An den ersten warmen Tagen im Jahr gehört das Donaukanalufer noch den Hobby-Anglern - Ab und zu beißen auch größere Fische an
Wien - Sind die Bauzäune erst einmal weg, ist es auch mit der Ruhe vorbei. Denn sobald der neue Gastro-Bereich der Strandbar Hermann Ende nächster Woche fertig ist, ist das mit Sand aufgeschüttete Stück Donaukanalufer wieder gut bevölkert.
"Es ist dann schon ziemlich laut hier" , sagt der Hobbyfischer Mikko Vuorinen. "Manche beschimpfen uns dann oder werfen Flaschen von der Brücke." Der in Finnland geborene Wiener will trotzdem weiterhin zwei bis drei Mal pro Woche herkommen, um vom kleinen Grünstreifen zwischen Wasser und Sandstrand aus seine beiden Angelruten in den Kanal zu halten.
Die sonnigsten Fischerplätze erreicht man wegen der Hermannbar-Baustelle derzeit nur, indem man sich durch ein paar Absperrgitter kämpft. Bei Schönwetter sitzen dennoch rund zwanzig Angler am Ufer. "Morgens und abends ist am meisten los" , sagt Vuorinen, "weil da auch die Fische am besten beißen." Dass gerade dort, wo der Wienfluss in den Donaukanal mündet, die Anglerdichte am höchsten ist, liegt laut Vuorinen daran, "dass hier im Wasser am meisten Verkehr ist" . Damit die Fische im Schlaf nicht gegen die starke Strömung ankämpfen müssen, schwimmen sie abends in den geschützten Bereich unter der Radetzkybrücke - und kommen morgens wieder hervor.
1,3 Meter Wels
Das größte Tier, das der gelernte Tischler jemals aus dem Kanal zog, hatte er trotzdem anderswo am Haken: Vor dem Musikclub Flex bei der Augartenbrücke fing Vuorinen einen 1,3 Meter langen Wels. "Das war ein ziemliches Spektakel" , sagt er. "Die Flex-Gäste haben gegrölt und getanzt." Dass er bei der Ausübung seines Lieblingshobbys am nicht sehr idyllischen Stadtgewässer von den meisten Passanten belächelt wird, stört ihn nicht weiter. "Die wissen eben nicht, dass das Wasser hier sehr sauber ist, und dass es hier Fischarten gibt, die es sonst nirgends mehr gibt."
Der Fang kommt entweder gleich in die Pfanne oder wird gesammelt zur Schwiegermutter gekarrt - die Fischsuppe daraus macht. Auch Miroslav sitzt mehrmals pro Woche mit der Angel am Kanal. Der Reiz daran erklärt sich für ihn mit einem Wort: "Sport" , sagt der gebürtige Bosnier, während er sich mit einer Hand über den Bauch streicht, "und dass man hier immer Bekannte trifft. Wir sind alle Haberer."
Um die Fische selbst geht's beim Kanal-Angeln nicht immer. Sind sie noch nicht groß genug, kommen sie zurück ins Wasser. Vorerst jedenfalls. Denn im Laufe der Saison werde man bescheidener, sagt Miroslav. "Wenn der Wirbel losgeht, ist man froh, wenn überhaupt irgendwas anbeißt." (Martina Stemmer, DER STANDARD - Printausgabe, 10. April 2009)