Pro: Kein Profit ohne Grenzen

Die Banken könnten sich eine goldene Nase auf Kosten der Allgemeinheit verdienen - Von Thomas Mayer

Das kann es ja wohl nicht gewesen sein: Die Notenbanken schütten Unsummen in die Märkte, senken die Leitzinsen auf Rekordniveau. Die Staaten nehmen Abermilliarden Euro in die Hand, um für die Banken zu garantieren, um Sicherheit und Vertrauen zu geben. Aber die Kredite werden nicht billiger, sondern teurer. Unternehmer, die investieren wollen, müssen dazu viel mehr an Sicherheiten und Gebühren leisten als bisher, um Geld zu bekommen. Häuslbauern geht es nicht viel anders.

Selbst wenn man Banken zugesteht, dass die Weitergabe von Zinssenkungen stets mit Verspätung erfolgt; auch wenn es prinzipiell stimmt, dass Sicherheiten das notwendige Korrektiv zum verblichenen Wahnsinn völlig deregulierter Märkte sind - hier stimmt die Gesamtrechnung nicht. Vielmehr besteht der Verdacht, dass die Banken die Gunst der Stunde nutzen, sich eine goldene Nase auf Kosten der Allgemeinheit, letztlich des Steuerzahlers, zu verdienen.

Wenn Firmen Aufschläge von vier, fünf und mehr Prozent akzeptieren müssen, wenn Hypothekardarlehen 5,5 und mehr Prozent kosten, während die Zentralbank Richtung Nullzinsen marschiert, dann muss derselbe Staat, der die Banken rettet, zugunsten seiner Bürger eingreifen - notfalls per Zinsauflagen, wie es sie vor gar nicht so langer Zeit noch gegeben hat. Es würde schon reichen, wenn die Bankenaufsicht das täte, wofür sie da ist: Kontrolle und Aktion. Zum Beispiel: Zu jedem Quartal wird veröffentlicht, wie hoch die Zinsspannen aller Bankkredite sind, mit Namen und Zahlen. Soziale Marktwirtschaft braucht Transparenz. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12./13.4.2009)

Kontra

Überreaktion - Von Leo Szemeliker

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20 Postings
indirekte banksubvention

die zinsspanne wird wieder lukrativ, eine verdeckte banksteuer vom volk quasi. nix neix.

verstaatlichungen sind kein wunschkonzert, die passieren notgedrungen. in stammaktien umzuwandeln wird der nächste schritt sein müssen, auch in österreich. dann gehts eh nur marginal weiter zur enteignung, zu recht.

Für Freiberufler bleibt es vor, während und nach der Krise bei den Banken gleich!

Meine Bank, die mir seit 10 Jahren keinen Kredit gibt, weil ich nicht die Sicherheiten eines Angestellten stellen kann und auch niemals haben kann, weil ich eben Selbständiger bin - hat mir am Gipfel der Krise, ein lustiges Prospekt (4-färbig, 120 grammiges Papier!) zugesandt. Motto: billige Kredite rasch und für Jedermann.

Ich habe natürlich gleich bei der Bank angerufen und mich wieder beruhigt: für unsereins gilt das natürlich nicht!

Wären alle Häuslbauer Selbständige gewesen, bei gleichem Einkommen, hätte es die Finanzkrise niemals gegeben.

Als Neuer Selbständiger bekommst Du erst dann einen Kredit, wenn du soviel Geld hast, dass du eh keinen brauchen würdest!

Sollte man nicht dankbar sein für die Zeit, die noch bleibt, bevor die Banken die Milliarden in Form von Krediten weitergeben?

Sobald die Banken die Milliarden als Kredite vergeben, haben wir doch die schönste Inflation, oder irre ich mich da?

Paradox...

die Finanzwirtschaft, incl. der Banken haben die Finanzkrise herbeigeführt, verlangen vom Staat Hilfe. Dieses Staatsgeld sollte zur Wirtschaftsankurbelung dienen, statt dessen werden die Kredite teurer und knapper! Kein Wort über Einsparungen im Managemant mehr zu hören, die in guten Zeiten auf die Verantwortung hinweisen, wenn die Misere da ist, muss der Staat (SteuerzahlerInnen) her!
Kann mich nur wiederholen: Zu viele "Elsner´s" im Großformat laufen immer noch frei herum!!!

... schlechter Artikel. Lieber Redakteur verlangen Sie nicht zuviel - sie wissen eh der letzte der die Chuzpe hatte den Benzinpreis um 0.03 Cent senken zu wollen ist auch verstorben...

solange Gier grenzenlos ist, wird es auch ein ebensolches Profitstreben geben

warum renationalisiert man die Banken (billig) nicht wieder, oder verschafft sich zumindest im Zuge der Rettung eine Stimmenmehrheit wie vor den 70gern?

So geht das Ganze den Bach runter und reisst das Waehrungssystem noch mit.

Ende des Jahres gibt's keinen Dollar mehr. - Auch keinen Euro bzw. kein Europa mehr.

Jeder wusste es schon mindestens 10 Jahre, aber beim Vollgas gegen die Wand fahren haben genau die profitiert, denen die Kriese auch nicht weh tut.

Das Ende der Geschichte

Das wäre tatsächlich einen Riesenchance gewesen, Banken billigst zu renationalisieren, ohne revolutionären Straßenkampf.

