Der Osterhase

10. April 2009, 19:19
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Unrein und unkeusch, doch sehr beliebt

Vor dem Verzehr von Hasen wird gewarnt. Bei der derzeit häufigsten Form, den in Folie verpackten Schoko-Osterhasen, ist der Grund einsichtig: Sie machen dick. Aber diese Art Hasen gab es noch gar nicht, als die Warnung ausgegeben wurde: Das war im Jahr 751 durch Papst Zacharias, der meinte, dass es die Keuschheit gefährden könnte, wenn man Hasen isst. Schließlich ist von den sonst eher scheuen Langohren bekannt, dass sie sich im Frühjahr ziemlich ungeniert paaren. Das hat sie schon in vorchristlichen Mythen zu Fruchtbarkeitssymbolen gemacht.

Dass die geilen Tiere der Kirche suspekt sind, hat Hasenopfer bei jenen noch populärer gemacht, die lieber Teufelskulte pflegen als Gott verehren: Nach den auf das Buch Leviticus 11,6 zurückgehenden Vorstellungen im Judentum, im Islam und bei frühen Christen ist ein Tier, das wiederkäut, aber keine gespaltenen Klauen hat, unrein (hebräisch: trefe bzw. arabisch: haram).

Zum Symbol des höchsten Festes der Christenheit hat es der Hase erst spät gebracht: Im 19. Jahrhundert berichtet Grimms Wörterbuch, dass der Osterhase quasi ein Verwandter der Osterhenne wäre und aus Tirol stamme. Damals war es dort üblich, weiblichen Patenkindern zu Ostern einen Kuchen in Form einer Henne und Buben einen Kuchen in Form eines Hasen zu schenken - verbunden sind die Tiere aus dem Brauchtum durch die Ostereier, die ihrerseits wieder Symbole von Leben und Auferstehung sind. Für Katholiken war solche Art der frommen Hasendarstellung allerdings noch ungewohnt.

In protestantischen Gegenden wurde der österliche Hase (noch nicht aus Schokolade, sondern aus Teig) allerdings schon 1678 von Georg Franck von Franckenau beschrieben. Der Ursprung dürfte in der Pfalz und im Elsass gelegen sein - und die Urform möglicherweise ein deformiertes Gebildbrot, das eigentlich ein Osterlamm darstellen sollte. Das Lamm ist als Symbol Christi aus dem Judentum (Opferlamm) abgeleitet - der Hase aber brauchte eine nachträgliche theologische Deutung.

Sie fand sich in der Rolle des verfolgten Christus analog zur Treibjagd - viele Hunde sind ja sprichwörtlich des Hasen Tod. Wobei die in Österreich erlegte Strecke an Feldhasen einen Anhaltspunkt dafür gibt, dass sich die Population der wilden Verwandten des Osterhasen trotz Biotopveränderung und Straßenverkehr (34.000 überfahrene Hasen und Kaninchen) erholt: Jahrzehntelang gingen die Abschüsse zurück, zuletzt aber verdoppelte sich die Zahl auf 247.089 im Jahr. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12./13.4.2009)

  • Verwandter von Osterhenne und Osterlamm: Schokohase.

    Verwandter von Osterhenne und Osterlamm: Schokohase.

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