondern auch auf die Leistungsfähigkeit hat, allerdings ist dieser nicht wirklich von Dauer. Was bedeutet: Spätestens zehn Stunden nach dem Sex ist der Sportler wieder bestens in Form.

Und wer sich beim Liebesspiel nicht total verausgabt, kann den Kalorienverbrauch auch problemlos mit einem Müsliriegel ausgleichen. (Regina Philipp, derStandard.at, 16.04.2009)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 62
1 2
:-)))

hihi so a schas

berti vogts:

"Sex vor dem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts."

"Sex vor dem Marathon?"

Ja, klar, und zwar 42,2 Mal

ja natürlich

:-) schweinderl.

Ich glaube, dass der Marathon zu "kopflastig" ist um davon zu profitieren.

Der Gegner Uhr lässt sich von "aggresivem Verhalten" nur schwerlich beeinflussen.

Bei menschlichen Gegenspielern, ist zusätzlicher "Biss" aber sicher hilfreich.

Immer noch besser als Sex NACH dem Marathon!

NACH dem Marathon

steht, äh geht eh nix mehr :-)

2 kcal pro Minute, also im Schnitt 150 bis 200 kcal pro Minute??? Ein Akt also 75 bis 100 min???

BRAV

Hab ich mir immer schon gedacht, dass der Liszt eher ein Sprinter war. Sonst hätte er's vermutlich nicht nötig gehabt, sich am Klavier derart marathonmäßig zu verausgaben.
Dem Schubert traue ich die 100 Minuten ohne weiteres zu.

Zuerst der Sex.. und dann sehe ich mir den Marathon im Fernsehen in voller Länge an, dazwischen ein Quicky, man will ja nicht zuviel versäumen, und zum Abschluß der Sex für den würdigen Sieger, mit dem ich Zeitgleich die Distanz bewältigt habe.

Marathon ist mit Sex absolut verträglich, wie mein Selbstversuch zeigen wird. Die große Frage wird bleiben:

Sex mit meiner Frau oder mit mir selbst, oder eine Mischvariante? Diese und viele andere offene Fragen könne leider erst später beantwortet werden. Im Zweifel sollten Sie dem natürlichem Trieb freien Lauf lassen, denn die Natur ist oft ein guter Ratgeber!

Dr. Pizarro antwortet
Antriebswissenschaftler

Sex vor Ausdauersport

Aus eigener Erfahrung: Am Abend davor mit ausreichend Schlaf - sehr gut! Am Morgen Stunden vor dem Wettkampf - schlecht.

Ist eigentlich eh logisch.

Schnackseln am Abend
erquickend und labend,
schnackseln am Morgen
bringt Kummer und Sorgen

- eine alte Bauernregel.

uns ist beim letzten langen lauf vor dem marathon die idee gekommen

braten während des laufens, ideal wär ein quickie in der prater hauptallee (keine nutte muss eine teilnehmerin mit startnummer sein) und das ganze unter 4 Stunden.

würde dem marathon doch eine ganz andere perspektive geben. und doping wäre völlig nebensächlich

Ja genau!

Wenn sie die Laufstrecke in 3'58'' schaffen, geht sich der Sex vielleicht auch noch aus...

wie war der osterverkehr?

erstaunliche leistung bei 2kcal wären das 75 - 100min und bei 8kcal 18 - 25min ;-) gilt das nun für eine person, den mann? österreicher?

marathon eben;-)

Vorschlag: Marathonsex statt herumlaufen.


Hält fit und die Endorphine schiessen so was von raus, dass man danach richtig süchtig wird. Möglichst oft wiederholen. Schont Gelenke! Wirtschaftlicher vorteil: man spart massenhaft Geld an Laufkleidung und Schuhen.

... ausser Sie tragen beim Marathonsex Laufkleidung und Schuhe...

idealpaarung

wäre demnach sprinterin mit langstreckensportler

Und Sprinter mit Marathonläuferin der Untergang jeder Gesellschaft ;)

Aber angeblich sind ja beim Sex die meisten Männer ohnehin SPRINTER - wenn man den Klagen so mancher Frauen Glauben schenken darf ...

:-)

das ist normalzustand - er ist nach 10 sec. fertig, sie braucht mindestens 3 stunden - ein grund der vielen partnerschaftsprobleme!

Posting 1 bis 25 von 62
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.