Die Welt im 140-Zeichen-Stakkato

10. April 2009, 08:51

Geschichte lässt sich in kurzen Häppchen schreiben - Während Twitter ein Millionenpublikum anzieht, weiß es selbst noch nicht, wohin die Reise geht.

In Moldau ist das staatliche Fernsehen naturgemäß auf der Seite des Regimes. Die Demonstranten haben hingegen Twitter: Nachrichten in SMS-Länge, die ohne Geld an Einzelne oder beliebig große Gruppen verschickt werden können. Wie gemacht dafür, um in Windeseile mehrere Tausend Menschen zusammenzutrommeln und Neuigkeiten rasch zu verbreiten.

Report

Der Aufstand in Moldau ist nur der jüngste Schauplatz, bei dem der Web-2.0-Dienst Twitter eine prominente Rolle spielt. Von Mauritius bis Mumbai, von den US-Wahlen bis zur privaten Jobsuche, öffentliche und halböffentliche Geschichte(n) wird zunehmend im 140-Zeichen-Stakkato von "Tweets", den Twittermeldungen, geschrieben.

Wenig neue Webdienste sind gleichzeitig bei Millionen populär geworden und haben noch immer keine Antwort auf die Frage, wozu sie eigentlich gut sind. Antworten werden jedoch nicht von den Gründern Biz Stone und Evan Williams gegeben, die Twitter 2006 in San Francisco online brachten: Die Nutzer selbst entdecken den vielfältigen Nutzen für sich.

Vermarktung

Da gibt es kleine geschäftliche oder private Gruppen, die sich mit dem SMS-artigen Dienst auf dem Laufenden halten, Arbeit oder Freizeit organisieren und in Kontakt bleiben - ein vogelgezwitschergleiches soziales Grundrauschen. Politiker von US-Präsident Barack Obama und Frau Michelle (besser gesagt: ihre Ghostwriter) bis zur grünen Wiener Gemeinderätin Marie Ringler zwitschern, ebenso wie Stars oder Journalisten, die sich und ihre Arbeit vermarkten.

Twitter, abwechselnd als soziales Netzwerk oder Microblog klassifiziert, zählte zuletzt zwar erst rund sieben Millionen User, aber es weist das steilste Wachstum im Netz auf: Nielsen bezifferte den Zuwachs im Februar auf über 1300 Prozent - Facebook wuchs in derselben Zeit um 230 Prozent.

Google

Während jedoch für Millionen kein Zweifel an Nützlichkeit und Unterhaltungswert besteht, hat Twitter noch keine Antwort auf den wirtschaftlichen Sinn gefunden. Kaufinteressenten gäbe es genug: Erst zum Wochenende wurde bekannt, dass Twitter ein Google-Angebot ausschlug. Für Google würde die Mischung aus Community und Blog gut ins Portfolio passen; auch für Suche wird Twitter immer interessanter. Ebenso schlugen Stone und Williams ein Facebook-Angebot aus - Facebook-Statusmeldungen gleichen den kurzen "Tweets" von Twitterern. "Wir sind noch jung", sagt Stone auf die Frage nach der wirtschaftlichen Zukunft, "stark, profitabel und unabhängig" wolle man sein. Profitabilität ist trotz eines neuen Business-Managers jedoch noch in sehr weiter Ferne.

Aber bis auf weiteres beruhigt der immense Erfolg bei den - nicht zahlenden - Kunden eine prominente Schar an Investoren, zu der auch Amazon-Gründer Jeff Bezos zählt. Mit über 50 Millionen Dollar Risikokapital in der Kassa ist für das 30-Personen-Start-up noch lange gut zwitschern. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 10.04.2009)

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Twitter

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00
10.4.2009, 10:12
twitter news

die tausenste

Nilpferd
00
10.4.2009, 11:32

Und ich verstehe immernoch nicht was daran so toll sein soll.

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