Aber das Alles ist sowieso nur ein Schritt in die Zukunft, wo "vergesellschaftetes Eigentum an Produktionsmitteln" besser und zuverlässiger wirtschaftetet als privates Kapital.

Braucht halt alles seine Zeit, da hilft revolutionärer Voluntarismus rein gar nichts. Im Gegenteil: Der "reale Sozialismus" mußte scheitern, die Zeit war noch nicht reif.

Die aktuelle Finanzkrise wirft ein Schlaglicht darauf: Das Ende der (Kapital)Geschichte ist nah!

hä?

ist das nicht genau das problem? nämlich dass die zentralbanken die zinsen in den keller schicken, sich die situation auf dem geldmarkt für die banken trotzdem nicht genug verbessert. liquidität für banken knapp => kredite für uns alle teuer. kauen wir das nicht seit september täglich durch?

Könnten ist gut ..

Die Banken werden überdurchschnittlich profitieren. So wie immer wenn die billiges Geld in die Hand kriegen und keiner Kontrolle ausübt. Hier ist transparenz gefordert. Offenlegung der Kalkulation und Anwendung des Wucherparagraphen. Wir werden ja doppelt abgezockt. Schenken unser Geld her und dürfen es uns dann für teuere Zinsen ausborgen. Das ist ja echt toll.

Pro und Kontra oder ganz daneben?

An den Standard: Bitte mehr Diskurs!
Schade, der Diskurs findet in dieser Rubrik nicht mehr statt. Pro und Kontra argumentieren aneinander vorbei. Was soll ein Kontra welches sich nicht auf das Pro bezieht? Z.B. will Pro Transparenz und Information, Kontra argumentiert gegen planwirtschaftliche Vorgaben. Würden die beiden Autoren nur 5 Minuten ihre Argumente diskutieren, würde erheblich mehr Substanz herauskommen. So verkommt eine gute Rubrik zu zwei Kolumnen extremer Plattheiten.

wenn nur mehr wenige kredite nehmen, bricht das ganze kartenhaus zusammen

egal, wie hoch die zinsen sind, wenn die menschen merken dass ihre zukunft düster ausschaut, dann sind sie bei der kreditaufnahme sehr vorsichtig. wenn das so weitergeht, können die banken sich auf den kopf stellen, und mit den ohren wackeln >> zu wenige wollen sich mit einem kredit belasten>> der systemcrash ist nicht mehr aufzuhalten.
PS: in zeiten der hohen inflation werden kredite füe den durchschnittseinkommensbezieher unbezahlbar!! eine billige entschuldung erreichen nur wenige , nähmlich die die hohe reserven haben, alle anderen krachen.

Marge um 2% erhöht

angefragte Kreditkonditionen im Sep.2008: der Aufschlag beträgt 1,5% .

diese Woche: Aufschlag ist auf 3,5% gestiegen!!!

UNFASSBAR: Banken, die durch verantwortungsloses Wirtschaften eine Finanzkrise auslösen, die wiederum die massivste Krise in der Realwirtschaft seit dem 2.Weltkrieg ausgelöst hat, diese Banken können sich ohne Probleme aus dem Schlamm ziehen - während alle anderen eben deswegen Probleme bekommen.

Der Befreiungsschlag für Banken über niedrige Leitzinsen + hohe Margen sollte verboten sein: wir benötigen eine non-Profit-Bank, mit vorgegebenen Marge (1%), dann wirken sich Leitzinsänderungen direkt aus. Der Staat könnte bei Krediten eine "Versorgungsfunktion" übernehmen - wie bei Wasser/Strassen usw.

Prozentpunkte

der Unterschied zw. 1,5 und 3,5 ist wohl 2 ProzentPUNKTE.
Aber macht nix, die ORF Wahlberichterstattung versteht das schon seit rd. 50 Jahren nicht ...

der staat könnte schon

aber da warten sie zwei jahe auf ihren kredit wetten?

Die Banken haben sich übernommen, waren in einer so fragilen Position dass der Staat mit Garantien zur Seite stehen musste, und jetzt müssen sie eben aufholen. Wenn man das als Gewinn ausgibt und womöglich auch noch Dividende zahlt, dann ist das eine Täuschung. Tatsächlich ist es Abbau von Reserve-Mangel.

Das monetaristische Modell ...

hat sich erschöpft.

Das Zinseszinssystem hat sich erschöpft. Die Wirtschaft wächst nicht mehr. Dafür wachsen die zurückgehaltenen großen Geldvermögen exponentiell und der Schuldendienst wird bereits mit größter Mühe bedient. Staatsbankrott. Ein völlig neues Lebensgefühl!

seh ich auch so..

kann man auch garnicht anderes sehen, ausser man ist Profiteur solcher Situationen. Leider hat es der Staat übersehen die Banken billig zu übernehmen. Ein Jahrzehntchance. Aber der nächste Crash kommt bestimmt, es geht sich nämlich hinten und vorne nicht mehr aus.

genau,

das Risiko dass die Banken gegangen sind, bezahlt der
Steuerzahler. Der Realwirtschaft nützt es wenig wenn
dass Geld immer knapper wird. Basel II, 10 Jahre zu spät.

www.wiweb.at

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