"Das ist noch viel schlimmer als die Briefwahl"

13. April 2009, 19:18
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Sophie Wollner (VSStÖ) will kein Versuchskaninchen sein

STANDARD: Warum wehrt ihr euch so gegen E-Voting?

Wollner: E-Voting ist eine Beschneidung des geheimen und freien Wahlrechts. Das ist noch schlimmer als die Briefwahl. Jeder kann mir reinschauen, was ich wähle, ich kann unter Druck gesetzt werden. Und das Schlimmste: Ich weiß nie, was mit meiner Stimme passiert. Ich kann als Wähler nicht nachvollziehen, wo meine Stimme hingeht. Die Studierenden werden hier als Versuchskaninchen missbraucht.

STANDARD: Laut Umfragen ist die Mehrheit der Studenten dafür. Agiert ihr da nicht an den Studenteninteressen vorbei?

Wollner: Nein. Gerade bei Umfragen kommt es darauf an, wie die Frage gestellt wird. Und wenn man da in die Tiefe geht, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Studierenden dafür ist. In England hat man gesehen, dass die Wahlbeteiligung durch E-Voting nicht gestiegen ist. Hier geht es nicht um Komfort. Wenn ich wählen will, dann mache ich das auch auf der Uni. Wenn ich nicht wählen will, dann wähle ich auch nicht vom Computer aus.

STANDARD: Seid ihr Technologieverweigerer, die nicht auf den Zug der Zeit aufspringen?

Wollner: Auf welchen Zug? In Deutschland gab es erst ein Urteil, dass die Wahlmaschinen künftig nicht mehr zum Einsatz kommen dürfen. Der Zug aus den USA, wo Wahlmaschinen manipuliert wurden und ganz Europa sich darüber lustig gemacht hat?

STANDARD: Werdet ihr klagen?

Wollner: Wir prüfen das. (kmo/DER STANDARD, Printausgabe, 14.04.2009)

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    Sophie Wollner vom VSStÖ.

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