Wie Frau Fekter der Sprung in die "Washington Post" gelang

13. April 2009, 19:03
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Aus einem Kommentar von US-Top-Kolumnist Charles Krauthammer über Obamas Europareise...

... seine dabei an den Tag gelegte "Geberlaune" und die Reaktionen der potenziellen Empfänger seiner Ostergeschenke - unter besonderer Berücksichtigung von Österreichs Innenministerin.

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Ich habe nichts dagegen, in internationalen Beziehungen Geschenke zu verteilen. Aber es wäre nett, wenn das keine Einbahnstraße wäre. Obama war bei seiner Europa-Visite in regelrechter Geberlaune. Während Gordon Brown versuchte, seine amerikanischen DVDs in Gang zu bringen und die Queen zu ihrem neuen iPod rockte, durfte sich das restliche Europa über ein gehaltvolleres Präsent freuen.

Unser Präsident überreichte einen Korb voller Mea Culpas. Mal mehr, mal weniger direkt bezichtigte Obama sein eigenes Volk der Arroganz und stellte es an den Pranger - wegen Völkermord und Folter, wegen Hiroshima und Guantánamo und wegen des mangelnden Respekts gegenüber der muslimischen Welt. - Und was erhielt er für diese leidenschaftliche Selbstbezichtigung? Er wollte mehr Nato-Truppen zur Unterstützung der 17.000 US-Soldaten in Afghanistan - und wurde brüsk abgewiesen. Er wollte mehr Konjunkturbelebungsprogramme von Europa - und erhielt nichts. Von russischer Seite gab's keinerlei Unterstützung für seine Iran-Politik, von China eine Blockade jeglicher Gegenreaktion auf Nordkoreas Raketentest. - Und was erhielt er für Guantánamo? Frankreich - Einwohnerzahl: 64 Millionen - will einen Gefangenen übernehmen. Einen! (Traurigerweise wird der wohl seinen Bridgepartner zurücklassen müssen.) Die Österreicher sagten, sie nehmen keinen. Wie erklärte doch Innenministerin Fekter in überwältigender germanischer Logik: Wenn sie nicht gefährlich sind, warum können sie dann nicht einfach in Amerika bleiben?

Wenn Österreich dich verhöhnt, ist die Woche gelaufen. Andererseits: Wer wollte es Frau Fekter verübeln, angesichts der Verachtung, die Obama gegenüber seinen eigenen Landsleuten im Ausland an den Tag legte, indem er wie ein Oberphilosoph agierte, der den Vermittler für seine Heimat spielen muss - als wäre sie der einzige Hort von Abtrünnigen in einer ansonsten freundlichen und einladenen Welt. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.04.2009)

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